Frank (Milan Peschel) und Simone Lange (Steffi Kühnert) sind gerade mit ihren Kindern in ein neues Haus gezogen als bei Frank ein Gehirntumor diagnostiziert wird. Mit Chemotherapie und Morphium bleiben ihm nur wenige Monate zu leben. Die Familie leidet sehr wegen seines sich ständig
verschlechternden Zustands...
Für sein ergreifendes Drama, das den Zuschauer zum Sterbebegleiter eines totkranken Menschen macht, recherchiert Regisseur Andreas Dresen ("Halbe Treppe" 2002, "Whisky mit Wodka" 2009) mehrere Monate und interviewt Ärzte, Pfleger und Hinterbliebene.
Sein Film ist im semidokumentarischen Stil gedreht, wobei die Darsteller sämtliche Dialoge improvisieren. Dabei wachsen sie über sich hinaus: Milan Peschel ("Boxhagener Platz" 2010) liefert eine so beeindruckende wie unvergessliche Leistung als Mitmensch im körperlichen und geistigen Zerfall, wobei er ein Tagebuch per iPhone führt. Steffis Kühnert ("Das Weiße Band" 2009) als Ehefrau zwischen Aufopferungsbereitschaft und Verzweiflung rührt zu Tränen und auch die beiden Kinderdarsteller agieren hervorragend. Andreas Dresen benötigt keinen Pathos, allein Franks erfolgloser Versuch kurz nach der Diagnose ein einfaches Ikeabett für seinen Sohn zu bauen zeigt eindringlich den sich anbahnenden geistigen und körperlichen Verfall, der später in allen Einzelheiten gezeigt wird, von Aggressionsschüben bis zu tiefster Verzweiflung, vom letzten Sex bis zum Windeln des Sterbenden. Nur Franks Visionen, die seinen Tumor vermenschlichen, so dass er sogar Gast bei
Harald Schmidt sein kann, sind unnötig.
Dresens vom Rundfunk Berlin Brandenburg co-produzierter Spielfilm gewinnt nach seiner Premiere bei den Filmfestspielen in Cannes den Hauptpreis in der Sektion Un Certain Regard, sowie später den Preis der deutschen Filmkritik und den Deutschen Filmpreis 2012 (Bester Film, Bester Hauptdarsteller (Milan Peschel), Bester Nebendarsteller (Otto Mellies) und Beste Regie). 9/10