Wann haben die HELLRAISER-Filme eigentlich angefangen so Scheiße zu werden? Meiner Meinung nach waren ja alle Teile nach Teil 5 (HELLRAISER: INFERNO) unzumutbarer Schund und ein Faustschlag ins Gesicht eines jeden treuen Fans. Teil 6 (HELLSEEKER) brachte uns Kristy aus den ersten beiden Filmen zurück. Teil 7 war eine exakte Kopie von Teil 6. Und im achten Teil holten sie Lance Henriksen ins Boot, um zu retten, was nicht mehr zu retten war, und machten damit alle nur noch schlimmer. Nun also Hellraiser, die Neunte.
Der Plot (Achtung: Spoiler):
Nico und Steven, zwei befreundete Jungspunde fahren mit zum Saufen und Vögeln nach Mexiko und waren nicht mehr gesehen. Monate vergehen, doch kein Lebenszeichen von den beiden. Die Eltern der beiden Jungs hatten sich bereits mit dem Tod der Kids abgefunden, als eines Abends, als die beiden Paare mal wieder beisammen sitzen und gemeinsam den Verlust aufarbeiten, Steven auf der Terrasse steht, in der Hand einen mit Gold verzierten Holzwürfel. Doch Steven ist nicht der, der er vorgibt zu sein. In Stevens Haut steckt jemand, der dem Tod (sprich: den Cenobiten) ein Schnippchen geschlagen hat. Doch die Meister des Schmerzes sind ihm bereits dicht auf den Fersen…
Regisseur Victor Garcia war bislang nur für mittelprächtige Low-Budget-Sequels wie HAUNTED HILL 2 oder MIRRORS 2 verantwortlich, was einen schon dezent darauf einstimmt, nicht allzu viel vom neunten Teil der HELLRAISER-Reihe zu erwarten. Es werden viele bekannte Elemente von früheren Teilen aufgegriffen, z.B. der langhaarige Penner mit dem Vollbart und der Tropfen Blut, der die verlorene Seele wieder zurückholt.
Das Prinzip aus Teil 1, dass ein gehäutetes Muskelmännchen mit Blutopfern wieder aufgepäppelt werden kann, findet hier Verwendung. Die Story ist, auch wenn es von Plagiaten nur so wimmelt, gar nicht mal so schlecht, sondern im Grunde ganz anschaulich neukombiniert. Leider hapert es aber gewaltig an der Umsetzung, sprich: das hier nur wenig Budget zur Verfügung stand, schimmert an allen Ecken und Enden durch.
Splatter-FX werden zwar einige geboten – Gesichter werden tranchiert, Nägel in Köpfe gehämmert und die guten, alten Stahlketten mit den Angelhaken kommen natürlich auch zum Einsatz – allerdings fallen diese für HELLRAISER-Verhältnisse ziemlich lahm aus und ihnen haftet wegen ihrer Verbesserngswürdigkeit beinahe so etwas wie unfreiwilliger Humor an. Ganz schlimm: der „Pinhead“. Kann man nächstes Mal vielleicht einen Schauspieler wählen, der nicht ganz so albern in der Nägelmaske aussieht!? Große Glubschaugen, hohle Wangen, doofe Sprüche… – der Kerl verleiht dem „Pinhead“ einen beinahe tuntigen Touch. Der Chatterer und die anderen Cenobiten sind eigentlich ganz okay geraten, aber der „Pinhead“, Mensch, der wäre doch am wichtigsten gewesen…
Splatter: (+)(-)(-)(-)(-)
Spannung: (+)(+)(-)(-)(-)
Pinhead: (+)(-)(-)(-)(-)
Ich bin beinahe überrascht, dass es sich bei Teil 9 nicht wieder um einen Totalausfall wie bei den Teilen zuvor handelt. In gewisser Weise zeigt mir meine Reaktion aber auch auf, wie weit ich meine Erwartungen, einen vernünftigen HELLRAISER-Film vorgesetzt zu bekommen, schon herunter geschraubt habe, wenn es ein derartig billig produziertes Filmchen schafft mich derart in Verzückung zu versetzen.
Fazit:
Eine „Offenbarung“, wie es der Titel verspricht, ist Teil 9 wahrlich nicht. Dennoch bekommt man wieder ein bisschen Lust auf HELLRAISER. Auf dass diesen Hoffnungsschimmer der nächste Teil oder gar das anstehende Remake nicht für immer erlischt, wollen wir alle eifrig trinken!