Die behandelten Themen sind für das Schaffen von Regisseur und Autor Makoto Shinkai nicht ungewöhnlich. Das Loslassen, das Verlieren eines geliebten Menschen wird hier erweitert durch das Überschreiten der Grenze zwischen den Welten der Lebenden und der in so vielen Religionen und Mythologien beschriebenen Unterwelt. Dass es solche Geschichten zuhauf gibt, daraus macht das Skript keinen Hehl. Shinkai erzählt eben seine Version einer solchen Reise und dem Wunsch nach dem Wiederfinden.
Hierfür nimmt er sich zuerst Zeit für die Figuren, im Mittelpunkt steht dabei die Schülerin Asuna, die vor Zeiten selbst einen Verlust in der Familie erlitten hat – ein sich durch den Film ziehendes Motiv. Ihre freie Zeit verbringt sie mit einem Radio, welches sie mittels eines vom Vater hinterlassenen Kristalls betreibt. Mit diesem empfängt sie eines Tages ein merkwürdiges Signal. Und die Absonderlichkeiten häufen sich, trifft sie doch auf den geheimnisvollen Jungen Shun und eine unbekannte Kreatur.
Nach diesem gelungenen Aufbau der Einführung verliert sich der Film ausgerechnet ab dem Weltenwechsel in einer nicht ausbalancierten Struktur und steht sich dadurch selbst im Weg. Denn die Thematik und die einzelnen Versatzstücke der erzählten Geschichte sind durchaus einnehmend und Shinkai gelingen immer wieder berührende Szenen wie der Rückblick auf Morisaki und Lisa. Aber in seinem scheinbaren Willen, so viel wie möglich von der geheimnisvollen Unterwelt zeigen und erläutern zu wollen, vergisst sich etwas das flüssige Erzählen. Er bezahlt seine Ausführlichkeit damit, an anderen Stellen gehetzt zu wirken, weil er noch so viel unterbringen möchte. Darunter leidet letztlich auch der emotionale Transfer zum Zuschauer. Das hat Shinkai im sehr guten „Your Name“ und dem noch besseren „5 Centimeters per Second“ wesentlich einnehmender bewerkstelligt.
Die audiovisuelle Präsentation hingegen ist sehr gelungen. Die mit gelegentlichen digitalen Animationen unterstützten Zeichnungen sind farbenfroh, lebendig und detailliert. Insbesondere in den immer wieder eingestreuten kurzen Sequenzen, in denen einfach nur ein Stück Natur als Sinnbild der Lebendigkeit bebildert wird. Es wirkt wie ein kurzes Innehalten, der Grundthematik des Films weiter Rechnung tragend. Komponist Tenmon steuerte dazu einen schönen wie elegischen wie dramatischen Score bei.
Auf emotionaler Ebene bleibt „Children“ leider hinter seinen Möglichkeiten zurück und steht sich mit seiner nicht flüssig wirkenden Erzählweise selbst im Weg. Eingebettet in eine visuell hervorragende Präsentation ist Shinkais Film trotzdem einen Blick wert, wenn auch die vorher erwähnten Werke von ihm die weitaus stärkeren sind.