Review
von Con Trai
Staubtrockener, altmodischer Gruselkrimi der harmlosen Natur, gesetzt in der tiefsten englischen Provinz eines kleinen Dörfchens am Rande der Gesellschaft, in der die wenige Bevölkerung selbst noch bei einem Mord im Ort weiterhin den tristen Alltäglichkeiten des Lebens fristet. Trotz Polizei bei Ermittlungen und Befragungen zur Stelle, wird das bisherige Ein und Aus der Routine behalten, die wenigen Geschäfte geführt und die kleinen Intrigen innerhalb der Nachbarschaft gesponnen. Überschaubar, mit zwitschernden Vögeln und dem Rascheln des Papiers des Skriptes und der Regieanweisungen in Bild und Ton:
Bei dem wöchentlichen "Ghost Walk" vom Bauernfänger Jeff Bowmaker [ Danny Webb ] über den March Magna Friedhof, einer profitablen Touristenattraktion für die naiven Fremdlinge aus der Großstadt, geschehen eines dunklen Nachtes gar merkwürdige Umstände. Einer aus der zahlenden Kundschaft meint felsenfest, eine schemenhafte Gestalt über den Totenacker gesehen zu haben. Nur unweit darauf weicht Polizistengattin Joyce Barnaby [ Jane Wymark ] mit ihrem Auto schreckhaft einer auf die Straße laufenden Person aus und lenkt ihren Wagen geistesgegenwärtig in den Graben. Und eine frische Leiche wird direkt vor einem altertümlichen, dafür umso sorgfältig gepflegten Grabstein gefunden. Während sich Mrs Barnaby die aufgrund ihres Erlebnisses und der Möglichkeit des fahrlässigen Todes die schweren Vorwürfe macht, ermittelt DCI Tom Barnaby [ John Nettles ] zusammen mit DS Ben Jones [ Jason Hughes ] und DC Gail Stephens [ Kirsty Dillon ] in eine andere Richtung. Denn der Tote war im Ort höchst unbeliebt, und ein nahegelegenes, mittlerweile geschlossenes und versperrtes Hospital für Tuberkulosepatienten aus dem Viktorianischen Zeitalter scheint vielerlei mysteriöse Fragen und des Rätsel Lösung gleich mit zu bringen.
Genauso wie hier die filmischen Ereignisse in der Vergangenheit liegen und dort sprichwörtlich begraben sind, genauso gehört die gemütlich gehaltene Episode und ihre Reihung mittlerweile dem Präteritum an. Als eine der mittleren Folgen der für den Hauptdarsteller Nettles finalen 13. Staffel der originalen Midsomer Murders hat sich längst die Routine, wenn auch nicht der Verdruss der Zuschauer, sondern eher die alte liebgewonne Einsicht in das Vertraute und die Gewöhnung an solides Mittelmaß eingeschlichen. Das Ausruhen auf den sicherlich verdienten Lorbeeren. Im Gegensatz zu aktuelleren Geschichten mit Neu- und Umbesetzung sowie dort auch leicht veränderten, zuweilen spöttischen bis grimmigeren und so frischeren Ton wird hier noch die Adaption fester Regeln und die allgemeine Harmonisierung favorisiert. Ein Mord, manche Verdächtige, manche verbotene Liebeleien und ebenso argwöhnisch beobachte Mauscheleien, dazu eine illustre Folge an milden Spannungsszenarien in einer gemeinhin bedeutungslosen Ansiedlung auf dem Lande; fertig ist das werkgerechte Kriminalstück, in Grabesstimmung.
Diesmal bleibt dabei sogar alles innerhalb der (Zuschauer)familie und damit noch kleiner als üblich und gediegener als sonst. So wird die Familie Barnaby auch außerhalb des sowieso in den Fall eingebundenen Polizisten ebenso hineingezogen wie auch sonst fast nur Verwandte und Angetraute in dem auf angenehme Weise folgsam-behäbigen Geschehen eine Rolle spielen. Die einzige Ausnahme ist ausgerechnet der größte Störenfried im verschlafenen Ort, ein zugereister Scharlatan und Schwerenöter, der nicht nur den (unsichtbaren) Touristen das Geld mit Geistermärchen aus der Tasche zieht, sondern auch den Ehemännern der ansonsten auch leblosen Ansiedlung die Frauen abspenstig und zu Mittäter von Amouren und damit verdammenswerter Untreue macht.
Farbe in das Spiel der entsprechend letzten Ruhestätte bringt noch ein Spukmonument der besonderen Art; ein stillgelegtes Sanatorium aus der Hälfte des 19. Jahrhunderts, dass heutzutage zwar bloß noch als Ruine, aber damit verbunden auch mit allerlei Gerüchten und unausgesprochenen Flüchen ehemaliger Patienten sein unheilvolles Dasein fristet.[Gedreht wurde in Außenszenen am gesperrten Fairmile Hospital, Cholsey, Oxfordshire, dem ehemaligen Berkshire County Asylum, eine Stätte mit ganz besonderem Degout]. Entsprechend dessen wird mit allerlei Vorahnungen, Halluzinationen oder doch nicht und kleineren Schauersekunden für die ganz Schreckhaften im Fernsehsessel gespielt, was der sonst eher traulichen und be- statt verschlagenen Inszenierung für die ältere Generation die (zurückhaltend genutzte) Möglichkeiten zum Einschleusen von Schattengestalten in das heimische Wohnzimmer beigibt.