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UNDO

Ein junger Mann fährt mit einem Fahrstuhl in die Etage seines Apartments. Mit beiden Händen hält er einen Karton. Nebenbei erzählt er das, ganz typisch für japanische Wohnungen, es ihm laut Mietvertrag nicht gestattet sei Haustiere, sei es z.B. ein Hund oder eine Katze, zu halten. Das Verlangen trotzdem ein tierisches Lebewesen zu beherbergen, ist größer als die Angst gegen die Vertragsbedingungen zu verstoßen. Womit sich auch der Kartoninhalt erklärt. Oben angekommen macht er sich auch gleich daran den Inhalt freizulegen. Zum Vorschein kommen 2 kleine Schildkröten. Auch seine Freundin ist, nach anfänglicher Verwunderung, mehr als begeistert. Doch der junge Mann geht noch einen Schritt weiter, denn er fängt an in den Panzer der einen Schildkröte ein Loch zu bohren um daran eine Kette (ganz im Sinne einer Hundeleine) zu befestigen. Sein Versuch diese Prozedur auch bei der anderen Schildkröte durchzuführen scheitert, da seine Freundin dies nicht will. Schließlich geht man mit der Schildkröte sogar Gassi und lässt sie, eine Runde, im Meer schwimmen! Alles ist so wunderbar und unser Pärchen würde wohl noch Heute mit ihren Vierbeinern spazieren gehen, wäre da nicht der Tag X gekommen. An diesem, von jedem Jugendlichen herbeigesehnten, Tag wurde nämlich die Zahnspange der jungen Frau entfernt. Tja und diese Zahnspange bzw. ihr jetziges Nicht Vorhanden sein, ist der Auslöser einer ganz und gar neuen Art von Fesselspielen. Langsam aber Sicher erkennt der Freund, sowie der Zuschauer, eine völlig neue Seite an ihr. Jedoch auch sie selber, so hat es den Anschein, ist mit dieser Situation vollkommen überfordert. Sie muss alles verknoten! Ihre Hände, allerlei Gegenstände und die Schildkröten werden Opfer ihres, fast schon triebhaften, Unterfangen. Auch die Wohnung gleicht irgendwann einem Spinnennetz, da überall Stricke und Seile zu bizarren Mustern zusammen gebunden wurden. Lediglich einen Wunsch verspürt sie noch und obwohl mit dieser Situation auf Kriegsfuß stehend, soll ihr dieser von ihrem Freund auch erfüllt werden...

Bondage!?!?

Echt heftiger Stoff und das obwohl kein Blut fließt! Dies ist wieder mal der Beweis für die etwas anderen Geschichten Made in Japan. Regisseur und Drehbuchschreiber Shunji Iwai (Swallowtail Butterfly) hat wohl ein einzigartiges, filmisches, Werk geschaffen. Diese Geschichte, welche dermaßen bizarre Wege beschreitet wird außer ordentlich ruhig erzählt. Oft bleibt die Kamera direkt stehen und zwingt den Betrachter zu spannen. Somit kann diese Ausreizung von Ruhe auch eine Geduldsprobe sein. Jedoch versteht sich der Regisseur hervorragend in der Bildersprache, soll heißen der Zuschauer wird in eine andere Welt gesogen, womit Shunji Iwai das Manko von eventuellen Längen wieder wett macht. Wunderbare Bildkompositionen veredeln dieses Spiel aus Licht und Schatten und heben untermalt von einem facettenreichen Score (fast schon klassische Musik-Elemente wechseln mit Balladenähnlichen Songs) den Film ganz klar aus der Masse heraus. Die Darsteller agieren glaubwürdig, sind jedoch salopp gesagt nur eine der vielen Zutaten, welche sich anstandslos in das Gesamtwerk einfügen.

Es fällt schwer einen Film als Vergleich zu nennen da er viel zu ungewöhnlich ist. Mutig solch einen Film zu drehen wo auch im Ansatz kein Element vorhanden ist, welches ihm kommerziellen Erfolg sichern würde und absolut kein Mainstream. Selbst die kurze Laufzeit (ca. 48 min.) ist zu verschmerzen, denn nur eine Minute mehr könnte "UNDO" wirklich den Gnadenschuss, in Form von Langeweile, verpassen. Auch eine Wertung, im herkömmlichen Sinne, ist mir nicht möglich. Ich werde diesen Film einfach als GEHEIMTIP empfehlen! Also 8/10

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