„If I would have overreacted, you´d be dead”
So ein Ausspruch kann allenfalls von Steven Seagal stammen, doch so langsam scheint Jean-Claude van Damme denselben Weg zu gehen und körperlich ein wenig kürzer zu treten. Als wortkarger Profikiller macht er zwar einen soliden Eindruck, doch der Mangel an Action und der überraschungsfreie Ablauf gestalten den Streifen nicht gerade übermäßig unterhaltsam.
Van Damme mimt den erfahrenen Killer Vincent Brazil, der soeben in Bukarest bei einer Hochzeitsfeier unauffällig, aber blutig zuschlägt. Nun erhält er den Auftrag, Gangsterboss Polo (Ivan Kaye) zu eliminieren, doch gleichzeitig wurde Killer Flint (Scott Adkins) auf das Ziel angesetzt. Brazil und Flint kommen sich in die Quere und müssen sich zwangsläufig zusammenraufen, da einige Leute von Interpol ein perfides Spiel angezettelt haben…
Was man der Erzählung anrechnen kann, ist seine unablässige Art mit Figurenklischees umzugehen. Immerhin macht Brazil noch eine Entwicklung durch und lässt im Verlauf ein Minimum an Emotionen zu, was durch die Bekanntschaft zur in Not aufgenommenen Hure October (Marija Karan) ausgelöst wird. Ansonsten stolziert der Kerl so auffällig unauffällig durch die von Sepia gefilterten Kulissen mit seiner dunklen Kleidung, der Sonnenbrille und dem Mützchen, dass es fast einer Karikatur gleich kommt.
Flint entwickelt sich hingegen gar nicht. Er ist nur angetrieben von Rache, denn Polo ist verantwortlich für seine im Koma liegende Frau, die er nach wie vor betreut.
Als die beiden in einer leerstehenden Fabrik aufeinander treffen, kommt es zu einem kurzen Fight, einer der wenigen im Gesamtverlauf.
Denn leider dominieren viele unnütze Dialoge und stille Szenen, die auf Mimik setzen, wobei es nur wenigen Darstellern wie Andrew French als Auftraggeber gelingt, darstellerisches Talent einzubringen. Derweil pflegt Brazil seine Geigen, versucht seine Schildkröte zutraulicher zu machen und schleift zwischendurch seine Messer. Ein Zusammenspiel mit Flint findet kaum statt, erst zum Finale müssen sich die beiden gemeinsam gegen den mächtigen Feind behaupten. Ansonsten gibt es ein paar Schusswechsel, Messerwerfen und allenfalls fünf kurze Zweikämpfe, welche zwar okay choreographiert sind, aber nicht ansatzweise an die früheren Zeiten des Belgiers erinnern, zumal Adkins hier deutlich stärker in Action ist.
Neben einem Kehlenschnitt, harten Schlägen, Elektro-Folter und einem abgetrennten Ohr halten sich die Gewalteinlagen in gesunden Grenzen, - der Bösewicht wird von Ivan Kaye immerhin recht eindringlich verkörpert, wirkt ein wenig wie ein grimmiger John Rhys-Davies.
Allzu viel Abwechslung bietet die altbackene und überraschungsfreie Story ergo nicht, denn die zwielichtigen Pläne der Agenten sind frühzeitig durchschaubar und man ahnt rasch, wer welchen Killer für seine Zwecke einspannt.
Eine fernbedienbare Schnellfeuerwaffe bietet noch einen netten Effekt, während der Humor weitgehend auf der Strecke bleibt und auch beim Buddy-Gespann zu selten angewandt wird.
Handwerklich ist an der Regie von Ernie Barbarash zwar nicht viel auszusetzen, da der gefällige Score gut abgestimmt ist und die Kamera ein paar ordentliche Perspektiven einbindet, doch in Sachen Tempo und Drive bleibt die Geschichte phasenweise zu lange auf der Strecke.
Van Damme hat sich schon schlechter verkauft, auch wenn ihm die Rolle nicht allzu viel abverlangt. Von dem mittlerweile Fünfzigjährigen sollte man inzwischen eben kein Bloodsport Reloaded mehr erwarten, doch etwas mehr Bewegung und Krawall hätten der Geschichte gut getan, die ein wenig zu schlicht gestrickt ist, um über die volle Distanz zu unterhalten.
Passabel, aber eher etwas für eingefleischte JCVD-Fans oder derer, die altbacken aufgebauter Geschichten etwas mehr als nur Mittelmaß abgewinnen können, denn bezeichnenderweise sind die stillen Szenen zwischen ihm und Marija Karan die besten…
5 von 10