Los Angeles zählt zu den größten Metropolregionen der Welt und ist natürlich aufgrund von Hollywood der Inbegriff US-amerikanischer Filme. Dass hier auch so manch naive Hoffnung auf Ruhm und schnelles Geld vernichtet wird und die Stadt im Grunde ein Moloch wie jede andere Großstadt auch ist, versucht der Franzose Yvan Gauthier mit seinem episodenhaft angelegten Streifen zu bebildern.
Eigentlich scheinen die drei verschiedenen Schicksale nichts miteinander zu tun zu haben: Vincent holt seinen Onkel, einen Ex-Knacki und Lustmolch, vom Flughafen ab und lässt sich von ihm überreden mit der Kellnerin Natasha ein Date auszumachen, obgleich daheim Frau und Kind warten. Derweil pflegt Chris seine gelähmte Freundin und ist insgeheim frustriert, weil sie ihm die Schuld am Unfall ständig spüren lässt, woraufhin ein Clubbesuch mit seinem besten Freund mit ungeahnten Folgen endet. Und dann gibt es noch Jake, einen Schauspieler, der für eine Hauptrolle alles tun würde, wofür er jedoch nicht nur sprichwörtlich über Leichen gehen muss...
2004 gab es mit dem oscarprämierten Streifen "L.A. Crash" bereits ein Werk, welches diverse Schicksale in fragmentartiger Erzählweise miteinander zu verknüpfen suchte, was Gauthier wesentlich übersichtlicher gestaltet, indem er die ersten beiden Episoden mit leicht offenem Ausgang nacheinander abhandelt und erst im dritten Kapitel auf die Vorgänger zurückgreift.
So fragt man sich am Ende der ersten Geschichte zwar zunächst, was der hanebüchene Unfug eigentlich soll und wird mit der zweiten, in sich besser fokussierten Episode auch wesentlich kurzweiliger unterhalten, während die Fäden im finalen Kapitel zusammengeführt werden.
Leider nicht, ohne die eine oder andere Nebenhandlung offen zu lassen oder sie ein wenig zu überkonstruiert zu verschmelzen, denn am Ende kommen ein paar Zufälle zuviel zusammen.
Auf visueller Ebene bringen diverse Split Screens nicht allzu viel und auch verzerrte Egoperspektiven unterstreichen lediglich die Unsinnigkeit einer übersinnlichen Komponente innerhalb der Erzählung, jedoch ist die Kamera ansonsten um variables Material bemüht und leistet sich keinerlei Schnitzer. Leider wirkt die Kulisse bei alledem reichlich austauschbar, denn obgleich den Sets ein gewisser Pessimismus mitschwingt, könnte es statt L.A. auch jede andere (amerikanische) Metropole sein, in der das Schicksal einer Handvoll Menschen miteinander verknüpft ist.
Darstellerisch können primär die Alteingesessenen punkten, etwa Malcolm McDowell als manipulierender Filmproduzent oder William Forsythe als notgeiler Ex-Knacki, aber auch Paul Conway (der auch am Drehbuch mitwirkte) liefert eine solide Leistung als frustrierter Ehemann einer Gelähmten ab, während Warren Ostergard (welcher als Produzent angegeben ist) einen glaubwürdigen Eindruck hinterlässt, wie er zwischen Ehefrau und der verführerischen Kellnerin schwankt.
Ohne den finalen Kollisionskurs hätte das Gesamtwerk nicht viel bis gar keinen Sinn ergeben, doch im letzten Drittel ergeben sich glücklicherweise ein paar kleine Aha-Erlebnisse, wenn auch keine überwältigenden Überraschungen.
Mit augenscheinlich geringem Budget realisiert, kann sich der Streifen auf handwerklicher Ebene sehen lassen, und sofern man das etwas sperrige erste Kapitel überstanden hat, lohnt sich der Verlauf für Freunde episodenhaft erzählter und dennoch miteinander verknüpfter Geschichten durchaus.
6,5 von 10