Im Jahr 1904 wird Psychiater Carl Gustav Jung ein Anhänger und Verfechter der Lehren Sigmund Freuds, von der russischen Jüdin Sabina Spielrein aufgesucht. Die verzweifelte junge Frau hofft durch ihn ihre hysterischen Anfälle überwinden zu können. Jungs Interesse ist rasch geweckt, berichtet ihm die überaus intelligente Sabina doch von unterdrücktem sexuellen Verlangen und dem Drang, sich bei Züchtigung selbst zu befriedigen. Bei den Therapiegesprächen kommen sich der verheiratete Arzt und seine Patientin allmählich näher.
Mit dunkle Begierde arbeitet sich David Cronenberg beinahe schon dokumentarisch in die Welt der modernen Hirnverdreher ein, für die die beiden Begründer Jung und natürlich Siegmund Freud gelten. Cronenberg schlägt dabei für ihn erstaunlich ruhige Töne an, denn wie es das Thema eigentlich ja schon vorgibt, stehen Gespräche und sachliche Analyse im Vordergrund. Zentral ist aber Jung derjenige, der durch die zwei Hauptplots führt.
Zum einen wird die tiefe Freundschaft mit Freud und deren späterem Abkühlen thematisiert. Beide liefern sich sehr interessante Dialoge, die beim ersten Treffen schon mal schlappe 13 Stunden dauern. Ich bin zwar kein Fan von "Laberfilmen", aber hier hat man sich Mühe gegeben, das Thema Psychoanalyse auch für Laien verständlich zu machen und so Neugier auf den damals jungen Zweig der Wissenschaft zu machen.
Zum anderen wäre da noch die neue Patientin Sabina, zu der Jung ein starkes Vertrauensverhältnis aufbauen kann. Da es in der Ehe aufgrund Übertöchterung auch ein paar Zweifel aufkommen, bleibt eine Annäherung mit der jungen Russin fast zwangsläufig nicht aus.
Wer sich allerdings nicht von den recht trockenen Themen fesseln läßt wird mit der dunklen Begierde allerdings so seine Probleme haben. Ausstattung und Kostüme sind zwar erstklassig, aber es gibt eben auch ordentlich auf die Ohren über Traumdeutung, Sprechkur, sexuelle Motivation, Masochismus und all das Zeug, was Psychoanalytiker halt so ihre Welt nennen. Pflichtprogramm sicher für Medizinstudenten aus dem Fach Birne-heile-machen, totale Zeitverschwendung für Adrenalin Junkies.
6/10