Review

Die Kritik beruht auf der ungeschnittenen DVD-Fassung von ASTRO aus der Lucio Fulci-Collection!

"Nightmare Concert" - der Titel ist hier Programm, treffender kann das Endergebnis dieser Schnittabfallverwertung nicht beschrieben werden. Ein filmischer Albraum von Lucio Fulci, der selbst einen Sparfuchs wie Jess Franco noch in den Schatten stellt, denn "Nightmare Concert" besteht sicherlich zu 80% aus Schnittabfällen früherer Produktionen oder sogar aus kompletten Szenen, unter anderem aus Fulcis Machwerk "When Alice Broke The Mirror". Eine Resteverwertung, ebenso plump und schlecht in eine abstruse Rahmenhandlung montiert, um mit dem Erlös dem endgültigen Einbruch der italienischen Filmindustrie noch etwas positives abgewinnen zu können.

Hastig und wahrscheinlich in der Mittagspause zusammen geschustert, übernahm Fulci zugunsten weiterer Einsparungen die Hauptrolle und spielte sich sogar selbst - eine Idee, die gar nicht mal so schlecht ist und mit einigen selbstironischen Spitzen punkten kann.

Und wenn Lucio Fulci in der letzten Szene mit einem hübschen Häschen in einem Segelboot Richtung Sonnenuntergang schippert und dabei in die Kamera winkt, kann das splattrige Kuriositätenkabinett auch als Fulcis Abschiedsgeschenk an seine treuen Fans verstanden werden.

Und so wirkt "Nightmare Concert" auch vielmehr wie ein Best Of seiner derbsten Splatterszenarien - insgesamt so blutig und brutal, dass dieses Werk zu den am meisten gekürzten Filmen überhaupt zählt. Ein Rekord, der nur noch von der teilweise mehr als unfreiwilligen Komik übertroffen wird, die durch eine schlechte Synchronisation, unterirdische Dialoge und einem Nichts an Handlung erzeugt wird.

Doch selbst wenn Fulci nur Resteverwertung betreibt, so schafft er es dennoch, mit wenigen Mitteln ein Maximum an Atmosphäre zu schaffen. Denn wenn Fulci zu Fabbio Frizzis genialem Score aus "Die Geisterstadt der Zombies" über einen nebeldurchfluteten Friedhof schwankt, fühlt man sich in die Zeiten seiner früheren Werke zurückversetzt - auch wenn ich einen Klassiker wie "Die Geisterstadt der Zombies" für maßlos überschätzt halte.
Auch die Duschmord-Szene - ohne Frage bei Hitchcock abgekupfert und entweder als Hommage oder Kopie zu verstehen - ist mit einfachsten Mitteln perfekt inszeniert und mit mehr Fingerspitzengefühl in das dünne Handlungsgerüst geschnitten worden, als beispielsweise die Ermordung einer Straßenhure und eines Landstreichers.
Gerade bei diesen beiden Szenen wird deutlich, wie schnell und billig das wüste Spektakel zwischen Schein und Sein abgedreht wurde. Unterschiedliche Lichtverhältnisse zwischen altem und neu inszeniertem Material und Abweichungen von örtlichen Begebenheiten innerhalb einer Szene (Fulci fährt - im Rückfenster des Wagens deutlich zu erkennen - eine andere Strecke ab, als die, die der Landstreicher läuft, der letzten Endes mehrmals überfahren wird) sind eklatante Regieschwächen, die sich deutlich bemerkbar machen.

Auch die Handlung ist vom dramturgischen Standpunkt aus betrachtet  kompletter Unsinn, ohne auch nur den Hauch von erzählerischen Finessen. Der Clou, der an den Haaren herbei gezogenen Mordgeschichte, wird gleich zu Beginn verraten und kann für keinerlei Überraschungsmomente sorgen. Die Auflösung der Charade kommt genauso schnell, wie das komplette Drehbuch am Reißbrett entstanden ist.

"Nightmare Concert" ist eine billige Nummernrevue von peinlichen Nuditäten und extrem derbsten Splattereinlagen, die allerdings - für Fulci-Verhältnisse typisch - überaus gelungen sind und für Gorehounds keine Wünsche offen lassen.

Fulcis Abschiedsvorstellung ist jedenfalls um Längen besser als die Einschlaftablette "When Alice Broke The Mirror" - auch wenn die meisten Szenen aus diesem Film stammen.
Aber vor allem der Blick hinter die Kulissen und die selbstironische Darstellung Fulcis gepaart mit wenigen, dafür umso atmosphärerischen Szenen, sorgen dafür, dass "Nightmare Concert" leidlich Unterhaltungswert auf durchschnittlichem Niveau bietet.

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