Review

Fulci widmete sich hier dem eigenen Kult- und Provokateur-Status, selbstreferenziell und selbstironisch dreht sich vieles um Gore und Misogynie und die "Nöte" eines einerseits geschätzten und hofierten, andererseits berüchtigten und gescholtenen Horrorfilmmachers, den sein eigenes Œuvre einholt: Als Filme und Realität nicht mehr zu unterscheiden sind, Halluzinationen den Regisseur martern und zusehends alles in Blut ersäuft, wird ein Psychiater zu Rate gezogen, der allerdings nichts Gutes im Schilde führt...

Machen wir es kurz: Der Film ist Käse, ein haltlos zusammengestoppelter, naiver Blödsinn zur Präsentation mehr oder minder schlecht gemachter Splatterszenen, unkomisch komischer "Einfälle" und auch alter Fulci-Kamellen, die man nicht mehr hätte hochwürgen sollen, bzw. müssen.

Der Film hat keinen Erzählfluss sondern wirkt inhomogen, nachlässig gedreht. Das gipfelt sogar in einer - sehr vermutlich - unfreiwilligen "Plan 9 from Outer Space"-Hommage: In einer Szene, wo ein irrer Killer sein weibliches Opfer bedrängt und traktiert, wechseln sich sich Tag- und Nachthintergründe munter ab. Natürlich ist Fulci nicht zu einem zweiten Ed Wood geworden, einige inszenatorische Einfälle bilden immerhin schattenhaft ab, was der Regisseur in der Vergangenheit zustande zu bringen fähig war.

Das schäbige Ganze, ob es nun hingeschludert ist oder in der nächsten Szene doch etwas von der Profession Fulcis verrät, macht einen aber regelrecht aggressiv; spätestens nach der (prüde gefilmten) Orgie im Sadiconazista-Stil und deren wahnhafter Kommentierung durch den geistig verwirrten Regisseur (noch in erstem Drittel des Filmes), verliert man vor lauter Fremdschämen einen Liter Körperflüssigkeit pro Minute.

Besonders "unschön" ist die in "NC" zur Schau gestellte Misogynie. Ständig macht sich ein hässlicher, mit schiefen Zähnen grinsender Mann, brutal an einer schönen Frau zu schaffen. Dies soll ohne Frage ironisch Fulcis Image persiflieren (es gibt übrigens nicht wenige durchweg positive Frauenfiguren in Fulcis Filmen), hinterlässt aber hier in seiner eklig süffisanten Machart einen weit krankhafteren Eindruck, als z.B. ein "New York Ripper", wo es, bei allem Hang zum Bedienen des Voyeurismus, auch um Zuschauerverletzung und Katharsis geht. Bei diesem nihilistischen Monstrum von Serienkillerfilm kommt keiner ungeschoren davon, da überträgt sich das Leid der Opfer auch auf den abgehärteten Zuschauer. Aber bei "NC" wird ironisch-vergnüglich der primitivste Gore-Bauer bedient - und in ganz anderer Weise, als bei den meist harmlos-bekloppten Fun-Splatter-Filmchen.

Hauptprotagonist Fulci (der irgendwie und trotz alledem nicht unsympathisch wirkt - er ist halt ein drolliger alter Mann) ist darüber hinaus ein unbegabter Mime, was in den Kurzauftritten in seinen Filmen bislang nie derart deutlich zum Vorschein kam.
 
Die deutsche Synchronisation ist im Übrigen bekanntermaßen DIE Peinlichkeit und macht dem albern-ärgerlichen Film vollends den Garaus.

Fulci, das ist und bleibt für mich vor allem das unglaubliche Zombie-Quartett "Seil, Mauer, Insel, Stadt". Aber auch "Amulett des Bösen", "Das Syndikat des Grauens", "Verdammt zu leben - verdammt zu sterben" - und sehr gerne auch "Conquest" und "Die Schlacht der Centurions". Jedoch sicherlich nicht dieser hochnotpeinliche Müll.

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