Seit der großen „Twilight“ Welle kommen wieder jede Menge Independentfilmer aus den Löchern gekrochen und versuchen ihren kleinen Vampirfilm in die Runde zu werfen, wovon die meisten eher minderwertigen Quatsch darstellen oder das große Vorbild einfach nur plump kopieren. Gewiss besitzt auch „Vamperifica“ zahlreiche Schwächen, doch in dem Streifen steckt eine Menge Herzblut, was man nach den ersten Minuten keineswegs erwarten würde.
Denn in diesen erhalten wir einen Flashback, der den Niedergang des Vampirkönigs Raven schildert. 200 Jahre lang suchen die Blutsauger Emily und Campbell nach der Reinkarnation ihres Anführers und finden ihn ausgerechnet in Carmen (Martin Yurkovic), einem tuckigen Collage-Studenten, der sich nach der Verwandlung zum Vampir zwischen einer neuen Existenz und den einzigen beiden Freunden Tracey und Peter entscheiden muss…
Vielleicht ist der Grundgedanke der Story, welche vom Hauptdarsteller Yurkovic stammt, gar nicht so abwegig, da es zur Zeit ja kaum kernige Vampire auf der Leinwand zu sehen gibt, könnte man auch gleich einen schwulen Typen in den Fokus rücken, obgleich seine Homosexualität nie erwähnt wird. Diese wird allerdings mit sämtlichen Klischees untermauert, - ob es der wackelige Gang ist, das arge Gebärden mit den Armen oder der Aufstand nach der misslungenen Pediküre. Eine Drama-Queen mit viel Gezeter und Fluchen.
Obgleich die Erzählung zunächst recht schleppend vorgetragen wird, werden die Sympathieträger rasch etabliert und auch wenn die Humoreinschübe nie wirkliche Lacher hervorrufen, ist die Stimmung latent aufgelockert und beschwingt. Etwas zu offensichtlich ist allerdings das Abklappern der potentiellen Opfer, denn diesbezüglich weiß man bereits beim ersten Dialog zwischen Bardame, Produzent, schmierigem Pöbler und anderen Gestalten, dass diese mindestens mit zwei Löchern im Hals enden werden.
Allzu sehr fährt der Streifen jedoch nicht auf der Gewaltschiene. Neben angedeuteten Bissen gibt es noch einen ausgehebelten Kopf, einen zerplatzenden Körper, ein an die Wand geklatschtes Glied und einen um 360 Grad gedrehten Kopf, während der Effekt eines zur Fratze zerlaufenen Gesichts recht gut gelungen ist.
Leider verkommt der Stoff phasenweise ein wenig zur Selbstinszenierung, welcher arg auf die Hauptfigur zugeschnitten ist, was sich spätestens bei einem unnötigen musikalischen Akt auf der Bühne manifestiert. Yurkovic bringt es zwar fertig, zwischen tuckenhaftem Gehabe und bedrohlichen Gesichtsausdrücken und Körperhaltungen zu unterscheiden, doch darstellerisch gehört er noch nicht zu den großen Leuchten, um so eine One-Man-Show komplett überzeugend zu transportieren.
Dass die Macher etwas mehr als nur eine Folge „Buffy“ gesichtet haben kristallisiert sich hingegen zusehends heraus, zumal das Thema Freundschaft und Loyalität, aber auch Misstrauen und der Hang zu Prinzipien im Vordergrund stehen. Davon ab: Probleme des Erwachenswerdens haben irgendwie alle.
„Vamperifica“ kann und will den Vampirfilm nicht revolutionieren, doch er reichert das Subgenre um einen phasenweise charmanten Beitrag an, der mit sympathischen Figuren daherkommt, zwischendurch zwar eine eher eindimensionale und vorhersehbare Richtung einschlägt, dafür jedoch mit einer temporeichen und ordentlich inszenierten Portion Action zum Finale überzeugen kann.
Dennoch soll an dieser Stelle keine eindeutige Empfehlung ausgesprochen werden, denn der Streifen dürfte Reaktionen zwischen „langweilig“ und „erfrischend“ hervorrufen, was von einer gewissen Erwartungshaltung ausgehend beides nachvollziehbar ist.
Knapp
6 von 10