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Krieg bedeutet immer sinnloses Blutvergießen und besonders die Menschen im ehemaligen Jugoslawien wissen, wie schnell aus Freunden und Nachbarn Feinde werden können.
Insofern ist der Alternativtitel "Reflections of War" von Regisseur Kristijan Milic inhaltlich etwas zutreffender, obgleich das Cover fälschlicherweise einen reinen Actionfilm suggeriert.

Im Zweiten Weltkrieg ist Martin als Kroate in Bosnien unterwegs, als er über Umwege an das silberne Zigarettenetui eines sterbenden Soldaten gerät. 1993 befindet sich Martins Enkel im Jugoslawienkrieg, in dem sich Kroaten und Serben belauern. Das Etui hat er dabei und die kleine Einheit nähert sich dem sagenumwobenen Friedhofsfeld von damals...

Man muss nicht zwangsläufig aus dem ehemaligen Jugoslawien stammen, um einen Zugang zur Geschichte zu erhalten und doch hilft es ungemein, sich mit der Thematik verschiedener Interessensgruppen im Balkan einmal intensiver beschäftigt zu haben.
Die Handlung teilt sich in zwei parallel erzählte Stränge auf, was anhand der Sepiabilder von 1943 deutlich zu unterscheiden ist. Der Hauptschauplatz befindet sich in beiden Fällen in Bosnien, was für die spätere Entwicklung, ebenso wie das Etui von Bedeutung ist.

Allerdings, und das kristallisiert sich bereits nach kurzer Zeit als ein deutliches Manko heraus, wird man mit keiner Figur warm, da es sich überwiegend um stereotyp gezeichnete Soldaten handelt und die jeweiligen Feinde erst gar nicht zu sehen sind. Actiontechnisch wird zwar ein wenig herumgeballert und handgemachte Gewalteinlagen wie Kopfschuss und zerfetzter Körper infolge Handgranate untermauern in aller Deutlichkeit die Gräuel eines Krieges, doch wirklich spannend wird es fast nie, - mal abgesehen vom versierten Kennzeichnen von Tretminen.

Immerhin vermag die Kameraarbeit zu überzeugen, da sie die beklemmende und zuweilen gar surreale Atmosphäre unterstreicht, was ebenfalls für den Score gilt, welcher sich eigentlich nur durch ein markantes Hauptthema auszeichnet. Auch darstellerisch ist wenig zu bemängeln, da einige markante Gesichter mitwirken, welche überwiegend glaubhaft performen, nur will der Funke nicht überspringen, da bis fast zum Schluss nicht ersichtlich ist, worauf die Chose eigentlich hinauslaufen soll.

Innerhalb der letzten Viertelstunde überschlagen sich hingegen die Ereignisse, 1943 und 1993 gehen geradezu fließend ineinander über und da erhält der ganz zu Beginn eingeblendete Satz "Wir sind alle tot, - nur in Reihenfolge beerdigt" eine ganz eigene Bedeutung, wobei aufgrund der Auflösung nicht mehr verraten werden soll.
Die Intention ist großartig, die Umsetzung lässt allerdings zu wünschen übrig, denn weder Horrorfans, noch Actionfreunde erhalten genügend Futter, um ausreichend bedient zu werden.

Der Streifen verlangt im Endeffekt eine Menge Geduld ab und man muss sich komplett darauf einlassen, denn die Kriegsparabel mäandert zu lange vor sich hin, um im finalen Akt so etwas wie Horror und Mystery einfließen zu lassen, während viele Zuschauer bis dato längst ausgeklinkt haben dürften.
Eine Zielgruppe ist insofern nicht klar definiert und infolgedessen dürfte es der Streifen, trotz zahlreicher internationaler Preise schwer haben, ein umfängliches Publikum zu finden.
5 von 10

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