Mit seinem ersten Langfilm hat Regisseur Markus Sehr eine ordentliche und unterhaltende, wenn auch keine überragende Komödie abgeliefert. Schauspielerisch kann der Film auch überzeugen, der Witz und die Charaktere sind gut abgestimmt und es werden keine abgründigen Gagschubladen strapaziert, sondern der Film schafft es seine Ironie und Spitzen leise und dezent aber wirkungsvoll auszuspielen.
Udo (Kurt Krömer) leidet am Phänomen der "Schwersichtigkeit", d.h. er wird nicht von seinen Mitmenschen gesehen, ausser er berührt den Sehenden direkt vor sich und macht auf sich physisch aufmerksam. Udo ist komplett weltfremd weil er deswegen mit nur ganz wenigen Personen kommuniziert. Er hat sich aber durchaus mit seiner Isolation arrangiert und sie kommt ja auch seinem Job als erfolgreicher Kaufhausdetektiv sehr entgegen. Plötzlich sieht ihn doch eine Frau (Fritzi Haberlandt), die beiden kommen sich näher und verlieben sich....mehr wird hier nicht verraten.....
Wer mit solch einem grotesken Setup nichts anzufangen weiss, wem dies zu "phantastisch-märchenhaft" ist wird den Film gegebenenfalls ablehnen. Wer sich allerdings darauf einstellt wird mit einer sehr amüsanten kleinen Komödie entlohnt. Neben dem schönen Situationen die durch seine "Unsichtbarkeit" entstehen lebt der Film auch von seinen schön dargestellten Nebenrollen und Gags in Form z.B. der transsexuellen Verkäuferin im Kaufhaus oder einem finnischen Sicherheitsmann.
Kurt Krömer spielt Udo für mich etwas sehr steif und holzschnittartig und das Timing stimmt nicht immer und er bringt seine Texte nicht überzeugend rüber. Es ist durchaus sehbar und nicht wirklich störend, aber es wurde m.E. nicht alles aus der Rolle rausgeholt. Fritzi Haberlandt hingegen zieht alle Register und gefällt mir weitaus besser als der Protagonist. Die Nebenrollen sind phantastisch besetzt und tragen den Film vor allem in der zweiten Hälfte.
Schön sind auch die Rückblenden in Udo's Kindheit in bezug auf seine Schwersichtigkeit, so müss er sich z.B. in der Schulklasse mit einer Fanfare zu Wort melden, weil er eben nicht gesehen wird. In der zweiten Hälfte verfliegt etwas der groteske Charakter der Story und die ein oder andere Länge zieht ein. Zusammenfassend kann man sich bei EINE INSEL NAMES UDO angenehm kurze ca. 77 Minuten an der abwechslungsreichen, aber auch subtil dargebotenen Gesellschaftskritik ohne Humor-Dampfhammer amüsieren.
6/10 Punkten