Review

Die Serie "KINO KONTROVERS" ist für seine kompromisslosen Veröffentlichungen bekannt und CODE BLUE passt absolut in diese Reihe. Er fordert den Zuschauer in Geduld und Offenheit bis an die Grenzen das Gesehene auszuhalten und auch wirklich unvoreingenommen bewerten zu können. Was bleibt ist ein hochwertig inszeniertes, sehr langsames Drama bei dem - entsprechende Empathie vorausgesetzt - einem manchmal fast der Atem stockt vor Spannung und der Intensität des Dargebotenen und der intensiven Performance der Protagonistin.

Die Story soll künftige Seher wirklich überraschen und schlägt zu viele Haken um sie hier nur ansatzweise wiedergeben zu wollen. Nur kurz so viel: die Krankenschwester Marian (Bien de Moor) im mittleren Alter arbeitet im Krankenhaus in einer Abteilung für bald sterbende Patienten. Sie ist sichtlich mit der Situation überfordert und verstrickt sich auch im privaten Umfeld immer mehr in einen Strudel von abskuren Sehnsüchten und erotischen Leidenschaften...

Der Film hat extrem wenig Dialoge und lebt von seinen sehr emotional gesetzten, teils auch übertrieben symbolisch geprägten Bildern. Die Hauptdarstellerin spielt das ganze unglaublich präsent und ist dabei physisch bis in die letzte Zehenspitze fast über die Leinwand hinweg spürbar leidend. Das Cover finde ich sehr gelungen und stellt eine gute Symbolik bezüglich Ihrer von außen nicht nachvollziehbaren Zerissenheit Ihrer Gefühlswelt dar. Ihre Mimik ist außerordentlich fein abgestimmt und sie schafft es ein ganz beklemmendes Gefühl zu verbreiten, das bald etwas ganz fürchterliches passiert.

Dazwischen liefert uns die Regisseurin unglaublich gut und harmonisch strukturierte Aufnahmen, Gesichter und andere Körperteile in Nahaufnahme und eine verdunkelte, reduzierte aber irgendwie designer-mäßg gestylte Wohnung der Protagonistin die komplett umgekehrt proportional zu ihrem undurchsichtigen Seelenzustand ist. Die Aussichtslosigkeit ihrer psychischen Verfassung ist perfekt dargestellt und die Sublimierung der Situation in erotische Begierden wirkt sehr befremdlich aber doch irgendwie authentisch. Ganz überzeugen konnte der Film nicht, den diverse Handlungsteile hängen etwas lose nebeneinander und sind nicht wirklich konsistent miteinander verstrickt.

Das große Finale liefert der Film nicht in dem Maße wie er es vielleicht scheinbar anfangs vorgibt, aber dennoch entlädt sich ein  völlig unerwartetes emotionales Konstrukt in einem Schlußteil welcher dann auch noch überraschend mit expliziten Hardcore-ähnlichen Sexszenen ausgestattet ist. Wie viele Filme wird dieser auch die Zuschauer polarisieren und die Urteile werden von "kruder perverser Schwachsinn" bis "großes Kino" lauten.

Wer tabulose Filme die nachwirken und starke emotionale Isolation spürbar machen und diese rücksichtslos aber hochwertig inszeniert über die Leinwand bringen mag, wird mit CODE BLUE gut bedient sein. Alle anderen sollten den Film meiden, den er ist alles andere als für ein Normalpublikum geeignet. Er wirkt als hätten sich David Fincher und Lars von Trier mal auf ein gemeinsames Filmprojekt geeinigt.....

7/10 benutzten Kondomen....äh, ...Punkten

Details
Ähnliche Filme