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Marian (Bien de Moor) lebt weitgehend isoliert von ihrer Umwelt in einem kleinen Appartment. Sie arbeitet aufopferungsvoll als Krankenschwester in einer Station für Todkranke. Wenn Ihr das Leid der Siechenden zu groß erscheint, leistet sie ungefragt Sterbehilfe. Eines Tages merkt Marian, dass ein Nachbar (Lars Eidinger) sie beobachtet. Doch zuerst weist sie ihn ab...

Eine bei den Filmfestspielen in Cannes uraufgeführte Psychostudie ohne viele Worte, schon die ersten 15 min. wirken wie ein mit Geräuchen unterlegter Stummfilm, in dem wir den Ärzten im OP und paralleldazu der Sterbenden zusehen. Es geht um den Tod und das Sterben an sich, aber auch um Einsamkeit und Isolation. Wir sind ganz nah bei Schwester Marians Wirken im Krankhaus, vom liebevollen Umgang mit den Patienten bis zur Todesspritze, aber auch in ihrem trostlosen Privatleben, wo sie sich Gäste bestenfalls vorstellen kann. Ihr Ausbruchsversuch muss unumgänglich in einer Katastrophe enden. Bien de Moor spielt sich in der Hauptrolle die Seele aus dem Leib und auch Lars Eidinger ("Hell" 2011, "Tatort" TV 2010/12) als gestörter Nachbar hat eine beeindruckende Leinwandpräsenz.

"Es hat die ultimative Intimität jemand beim Sterben zu begleiten", sagt die polnischstämmige Regisseurin Urszula Antonik beachtenswerten halbstündigen Interview auf der DVD und bietet eine Erklärung der Symbolik im Film und dazu Interpretationsmöglichkeiten. Nicht alles davon wird in Code Blue wirklich deutlich. Sehenswert, aber nicht leicht verdaulich. (7,5/10)

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