Review

Wie eine frische Brise weht diese britische Arbeiterkomödie zu uns ins Land und beweist einmal mehr, daß die Komödien am meisten zu Herzen gehen, denen wir uns irgendwie verbunden fühlen können, weil sie eine mögliche Realität abbilden. Als Geschichte geradezu banal wirkt es, wenn sechs arbeitslose Stahlarbeiter teils aus Trotz, teils aus Geldnöten zu Amateurstrippern mutieren und nebenbei mehr über sich erfahren, als sie sonst jemals hätten wissen wollen.

Das wirkt rückblickend für reine Kino-Konsumenten natürlich wie eine alberne Stripkomödie, wobei außer acht gelassen wird, daß die Tanz- , Strip- und Choreographieszenen nur einen Teil dieser umfassenden Story abbilden. Die sorgen natürlich für reichlich Lacher, sind jedoch auch die abgenutztesten Bilder im vollendeten Ganzen.

Viel interessanter noch sind die Charaktere, die Schilderung ihrer sozialen Situation, die Schilderung wahrer proletarischer Lebensumstände und die kleinen, fiesen Wahrheiten, die allmählich ans Licht kommen.

Da haben wir den Sorgerechtsfall des vernunftvergessenen Vaters, das wegen seiner Körperfülle sexuell und selbstbewußtseinsgehemmte Dickerchen, den alten Haudegen, den Vorarbeiter, der seine ehemalige Position nicht vergessen kann und deswegen seiner Frau die Hucke voll lügt, wenn es um die Finanzsituation geht und zwei völlig verschiedene Männer, die langsam aber sicher ihre homosexuelle Ader entdecken und durch die körperliche Befreiung auch auszuleben beginnen. Diese Situationen beinhalten noch vielmehr Witz, Tragik und Gefühl, als der vordergründige Humor des Strippens.

Exakt in seiner Schilderung proletarischen Lebens, gibt der Film wieder mal ein schönes Beispiel an die Adresse deutscher Komödienfilmschaffender, die glauben, Proletarier in Filmen sind immer noch mit Prolls gleichzusetzen. Da haben die Engländer immer noch die Nase vorn.

Natürlich sind einige Szenen aus der Standardkiste auch beim mehrfachen Sehen immer noch köstlich, vor allem die Sequenz in der Schlange beim Arbeitsamt, die komisch und typisch wirkt, ohne daß ein Wort gesprochen wird. Der Abschlußstrip ist natürlich längst ein Klassiker, wie ebenso Carlyles Versuch seinen Pullover zu Hot Chocolate auszuziehen, obwohl er noch eine Kippe im Mund hat und die Auditionsequenz, wo mögliche Tänzer angetestet werden.

Die Vorhersagbarkeit der Handlung im Groben ist dabie außer acht zu lassen, dafür kommen diese perfekt gecasteten Typen alle zu knuddelig sympathisch rüber.
Charaktercomedy vom Feinsten mit unverbrauchten Gesichtern, die eine wirkliche Geschichte zu erzählen hat. Komödie zum Mitdenken und Loslassen. Eine Seltenheit. (8/10)

Details
Ähnliche Filme