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Je grausiger das Ende, so friedlicher der Beginn.
Eine nur kurze Idylle wird hier geboten, ein erst verführerischer, aber trügerischer Ausflug quer durch das begrünte Glück inmitten in die Tragödie und den Schrecken darunter und dahinter hinein. Eine unerwartete und für alle Beteiligten auch unerklärliche Begegnung mit dem Grauen aus der Vergangenheit, das selbst für die Polizisten mit langer Berufskenntnis gar nicht fass- und dann auch wirklich nur im Ausschwärmen der gesamten Einheit und dem Ablenken und Ratsammeln in familiär sicheren Bindungen dingbar zu machen ist.

Das auch hier die Aufklärung am Ende glückt und der Erfolg der Ermittlungen rund um die scheinbar friedlich vor sich dahin schlummernde englische Provinz im Südwesten des Landes gelingt, ist dabei als letzter Trost bis zur nächsten Episode zu werten. Ungewohnt ernst, ohne aber die Rezepte der Serie und die Konstanten von Schönheit der Landschaft – hier besonders der Abstecher zur Watercress Line, einer Dampflokstrecke samt Bahnhofs- und Wärterhäuschen bei Ropley, Hampshire, was im Kontrast zum Rest so eigenartig kontemplativ wirkt wie eine zum Leben erwachte Märklin in Großausgabe – , der (unfreiwilligen) Partnerschaft des Detective - Duos und die Skurrilitäten der eingeschlafen wirkenden, doch jeweils Dreck am Stecken habenden und so allgemeingültig zum Verdächtigenkreis gehörenden Dorfbevölkerung zu vergessen.

Bei ihrer Heimkunft von der Arbeit findet die junge Jo Starling [ Sarah Smart ] ihre Mitbewohnerin in einem Hochzeitskleid gewürgt und ertrunken in ihrer Badewanne vor. Der Mord an der Braut, die keine ist, ruft DCI John Barnaby [ Neil Dudgeon ] samt Assistent DS Ben Jones [ Jason Hughes ] auf den Plan, die in und um den Schauplatz in Great Worthy vor allem die Männer der Umgebung und im Leben der Dahingeschiedenen näher in Augenschein nehmen. Da wäre der geschasste Ex Cop Matt Rowntree [ Lee Boardman ], der unabhängig davon noch eine Rechnung aus frühen Tagen mit Sergeant Jones offen hat. Der Vermieter des kleines Häuschens und heimliche Spanner Bernard Flack [ Ron Cook ]. Der sich vergebens um Zuneigung bemühende Tierpfleger Sam Tomlin [ Thomas Arnold ] sowie der überaus schüchterne Tankwart Malcolm Merryman [ Andrew Buckley ] nebst den auch Privatunterricht gebenden Lehrer David Orchard [ Adrian Rawlins ]. Da passiert ein grausamer zweiter Mord, und der dritte steht bereits vor der Tür.

Maniac-on-the-loose, dessen Gedeih und Verderb selbst den erfahrenen Gerichtsmediziner zu Gefühlsausbrüchen negativer Art hinreißt. Anders als in den direkt davor oder danach liegenden Anekdoten des neuen Inspector Barnaby, in denen es sich um harmloses Krimiallerlei um verschrobene Pensionäre, einen zerstrittenen Oldtimerclub, oder einen liebessüchtigen New Age Verein im Sektenschloss dreht, ist hier der Ton ungleich rauer. Auch wenn sicherlich nicht gleich dem ganzen drolligen Understatement des Vereinigten Königreich und seiner fiktiven Grafschaft Midsomer als Enklave der Tradition klassischer „Herrenhaus-Morde“, von Agatha Christie über P. D. James bis hin zu Caroline Graham als Autorin der Midsomer Murders dem Garaus gemacht wird, verändert sich für einen Moment lang die Ausgangslage schon. Inszeniert ist das Geschehen vom Barnaby - Debütanten und u.a.  Wire in the Blood Veteran Nicholas Laughland als sensational murder stories drama und weniger als amüsantes Rätselraten zum Fünf-Uhr-Tee; nicht nur die erste Zeugin ist sichtlich aufgelöst, auch die umliegende Bevölkerung lässt sich vom Schrecken anstecken. Selbst die Häuser sind hier hässlicher Natur, die Einrichtungen spartanisch bis baufällig oder wenigstens so richtig zugemüllt, die Treppen schief im Gebälk und der Teppich verwaschen. Das böse Blut, das zwischen dem zugereisten DCI und dem erneut geschassten Sergeant weiterhin bestehen bleibt, gibt da in angiftenden Kommentaren teils unter der Gürtellinie nur noch den unseligen Rest.

Die Arbeit als Team bleibt dennoch und auch trotz schon schmerzhafter Neckereien und als Trost für zukünftig Beschauliches weiterhin bestehen. Ein Verbund im Kampf gegen Verbrechen und anderes Vergehen, vor allem auch gegen die Vergangenheit selber, die sowohl in Tat direkt als in Befragungen indirekt zu tragen kommt. Enttäuschte Liebschaften könnten der Anlass sein, Abweisungen von Avancchen und Gefühl, missratene Erziehungen, verschmähte Leistungen, Verfehlungen in Charakter und im Dienst. Mehrmals wird die Wiederholung der Geschichte wie explizit die dreifachen Morde des Bigamisten George Joseph Smith 1915 selber, "Blaubart" aus "Geschichten oder Märchen aus vergangener Zeit" und auch verbal direkt zitiert, "Old murders can be fascinating. There's a lot to learn from them." und "Old murders, George. I read a lot. Maybe our killer does the same.", was neben final spürbarer Bedrohung samt gar dem (natürlich nur vergleichsweise drastischen) Ausreizen von Slashermotiven und nackten Frauenleichen unweigerlich an das die Reprisen explizit zum Thema machende Whitechapel erinnert.

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