Der ehemalige französische Berufsboxer Leo ist nach diversen persönlichen Schicksalsschlägen ziemlich auf den Hund gekommen, als er in der kolumbianischen Hafenstadt Cartagena bei der reichen und schönen, doch seit einem Unfall vom Hals ab gelähmten Muriel anklingelt und sich als neuer Pfleger bewirbt. Zunächst sind Muriel und ihre treue Haushälterin misstrauisch, doch nach anfänglichen Holprigkeiten beginnen sich Damen und Herr aneinander zu gewöhnen. Da tauchen neue Probleme auf, als Leo von seiner Vergangenheit im Boxring eingeholt wird.
Christopher Lambert in einem reinrassigen Drama zu sehen, zumal noch als ständig unrasierten Schluckspecht ist irgendwie sehr ungewohnt, genauso wie die neue Synchro. Allerdings schlägt er sich in dieser ernsthaften Rolle sogar ziemlich wacker und mit Sophie Marceau steht ja auch ein starke Partnerin zur Verfügung. Netterweise ist Cartagena auch nicht als reinrassiges Melodram angelegt, sondern wirkt eher lebensbejahend unterhaltsam. Es gibt keine wirklichen Helden, wirklich jeder der Protagonisten hat sein eigenes schweres Päckchen zu tragen, so daß die Figuren aus dem Leben gegriffend rüberkommen. Selbst die beinahe lauthals antelegraphierte Liebesgeschichte wird bestenfalls angedeutet und bleibt am Ende weitgehend unaufgelöst.
Die Story ist dabei ziemlich diffzil, abgwrackter Ex Sportler kümmert sich aus Geldnot um eine halsabwärts gelähmte Patientin, die durch ihre Situation zur Süffisanz neigt. Dazu gibts noch eine drogenabhäbgige Hausangestellte und als auffüllenden Subplot eine talentierte Boxerin, die Leo ausbilden soll, aber privat auf den Strich geht und generell keinen kolumbianischen Peso ihr Eigen nennt. Viel mehr Probleme kann man kaum noch in ein einziges Drehbuch packen, sind aber durchaus nachvollziehbar und werden nicht übertrieben tränendrüsig präsentiert. Allmählich gewöhnen sich dann die verschiedenen Charaktere aneinander, gewinnen sogar Schritt für Schritt Vertrauen und alle bekommen ein einigermaßen versöhnliches Schicksal spendiert.
Ganz großes Kino ist Cartagena sicher nicht geworden, aber ein doch ansprechendes Drama, dem nicht der Schmalz aus jeder Pore trieft. Die Wendungen sind dabei zwar relativ vorhersehbar und die Nebenhandlung mit der jungen Boxerin genau genommen eher unötig, aber insgesamt überwiegt die sympathische Geschichte.
6/10