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Spätestens seit "Wolf Creek" ist das australische Outback als geeignetes Gebiet für Menschenjagden etabliert worden, so dass dem Slasher rasch ähnlich gelagerte Streifen folgten. Wie jedoch ein Überlebenskampf in rauer Wildnis zum cineastischen Desaster werden kann, offenbart Regiedebütant Dion Boland in nahezu allen Belangen.

Kriegsheimkehrer Ben reist eine Weile als Rucksacktourist durch Australien und gabelt dabei Nina auf, mit der er fortan gemeinsam tourt. Nach einer Rast ist Nina plötzlich verschwunden, kurz darauf meldet sich ein Fremder über Ninas Handy bei Ben: Vincent veranstaltet eine Menschenjagd und wenn er die junge Frau lebend wieder sehen will, muss er sich zwangsläufig auf ein Katz- und Maus-Spiel einlassen...

Für einen richtig mitreißenden Survial-Thriller wäre es mal wieder Zeit gewesen, doch der Erstling von Boland macht bereits in den ersten Minuten nicht den Eindruck, in der oberen Liga mitspielen zu können. Der wenig charismatische Ben erhält außer einem Einsatz in Afghanistan null Charakterisierung, Nina ist lediglich Beiwerk und auch der Tunichtgut wirkt nicht gerade bedrohlich, nur weil er sich Kriegsbemalung übers Gesicht schmiert.

Obgleich ein paar nette Landschaftsaufnahmen zu erhaschen sind, wirkt die Optik billig. Die Ausleuchtung ist häufig verpeilt, zuweilen ist die Szenerie gnadenlos überbelichtet, während bei einigen nächtlichen Aufnahmen nur wenig zu erkennen ist. Kamera und Schnitt arbeiten im Grunde zweckdienlich, doch das Gespür für effektive Blickwinkel fehlt komplett, wodurch in keinem Moment Drive auszumachen ist. Selbst als sich die Kontrahenten während des letzten Drittels mehrfach gegenüber stehen und sich kleine Fallen stellen, will keine Spannung aufkommen, zumal das unausgegorene Skript jegliche Motivationen der Beteiligten außen vor lässt.

Darüber hinaus entsteht deutlich zuviel Leerlauf, etwa, als Ben für eine Weile bei einem alten Eremiten unter kommt und die Bedrohung während dieser Zeit komplett wegfällt.
Aber auch der Showdown gerät kaum besser, denn aufgrund zahlreicher unlogischer Verhaltensweisen kann man den Verlauf letztlich nicht mehr ernst nehmen, denn da unterbieten sich zwei vermeintliche Jäger schlichtweg an Dummheit.

Beim Überlebenskampf in der Wildnis kann man dramaturgisch eigentlich nicht viel falsch machen, doch dieses Debüt zeigt, dass es offenbar doch möglich ist.
Die schwachen Mimen und die noch schwächere Synchro bilden neben dem eindimensionalen und oft unpassend klingenden Score nur die Spitze der zahlreichen Mankos.
Die angedeuteten Gewalteinlagen sind zu vernachlässigen, wirkliches Tempo will trotz einiger Bewegungsphasen nicht aufkommen, von spannenden Momenten ganz zu schweigen.
Da dürften die Erlebnisse eines durchschnittlichen Rucksackurlaubers in Australien weitaus kurzweiliger ausfallen...
2,5 von 10

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