"Freundschaften können gefährlich sein, bei dem was wir machen."
Obwohl Lightning McQueen nach einigen gewonnenen Rennen mehrfach den Piston Cup erhalten hat und sich eine Pause in seiner Heimatstadt Radiator Springs gönnen wollte, lässt er sich die provokanten Äußerungen von dem konkurrierenden Rennwagen Francesco Bernoulli nicht bieten und tritt für den World Grand Prix an. Dieser von Miles Axelrod, einem ehemaligen Öltycoon, arrangierte Wettkampf soll für Werbezwecke und Verbreitung eines neuen umweltfreundlichen Treibstoffs zugute kommen.
Mit seinem Freund Hook bereist McQueen verschiedene Länder um sich den einzelnen Rennen zu stellen. Dabei gerät Hook an Informationen zu einem Komplott. Professor Z plant das Rennen zu sabotieren um die Einführung des neuen Treibstoff zu verhindern. Der britische Spion Finn McMissile und seine Gehilfin Holly Shiftwell wissen davon und suchen nach Beweisen für den Sabotageakt. Als sie von Hook diese bekommen verwechseln ihn die Agenten mit einem amerikanischen Informanten und Hook gerät ins Kreuzfeuer.
"Cars 2" geht neue, ungewohnte Wege und bricht mit den Konventionen des Pixar-Animationsstudios. Der Nachfolger von "Cars" dreht die Welt der Autos auf den Kopf und macht aus der Handlung um Rennsport und Hochmut eine Agentengeschichte, die zunächst sperrig und gewöhnungsbedürftig wirkt. Der Fokus, der im ersten Teil auf Lightning McQueen lag teilt sich nun auf ihn sowie den begriffsstutzigen Hook auf. Die Folge ist ein wesentlicher Anstieg von Action, Tempo und Humor sowie ein Rückgang an Charakterzeichnung.
Kenntnisse von "Cars" sind alleinig dem Wissen um die Figuren von Vorteil. Die Fortsetzung steht im Grunde für sich allein und setzt keinerlei Vorkenntnisse voraus, gerade wegen dem wechsel des Genre.
Die parabelhafte Rahmenhandlung für eine kleine Geschichte über Freundschaft im Gewand eines actionreichen Plots um ein Autorennen ist durchzogen von einer charmanten Hommage an die "James Bond"-Reihe. So wie man es von den Agentenfilmen gewohnt ist nutzen die Figuren diverse Gadgets und Waffen, was die Autos flexibler als im ersten Teil handeln lässt.
Der poppige Soundtrack unterstützt die rasante Geschichte, die durch Zeit- und Handlungssprünge teils etwas zu flott voran schreitet.
Neben den recht kurz kommenden Autorennen sowie der wenig geistreichen, aber funktionierenden Agentengeschichte, reichert "Cars 2" die Handlung noch mit einer wenig rührseligen Moral um Freundschaft und Loyalität an.
Durchaus überraschend ist die für einen Animationsfilm ungewöhnliche Thematisierung aktueller politischer Situationen. Denn es geht um Biosprit und die Akzeptanz dessen in der Bevölkerung. "Cars 2" zieht zu dessen Verdeutlichung sogar reale Schauplätze mit ein und scheut nicht vor einer augenzwinkernden Betrachtung nicht-amerikanischer Kulturen. Hierbei fällt auf, dass der zahreich vorhandene Humor weit weniger ein jüngeres Publikum anspricht, sondern eher auf ein aufgeklärtes Publikum zielt. So finden sich, neben anspruchsvoller Situationskomik, blecherne Gegenstücke zu Queen Elisabeth II. und dem Papst, die einer Karikatur gleichen.
Das Universum von "Cars" bekommt Zuwachs durch sprechende Flugzeuge und Schiffe, die den vermenschlichten Autos in nichts nach stehen. Wie üblich verpasst Pixar seinen abstrakten Figuren charakteristische Eigenschaften und verbindet sie glaubwürdig mit personifizierenden Elementen. Auch wenn die Figuren diesmal nicht so ausgereift scheinen mögen wie sonst, bleiben sie dennoch greifbar.
Erneut ist es Pixar sehr gut gelungen die Möglichkeiten der technischen Entwicklung organisch in den Film einzubauen, ohne dass es wie bloßer Selbstzweck wirken würde. Die Schauplätze sind aufgrund der Handlung vielfältig und detailreich animiert. Überall lassen sich viele liebevoll gestaltete Anspielungen und Klischees entdecken, mit denen die Animateure ihren Schauplätzen Tribut zollen. Die Higlights finden sich in malerischen Landschaften, Wasser- und Partikeleffekten.
Bereitschaft für einen Wandel wird bei "Cars 2" vorausgesetzt. Denn anstatt die Handlung von dem Vorgänger fortzusetzen, vollzieht Pixar einen ungewohnten Bruch und setzt sein Universum, in dem motorisierte Wesen den Menschen ersetzen, einem völlig anderen Genre aus. Das Ergebnis ist ein temporeicher Agententhriller mit zahlreichen Gags, detailreicher Optik und augenzwinkernden Bezügen zur Realität. Ein Unterhaltungsfilm, fast so gut wie "Die Unglaublichen", wären da nicht die vernachlässigten Figuren.
9 / 10