"Was muss man erlebt haben um 23 Menschen ermorden zu können?"
Als Cataleya (Amandla Stenberg) neun Jahre alt ist, werden ihre Eltern auf Anweisung des Mafiabosses Don Luis (Beto Benites) ermordet. Sie selbst entgeht dem Anschlag und flüchtet zu ihrem Onkel Emillio Restrepo (Cliff Curtis) nach Chicago. Auch er hat sich der Kriminaltät verschrieben und organisiert Anschläge.
15 Jahre später ist Cataleya (Zoë Saldaña) eine ausgebildete Killerin und auf einem Rachefeldzug. Bereits seit Jahren markiert sie ihre Opfer mit der Silhouette einer Cattleya-Orchidee, um die Aufmerksamkeit von Don Luis zu bekommen. Erst als Special Agent James Ross (Lennie James) zu den Ermittlungen stößt, bekommt Cataleya ihre gewünschte Aufmerksamkeit und die Möglichkeit Don Luis direkt anzugreifen, ganz zu dem missfallen ihres Auftraggebers Emillio.
"Colombiana" ist ein Rache-Thriller gängiger Art. Von Beginn bis zum Ende ist vorhersehbar, wie sich die Geschichte wenden wird. Mittels einer starken Protagonistin vermittelt der Film seine Umstände sehr publikumswirksam. Dennoch gibt es einige Lücken und einige Szenen, die für den gesamten Film vollkommen überflüssig sind und ihn unnötig in die Länge ziehen.
Man könnte annehmen, dass die weibliche Heldenfigur für etwas frischen Wind im Genre sorgen könnte. Aber nur bedingt nutzt "Colombiana" die gefühlsbetonten, verletzlichen weiblichen Eigenarten aus. Zwar ist die Handlung recht figurennah erzählt, um Kitsch, Klischees und die Sexualisierung seiner Hauptfigur kommt der Thriller aber nicht herum. Die nebensächlichen Figuren kommen nur zu handlungsrelevanten Szenen zum Zuge und werden nicht charakterisiert.
Ein großes Problem stellt die altbackene Geschichte dar. Es fehlt ihr an Originalität und Einfallsreichtum, um sich von der vielfältigen Konkurrenz abzuheben. Zwar beginnt "Colombiana" recht rasant und bietet auch ein ansehliches Finale, dazwischen kämpft der Thriller aber mit Längen, und bindet weder seine knapp gehaltene Romanze noch die Ermittlungen des FBI richtig ein.
So beschränken sich die Highlights mehr auf den Actionbereich. Durch die Benutzung unkonventioneller Hilfsmittel, wie Gürtel, Zahnbürsten und Handtücher, ist "Colombiana" in dieser Richtung sogar noch innovativ. Abseits dessen gibt es zu Beginn und gerade gegen Ende auch ordentliche Schießereien.
Die Action ist rasant, hat aber das Problem der visuellen inkonsistenz. Häufig passiert es, dass unter dem Tempo der Schnitte und der Bilderflut die Übersicht leidet. Der hektische Ablauf macht den Film gesamt gesehen zwar spürbar kurzweilig, viel Hängen bleibt aber trotzdem nicht.
Durch Amandla Stenberg ("Die Tribute von Panem") und insbesonders Zoë Saldaña ("Star Trek") bekommt die Hauptfigur Cataleya einen sehr nachvollziehbaren und emotional fassbaren Rahmen. Die Talente von Cliff Curtis ("10.000 B.C.") sowie Lennie James ("Lockout") dagegen werden in Nebenrollen verpulvert.
Gerade zu Beginn und am Ende kann "Colombiana" durch seine, zwar unübersichtlichen, aber dennoch unterhaltsamen Actionszenen überzeugen. Dazwischen hängt der Thriller aber ordentlich durch. Zu ereignis- und ideenlos verläuft die Handlung, neben der Hauptfigur und einer sehr präsenten Hauptdarstellerin bilden sich keine Bezüge zu den Figuren. "Colombiana" hebt sich nicht von vergleichbaren Filmen ab und ist von seiner Handlung zu perfekt konstruiert um ein eigenständiges Dasein zu fristen.
5 / 10