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Schon die erste Szene verdeutlicht, dass es wieder passiert ist - wie schon im ersten "Hangover" - Film ist das Wolfsrudel - bestehend aus Phil (Bradley Cooper), Stu (Ed Helms) und Alan (Zach Galifianakis) - wieder komplett abgedriftet, ohne das den Beteiligten klar ist, wie es dazu gekommen ist. Doch erst einmal dreht der Film das Rad der Zeit um eine Woche zurück, und einen Moment scheint es so, als ob die Freunde aus den traumatischen Erlebnissen in Las Vegas etwas gelernt hätten. Doch das würde dem Konzept des Films widersprechen, der fast deckungsgleich wieder auf das selbe Pferd setzt, das beim ersten Mal einen Überraschungserfolg erzielte.

Damals ließen die Macher ein Quartett auf die Zuschauer los, das an Bravheit und Gestörtheit schwer zu überbieten war, dann aber eine Nacht der Exzesse erlebte, die nicht nur eine extreme Fallhöhe zu ihrem sonstigen Leben bedeutete, sondern sie auch veränderte. Davon ist allerdings nur noch wenig in Teil 2 zu merken, denn ausgerechnet Stu, der am Ende des Originals seiner nervigen Freundin den Laufpass gab, ist wieder ein Muster an Solidität. Zwar heiratet er jetzt eine deutlich attraktivere Frau (Jamie Chung), bekommt bei deren Vater aber kein Bein auf den Boden, da dieser ihn für keinen richtigen Mann hält. Entsprechend feiert er seine Junggesellen-Party bei einer Limo in einem Schnellrestaurant und will auch Alan, den er für den Hauptschuldigen der Misere in Las Vegas hält, nicht bei seiner Hochzeit in Thailand dabei haben.

Die Qualität des Originals lag vor allem darin, dass die drei sehr unterschiedlichen Männer die Erfahrungen in Las Vegas am Ende positiv bewerteten, da diese ihre Sicht auf das Leben veränderten und sie näher zusammen brachte. Doch hier gilt nur noch das Motto "Alles auf Anfang", damit sie wieder aus der Naivität eines harmlosen Abends - hier am Lagerfeuer mit Marshmallows und einer Flasche Bier - in die Hölle des Molochs Bangkok einfahren können, wo sie am nächsten Tag in einer herunter gekommenen Wohnung aufwachen. Alan hat keine Haare mehr auf dem Kopf, Phil liegt in seiner Spucke und Stu hat ein Tattoo im Gesicht - zudem ist ihnen ein dressierter Affe zugelaufen und ein seltsamer Pilz wächst auf dem Zimmerboden, ohne das sie auch nur ahnen, wie sie in diesem Zustand hierhin gekommen sind.

Teil 2 geniert sich auch weiterhin keinen Moment, das Original munter zu zitieren. Selbst das Verschwinden einer Person muss wieder für den Aktionismus herhalten, in den die Drei geraten. Da Doug (Justin Bartha) hier noch braver ist als im ersten Film, darf diesmal der kleine Bruder der Braut den Vermissten mimen, von dem die Drei nur noch einen Finger finden. Trotz der fast identischen Story-Anlage, gelingt es "Hangover 2" nicht mehr, die Klarheit der Originalstory zu erreichen, die gerade in der Anständigkeit der Protagonisten lag, die noch nie zuvor ähnliche Erfahrungen gemacht hatten. Darin liegt der größte Unterschied zwischen den beiden Filmen, denn während in Teil 1 die jungen Männer ihr Leben, so wie es war, gut fanden, und nur einmal ganz kurz über die Stränge schlagen wollten, wird vor allem Zahnarzt Stu in Teil 2 sofort mit dem Vorwurf konfrontiert, ob er nun ein echter Kerl ist oder nicht.

Ob das auch Erstseher des zweiten Teils so empfinden werden, bleibt Spekulation, aber die Macher des Films selbst hatten eine solche Konstellation offensichtlich auch nicht in Erwägung gezogen, denn sie drehen kräftig an der Ereignisschraube. Der Unterhaltungswert des Films wird natürlich daran gemessen, wie erschreckend sich die nächtlichen Ereignisse im Nachhinein erweisen, weshalb es schon bemerkenswert ist, wie häufig dafür der Penis herhalten muss. Mit Leoparden, Schwergewichtsboxern, Unterweltbossen und ausgeschlagenen Zähnen, konnte man keine Punkte mehr machen, und auch das Gesichtstattoo verliert schnell seine Schockwirkung, aber dafür gibt es ja noch den guten, alten Penis, der - möglichst überraschend ins Bild geschoben - in der homophoben Männerwelt immer noch für Erschauern sorgen kann.

Das "Hangover 2" die Erfolgsformel des Originals nochmals wiederholt, ist verzeihlich und nicht ohne Unterhaltunswert - entscheidender ist, dass "Hangover" hier seine Unschuld verloren hat, aus der erst die Fallhöhe zwischen den Charakteren und den Ereignissen entstand (4/10).

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