Review

Wir schreiben das Jahr 2002, als ein totgeglaubtes Genre auf einmal geradezu überraschend frisch und lebhaft aus den Tiefen des italienischen Trashgrabes wiederaufersteht. Niemand anderem als „Trainspotting“-Regisseur Danny Boyle gelang es, dem vor sich hin rottenden Zombiegenre, gleich einem Herbert West des neuen Jahrtausends, neues Leben einzuhauchen. „28 days later“ vermengte Sozialkritik, Drama, Roadmovie, Horrorthriller und sogar Liebesfilm geschickt zu einem neuen Ganzen, jenseits der unzähligen Fulci-Epigonen. Und es würde wohl kaum jemanden wundern, wenn dieses neue Produkt, so reanimierend es doch war, im Dunkeln grün leuchtete.

Es sollte schließlich noch weitere zwei Jahre dauern, bis das neu auferstandene Genre durch das Remake der heiligen Kuh aller Zombieliebhaber (und diese nekrophile Metapher sei mir bitte vergeben), nämlich Zack Snyder´s „Dawn of the Dead“, seinen Ritterschlag erhielt. Der atemlose und actionreiche Film des ehemaligen Werbe- und Musikvideoregisseurs war nicht nur ein gewaltiger Box-office-Erfolg, nein, er sorgte auch für eine Welle an Untotenfilmen, wie man sie selbst in den seligen 80ern nicht erlebt hatte. Seitdem blicken uns zahlreiche verweste Leichen aus den Regalen unserer Lieblingsvideotheken an, seitdem haben unsere Jugendschützer endlich wieder alle Hände voll zu tun.

Um aus dieser Hülle und Fülle hauptsächlich fauler Äpfel, nein, natürlich faulender Leiber hervorzustechen, bedarf es mittlerweile schon etwas mehr als einer guten handvoll Gekröse, respektive Schweineinnereien, und ein wenig grau-bläulichem Makeups. Da es seit den frühen Neunzigern, dank eines Ex-Videothekenmitarbeiters und im Übrigen ziemlich hässlichen Regisseurs, äußerst en vogue zu sein scheint, seinen Filmen eine deutlich selbstreflexive Note hinzu zu fügen, konnten drei befreundete Engländer kurz darauf mit einem wahren Zitatenschatz von einem Film nicht nur an den Kinokassen, sondern vor allem auch bei Kritikern wie Fans gleichermaßen abräumen. Die Rede ist natürlich von „Shaun of the Dead“ und so sehr ich diesen Film auch schätze, so ärgerlich ist der ständige Vergleich von Zombiekomödien mit ihm. Gleich einem Damoklesschwert wirft er seinen Schatten auf alles was danach kommen möge und schier unerreichbar scheint das große Vorbild.

Dabei wird viel zu gerne vergessen, dass die Mutter (und das passt in diesem Fall tatsächlich sehr gut) aller Zombiekomödien natürlich nicht „Shaun“, sondern viel mehr ein neuseeländischer Film von Big-Budget-Regisseur Peter Jackson ist. Hier wurden erstmals die Elemente Horror, Slapstick, Gefühl und natürlich jede Menge Blut in einem Zombiefilm erfolgreich vermengt. Wieso die Einschränkung „Zombiefilm“? Der ein oder andere mag es schon ahnen, aber sei aus Komplettierungsgründen dennoch erwähnt: Die erste richtig gute Horrorkomödie (und hier ziehe ich eine klare Grenze zu „Gruselslapstick“ a la „Tanz der Vampire“, etc.) war natürlich „Evil Dead“, unserer FSK besser bekannt als „Tanz der Teufel“.

Manchmal muss eine Einleitung lang sein, um einen (einigermaßen) gelungenen Bogen zum eigentlichen Thema spannen zu können. Wenn man nämlich den einschlägigen Quellen glauben mag, dann handelt es sich bei den beiden Regisseuren von „DeadHeads“ um die Sprösslinge des Effektspezialisten des Frühwerkes von Sam „Spiderman“ Raimi. Mit dieser Information im Hinterkopf wundert es gleich schon viel weniger, dass Superkinn Bruce Campbell ordentlich die Werbetrommel für die „toten Köpfe“ rührt. Die Erfahrung macht einen bezüglich solch großer Versprechen leider mittlerweile eher skeptisch als erwartungsvoll, hat doch gerade das vielmissbrauchte „Quentin Tarantino empfiehlt…“ zwar nicht zu gelungenen Filmabenden, aber immerhin zu der Erkenntnis geführt, dass Mr. „Reservoir Dogs“ nicht nur praktisch jeden Dreck anschaut, sondern diesen auch noch gut findet. In diesem Fall jedoch, und zumindest das sei vorab verraten, hat sich unser sympathischer Haushaltswarenverkäufer nicht zu weit aus dem Fenster gelehnt. Denn von allen drei Filmen, die sich bisher der Perspektive aus Sicht der Zombies bedient haben, ist „DeadHeads“ der weitaus gelungenste.

Klar, die Idee ist zwar immer noch bestechend gut, originell sieht jedoch anders aus: Schon in Wright´s „Shaun of the Dead“ versuchten die Protagonisten sich wie Zombies zu verhalten, um nicht aufzufallen. Dann kam „Wasting away“ und erweiterte diesen Gedanken um den Aspekt, dass wir es nun mit waschechten Zombies zu tun hatten, die es nur nicht merkten, allenfalls einen unerklärlichen Hunger auf Menschenhirn verspürten. Leider hinkte die Ausführung der originellen Idee weit hinterher und so blieb von diesem Film eigentlich tatsächlich nicht mehr hängen, als eben die schöne Grundprämisse.

Einige Jahre sollten in ins Land streichen, bis nun sogar zwei Werke das Licht der Kaufhausketten erblickten, die die Idee auf sehr unterschiedliche Weise fortspannten: „The Remnants“ bzw. „Untote wie wir“ (es lebe die wortgetreue, nicht sinnentstellende Übersetzung) und „DeadHeads“. Der Zufall wollte es so, dass ich all diese Werke in der umgekehrten Reihenfolge ihrer Qualität begutachten durfte. Und so kam es, dass ich an diesem Wochenende mit dem Feelgoodfilm der Pierce-Brüder positiv überrascht wurde.

Die Handlung soll an dieser Stelle nur kurz überrissen werden, ist sie doch nicht gerade das absolute Glanzlicht des Filmes, geht aber im Kontext des überraschungsarmen Genres mehr als okay.

Mike ist verliebt. Mike will heiraten. Mike hat einen Stiefvater in spe der ihn für einen Versager hält. Zwei Kopfschüsse von Daddy in law und drei Jahre später wacht Mike inmitten einer Zombieplage auf und realisiert einen gar nicht so schmerzhaften Bauchschuss später – er ist einer von ihnen! Doch im Gegensatz zu all den wandelnden Leichen um ihn herum, scheint er seine Fähigkeit zu denken nicht verloren zu haben. Nun heißt es, sich gegen abfallende Gliedmaßen, wildgewordene Zombiekiller und unberechenbare Zombiefreunde  zu wehren und der Liebsten den heiß ersehnten Heiratsantrag machen.

DeadHeads“ macht bei der Umsetzung seines Drehbuchs drei Dinge richtig, die für den zündenden Funken beim kritischen Z-Movie-Publikum unerlässlich sind:

  1. Seine Figuren sind nachvollziehbar, sympathisch und geerdet genug um mit ihnen mitzufiebern. Eine Eigenschaft, die dem vergleichbaren „Untote wie wir“ leider gegen Ende immer mehr abging und damit für eine gewisse Distanz zum Geschehen sorgte. Hier gelingt es dem Regieduo nicht nur Empathie für seine fauligen Protagonisten zu erzeugen, nein, es schafft es sogar, dass das Schicksal eines der „hirnlosen“ Zombies mehr Mitleid erregt, als das der Menschen (say "Cheese"!).
  2. Er kennt sein Genre. Von der schönen Creditsequenz im Neo-Grindhousestil bis hin zu den zahlreichen Filmanspielungen (ganz besonders deutlich natürlich „Evil Dead“) ist „DeadHeads“ ein echtes Fest für B-Movie-Fans. Die Piercens kennen ihr Publikum und wissen was es will.
  3. Das wichtigste an jedem Zombiefilm: die Effekte. Lasst euch vom Ab-16-Siegel nicht beeindrucken, oder eben doch, denn hier wird geschmoddert was das Zeug hält. Und was mögen wir an blutigen Effekten? Genau, das sie handgemacht sind. „DeadHeads“ ist schönes Horrorkino, wie man es aus Zeiten kennt, als noch nicht jeder pubertierende Pseudogeek seine Blutfontänen am Rechner erstellen konnte. Mag sein, dass da der ein oder andere Effekt aus dem PC kam, mir ist jedenfalls keiner aufgefallen. Neben der etwas wirren Freigabe seitens unserer FSK, fällt hierbei auch ein Ausschnitt aus unserem Liebling „Tanz der Teufel“ auf. Soweit ich weiß, was der berühmte Bleistift im Fuß mit ein Indizierungsgrund – hier kommen nun endlich auch unsere 16-järigen in Genuss der Szene.
Diese drei Punkte, inklusive des flotten Drehbuchs, dass bis zum Ende hin (da schleicht sich dann doch die ein oder andere kurz ein) Längen geschickt vermeidet und immer wieder zu überraschen vermag, sorgen für einen gelungenen Videoabend, der dem ein oder anderen ein glückliches Grinsen ins Gesicht zaubern wird. Lediglich die letzte viertel Stunde wirkt dann ein wenig sehr schnulzig und scheint ein wohl für die weibliche Kinobegleitung konzipiert worden zu sein – aber seien wir ehrlich, tief in uns drin träumt doch jeder vom eigenen Ponyhof und rosa Ballkleidern.

Tolle Schauspieler, schöne Effekte und eine sichere Regie, die ihr Metier kennt: „DeadHeads“ ist endlich eine rundum befriedigende Komödie aus Zombiesicht, der leider gegen Ende etwas die Luft ausgeht. Da sie aber die erste wirklich gute ihrer Art ist, vergeben wir in Hoffnung auf bald Folgendes in gleicher Qualität:

8 Pts.

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