Review

Berührendes Indie-Coming-of-Age Drama der besonderen Art

Eine kleine Perle für Freunde des gefühlvollen, langsamen und zärtlich-behutsamen Kinos ist TOMBOY. Die Geschichte des jungen Mädchens Laure (Zoé Héran), das sich als sich nach einem Umzug seinen neuen Spielkameraden gegenüber als Junge namens Mickäel ausgibt und sich mit seinem bescheidenen vorhandenen Mitteln ganz und gar in ein männliches Kind verwandeln will, besticht neben der Geschichte an sich, durch eine perfekte junge Schauspielerin, bei der man optisch tatsächlich in jeder Sekunde zwischen Mädchen und Junge hin- und herspringen kann.

Gefühlt 50% der Laufzeit verbleiben auf dem vielsagenden Gesicht der kleinen Protagonistin und ihrer sehr gut nach außen transportierten Gefühlswelt. TOMBOY ist allerdings auch alles andere als ein weichgespültes Drama, welches an der Oberfläche das Thema der sexuellen Identität behandelt. Es weicht unangenehmen Szenen und harten Erkenntnissen seiner jungen Darsteller nicht aus und lebt den Konflikt offen aus. Etwas Geduld muss der Zuschauer stets für dieses oberflächlich recht ereignisarme Drama mitbringen.

Jedoch brodelt die Geschichte emotional sehr stark unter der Oberfläche dieses doch so existentiellen Themas für den Menschen und insbesondere eines   heranwachsenden Kindes. Eine Reihe von Fragen der Moral und was einen Menschen ausmacht, wird in angenehmen Kontext und auch unter der Mitwirkung von angemessen agierenden Erwachsenen angesprochen. Die schauspielerische Hauptlast wird sehr gekonnt von der kleinen Darstellerin geschultert und man wird geradezu von dem Auf- und Ab ihrer Emotionen durch TOMBOY getragen.

Herausragend ist die dazu passende Kameraarbeit, die stets ein gutes Auge zwischen zurückhaltenden Totalen und dramaturgisch notwendigen Zooms auf die jeweiligen meist jugendlichen Schauspieler hat. Regisseurin Celine Sciamma hat mit TOMBOY eine kleine Indie-Perle geschaffen, weit entfernt von damit einhergehenden Klischees üblicher Hollywood-Produktionen, jedoch auch ohne emotionale Überhöhung geschweige denn der üblichen indirekten Sensationslust, die mit dem Thema leicht zu verbinden wäre. Mehr als diese lapidare Empfehlung möchte ich gar nicht abgeben, ich denke die Zuschauer die diese Geschichte anspricht werden es sowieso merken und sich TOMBOY anschauen.

7/10 Punkten

Details
Ähnliche Filme