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Abgeschnitten von der Imagination und trotzdem vom Wollen her mehrere Nummern zu groß, als das man dies mit eigenem Können einlösen kann, verhält sich die Thailand / Hong Kong Zusammenarbeit die meiste Zeit wie ein Rückschritt in die nicht wirklich besseren, rückwirkend aber vielleicht mit besserer Rezeption betrachteten Zeiten. Um die Jahrtausendwende, vor knapp einem Jahrzehnt, als sich vor allem die hiesig ebenfalls als Distributor wirkende Media Asia Entertainment Group anschloss, mit um jeden Preis auf Weltoffenheit bestrebten Produktionen das damals seit schon einigen Jahren dürstende einheimische [ = kantonesische ] Kino in den vermeintlich fruchtbaren internationalen und auch nationalen Markt zu hieven. Werke mit sich global gebenden, natürlich zumeist auf Marktführer Amerika zielenden Anstrich, die gleichsam mit höherem Budget als üblich, aber auch gesitteter in der Inszenierung und mit oft technischen Schnickschnack versehen den neuen Weg ebnen sollten; allen voran damals gefragte Spionagegeschichten wie [der durchaus ansehnliche] Downtown Torpedos, 2000 A.D. oder Purple Storm, die damals teils eher Missmut verursachten und heutzutage nicht wirklich mehr Relevanz hervorrufen.

My Best Bodyguard von Oriental Eyes Co., Ltd geht in seiner "outside-in" policy genau die gleichen Schritte, und wirkt nicht nur deswegen, sondern auch der Optik, dem Anspruch, der Darstellung und ganz umfassend und allgemein wie ein Relikt aus vorherigen Tagen, wobei dieser Gestus der alles anderen als Modernität verströmenden Überflüssigkeit auch gerade mit den seltsamen Reiz ausmacht. Zudem war tatsächlich Geld für Action, also das Wesentlichste an der ganzen Sache und zumindest auch ein wenig Talent für das Sichtbarmachen dessen, fern von CGI- und Schnittgewitter da:

Ein ehemals für den Kampfeinsatz im Vietnamkrieg entwickelter Virus als Weiterführung des Ebolaerregers wird durch Diebstahl und Schmuggel aus den Labors hinaus nach Thailand eingeschleppt, wo es von der sich im Inland profilieren wollenden Global Bioscience Corporation unter Führung des Managing Director Sean Lee [ Shawn Yue ] unter Vorwand einer gemeinnützigen "Blood For Everyone Foundation" unter die ahnungslose Bevölkerung gestreut wird. Als die investigative Reporterin Nicha Pongchalakorn [ Prinzessin Ubolratana Rajakanya, älteste Tochter des thailändischen Monarchen ] von der aufklärerischen "Talk of the Town" Sendung durch einen mühsam mit Informationen entkommen könnenden Doktor von der Bedrohung erfährt, entgeht sie nur knapp einem Attentat durch den Auftragskiller Touch [ Shahkrit Yamnarm ]. Bei der anschließenden Recherche und schnell folgenden Hetzjagd muss sie feststellen, dass nicht nur ihr jahrelang verschwundener Vater [ Dr. Archong Chumsai Na-Ayuthaya ], ein Colonel A.D., mit der rasch tödlichen Epidemie zu tun hat, sondern auch das von der CIA lokal eingeschaltete National Security Special Detachment, speziell ihr Kommandant Jate [ Theerapat Sajjakul ] nur wenig Rücksicht auf Unschuldige bei der Beseitigung der Gefahr nehmen.

Inhaltlich ist das natürlich schwach, bis egal, für diese Form der Erzählung auch zu viel erklärt und so gedehnt; prasseln die in ihrer Bedeutung überschaubaren Zwischengedanken auch in grundverschiedenen Tonarten und für sich alleinstehenden, da mit fehlenden Anschlüssen versehenen Szenen und so ohne Konsequenz außer dem des Gleichmuts auf den Zuschauer ein. Gerade die Hintergrundgeschichte, natürlich seitens Ihrer Eminenz wird unnötig geweitet, ohne elementar Wichtiges hinzuzufügen. Auch die Umrandung dessen mit versuchter Dramatik, Emotionalität bis hin zur kurzen Melodramatik und der moralischen Grundsatzdiskussion wirkt getreu der Vorgaben entbehrlich bis aussichtslos schwach. Dialoge und andere Textarbeiten scheinen trotz so mancher Wortfülle oft hinfällig, was durch die leer vortragenden Darsteller nicht gerade unterstützt oder anderweitig gefördert wird. Einzig Import Shawn Yue kann in seiner auf rein Englisch gehaltenen Sprechweise ein wenig Einfluss auf das Geschriebene hervorbringen, in einer Art wichtigtuerischen und gleichzeitig von sich überzeugten Singsang, der auf Dauer wegen nur kleiner melodischer Veränderungen auch monoton und zudem nur aufgrund der Unsicherheit in der Sprache und so fälschlichen Betonung ist, für den Moment aber ein wenig Leben in die Geschehen bzw. dem konzentrierten Schwächezustand dessen bringt.

Optisch ist und bleibt dies spröde, spielt in einem faden, jegliche Schönheit vermissen lassenden Nichts, da eingefangen in einem sattsam bekannten, seltsam farblosen und selbst da noch ausgebleicht dünkenden Raumbild, wie eine TV-Visualität aus grauer Vorzeit. Die Abkehr von jeglichem Lokalkolorit zugunsten von aseptischen Wolkenkratzern mit vollständiger Glasfassade und nahezu sterilen, da auch anonymen Innenräumen und die vollständige Abkehr vom sonst aus dem Land gewohnten Muay Thai Kampfspektakel verleiht dem Projekt die zusätzliche Identitätslosigkeit; was sich gleichfalls als Erinnerung an die eine Dekade alten Räuberpistolen niederschlägt.

So wird Alles Weitere im Grunde auch nur durch die Actionszenen erfüllt, die überraschenderweise für das Herkunftsland und seine Mitarbeiter nahezu nur mit Explosionen, Schusswaffen und anderem schweren Gerät von diversen Vehikeln bis hin zum Kampfhubschrauber gespickt, und gar nicht bis kaum in der Ausübung sonstig gewohnter Kampfkünste gehalten sind. Nur sporadisch kommen die Fäuste in Einsatz; ansonsten wird sich auf der Straße in Autoverfolgungsjagden und in diversen Lager- und Werkshallen mit Klein- und Großkalibern und dies auch in angenehm altbackener, gar nicht so zeitgenössischer und deswegen schon wieder erfreulicher Harmonik duelliert. Gerade die Übersichtlichkeit der Shootouts weiß zu gefallen, der hohe Munitionsverbrauch in sich feiernder Pose, auch wenn der Rhythmus vergebens auf die Taten der ähnlich mit Geschütz und Spezialeinheiten hantierenden Gordon Chan und Dante Lam, aber so zumindest in die richtige Richtung, in die geeignete Quelle der Inspiration zielt.

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