Review

Reviews zu Ittenbach-Filmen sind immer eine Sache für sich. Nicht umsonst nennt man unser aller Lieblingsbajuwaren gern den „Godfather of German Gore“; ein Titel, mit dem man sich nicht unbedingt schmücken kann.

Burning Moon jedenfalls, sein Zweitwerk, zeigt uns den jungen Itti in seiner Sturm und Drang-Phase, noch gänzlich unberührt vom schnöden Kommerz (und hochauflösenden Kameras). Schon der Vorspann zeigt seine Maßgeblichkeit für diesen Film, indem er ihn als Regisseur, Drehbuchautor, Makeup/SFX-Knecht und Schauspieler listet. Die Handlung des Filmes kann man hier überall nachlesen, daher will ich mich nicht weiter damit aufhalten.

Eins muss auf jeden Fall gesagt werden: Burning Moon ist keinesfalls einer der üblichen deutschen Funsplatter. Wer hier Schenkelklopfer am laufenden Band erwartet, wie bei Premutos oder Violent Shit 3 (der mich immer wieder zu Lachtränen treibt, obwohl der Film von Schnaas wohl ursprünglich mal bierernst gemeint war...), der wird bitter enttäuscht werden.
Ich wage sogar zu behaupten, dass Itti mit Burning Moon eine durchaus beachtliche Drehbuchleistung erbracht hat, und der Film könnte fast schon als knochenharter, ultrabrutaler Psychoschocker durchgehen, wenn...

... ja, wenn die filmische Umsetzung nicht so fürchterlich bescheuert wäre.
Sicherlich ist mir bewusst, dass man bei Amateursplatter (besonders aus diesem unserem Land) besser drei oder vier Augen zukneifen sollte, was Lächerlichkeit angeht, zumal die ja auch oftmals charmant sein kann und mindestens genauso oft vom Regisseur billigend in Kauf genommen wird (einmal mehr lässt sich Premutos als Beispiel anführen), doch ist dies bei Burning Moon einfach nicht der Fall.

Größter Kritikpunkt, der dem Film auch fast das Genick bricht: Die Nachsynchronisation. O – M – F – G, selten ist mir etwas Schlimmeres untergekommen! Insbesondere bei der ersten Geschichte sprechen sämtliche Akteure vollkommen emotionslos, und die Wortwahl sucht an Gestelztheit ihresgleichen. Sowas kommt also dabei raus, wenn ein Fürstenfeldbrucker versucht, auf Hochdeutsch Dialoge zu schreiben...
Die schauspielerische Leistung von uns' Olaf lässt – im Vergleich mit seiner Performance als Matthias in Premutos – stark zu wünschen übrig; aus der Rolle des abgewrackten, asozialen Sohnes mit Drogenproblem hätte man durchaus mehr herausholen können. Lediglich die Suizid-Schlussszene bringt er gut rüber, was wiederum zeigt, wo Ittenbachs Präferenzen liegen.

Ansonsten stehen die beiden in sich geschlossenen Episoden noch einzeln zur Kritik.
„Julia's Love“ ist – das muss einfach mal so drastisch gesagt werden – ein großer Haufen Scheiße. Die Story um den entflohenen Serienmörder ist in keinster Weise innovativ und dermaßen überzogen dargestellt, dass man nur noch die Augen verdrehen kann. Auch Aktivitäten wie Random Mannüberfahring oder Random Geschirreinräuming tragen nicht gerade zum Aufbau eines Spannungsbogens bei. Die Splatterszenen sind der einzige Lichtblick dieser Episode: Mit Liebe gemacht und reichlich vorhanden. Lediglich der Darsteller des Cliff Parker (wie saublöd ist das eigentlich?! Wieso haben in dieser Episode alle brünftigen Kerle klischeehafte Aminamen?!) weist ein gewisses Charisma auf, gerne würde ich ihn in einem „ordentlichen“ Film sehen, doch anscheinend war dies der einzige Auftritt des Mimen vor der Kamera.

„The Purity“ hingegen ist – zumindest in meinen Augen – eine sehr gut gemachte Episode mit einer sehr intensiven und ernsten Story. So, wie die bayerische Landbevölkerung hier dargestellt wird, möchte man meinen, Ittenbach sei in seiner Jugend selbst ein von allen drangsalierter Außenseiter gewesen, ebenso wie die Figur des Justus, der in dieser Geschichte unschuldig sein Leben lässt. Jedenfalls zeigt Itti hier auch eine gewisse Aversion gegen die (katholische) Kirche, die ja schließlich in der Jesusdarstellung in Premutos kulminiert. Die Darsteller machen ihre Arbeit gut (kein Wunder, wenn man die Rollen der tumben niederbayerischen Bauerntrottel mit authentischen tumben niederbayerischen Bauerntrotteln besetzt); vor allem der irre Priester und der gebeutelte Justus stechen hier hervor. Gekrönt wird diese Episode dann von der allseits berüchtigten Höllenszene, die ja letzten Endes auch zum fixen Verbot des Filmes durch den Großen Bruder geführt hat. Qualitativ ob des Budgets nicht gerade hochwertig, zeigt Ittenbach hier einmal mehr ganz klar, was er für ein begnadeter SFX-Techniker ist. Mettgut in rauhen Mengen, kunstvoll drapiert und mit viel Liebe zum Detail arrangiert; selbst die Tatsache, dass die Hölle hier im Keller seines Wohnhauses zu liegen scheint (wo sich wohl auch das Finale von Premutos abspielt) vermag dem keinen Abbruch zu tun.

Insgesamt spielt Burning Moon, wie alle Frühwerke Ittenbachs, ganz klar in der Oberliga der deutschen Amateursplatterfilme. Dass dies jedoch zu einem guten Teil daran liegt, dass Leute wie Schnaas oder Taubert einfach nur hyperscheiße anstatt nur scheiße sind, relativiert das Ganze wieder. Burning Moon ist klasse Splatterfilm, aber wenn man zuviel Hoffnung in die durchaus vorhandenen guten Storyansätze investiert, könnte man am Ende enttäuscht werden.
Ich gebe 7 von 10 Punkten, weil der Gorehound in mir vollständig befriedigt wurde und weil ich die partiell interessante Handlung würdigen möchte.

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