BURNING MOON
Ittenbachs Zweiter wurde für angeblich 50.000 DM gedreht und fiel durch seine drastischen Gore-Eskapaden sogar den deutschen Jugendschützern auf, die ihn in der ungeschnittenen Fassung verbieten ließen (siehe Liste beschlagnahmter Filme). Es gibt auch noch eine um etliche Minuten geschnittene zugelassene Fassung, aber die ist natürlich indiskutabel. Vom Gore einmal abgesehen, bemüht sich der Olaf erneut, auch durch Story und Stimmung zu punkten. Er selbst spielt einen kriminellen Jugendlichen, der eines Abends im Drogenrausch seiner kleinen Schwester zwei „Gutenachtgeschichten“ erzählt: „Julia’s Love“ handelt von einem gerade aus der Klappse ausgebrochenen Frauenmörder, der sich in eine junge Frau verliebt, in ihr Haus eindringt und ihre gesamt Familie abschlachtet; In „The Purity“ begeht ein Pfarrer in einem bayerischen Dorf in den 50er Jahren mehrere satanische Ritualmorde an jungen Frauen, die er vorher vergewaltigt, doch die Dorfbewohner sehen einen unschuldigen Außenseiter als Sündenbock und wollen den beseitigen.
Es fällt mir schwer, objektiv über BM zu urteilen, da er der allererste deutsche Amateurfilm war, den ich in meinem Leben sah. Ich habe ihn damals uncut in einer Videothek in den Niederlanden erworben und war beim Ansehen mehr als verblüfft. Solch blutige und heftige Kost war ich von einem Landsmann nicht gewohnt. Als Gorehound war ich höchst zufrieden und als Deutscher positiv davon angetan, dass es Gleichgesinnte im Land gibt, die sich eine Kamera und ein paar Freunde schnappen und ihrem Traum vom Horrorfilmregisseur mit viel Hingabe verwirklichen wollen. Darum hat BM für mich irgendwie einen gewissen nostalgischen Wert. Aber ich finde ihn auch so wirklich in Ordnung. Er ist ungefähr genauso unterhaltsam wie BLACK PAST und die beiden Kurzgeschichten sind auch nicht besser oder schlechter als das, was uns in amerikanischen Horroranthologien wie CREEPSHOW, TALES FROM THE DARKSIDE oder TALES FROM THE CRYPT vorgesetzt wurde. Ittenbachs schauspielerische Leistung in der Rahmenhandlung wird oft kritisiert, aber ich finde, dass er diese Rolle einigermaßen gut meistert. Die erste Story mit der x-beliebigen Slasherhandlung ist die Kurzweiligere von beiden und macht verdammt viel Spaß, besonders wenn der Psychopath der armen Julia den Augapfel ihrer Mutter zu schlucken gibt. Die zweite Story mit den okkultistischen Elementen hingegen zieht sich ein wenig, ist aber von der Dramatik und den Charakteren her etwas besser. Sehr heftig sind hierbei auch die netten Tabubrüche, gerade auch weil im prüden und erzkatholischen Bayern gedreht wurde, wenn z.B. ausgerechnet ein Pfarrer zum Diener Satans wird, Frauen misshandelt und während des Vergewaltigungsakts auch noch die Bibel zitiert („Gebendeit ist die Frucht deines Leibes!“). Mein Lieblingszitat aus dem Film: „Das Sterben ist ein Reinigungsprozess… Du bist gereinigt.“ Solche krassen Kleinigkeiten sind das Salz in der Suppe. Die zweite große Höllenszene (die erste war ja im vorangegangen Film) ist zwar ganz ansehnlich, wird aber erst am Ende so richtig interessant und fies, wo der Bohrer zum Einsatz kommt.
Der gesamte Film wirkt gerade durch die nicht so gelungene Nachsynchronisation, die wieder sehr asynchron ist, an vielen Stellen etwas albern, aber insgesamt ist die Mischung aus bayerischer Mundart und heftigstem Splatter und Gore, wie man es bis dato nur von Fulci, Raimi oder aus den ersten beiden HELLRAISER-Filmen kannte, sehr amüsant. Manchmal hat man fast das Gefühl, eine alte TV-Produktion für z.B. das biedere ZDF zu gucken, bis dann der nächste saftige Mord geschieht, der einen wieder aus dieser Illusion herausreißt. Vom Aufwand her ist BM eh eine erhebliche Steigerung im Vergleich zum Debüt und Ittenbachs weiterer Aufstieg als Regisseur schien hiernach unausweichlich und wohl verdient.
7 von 10.