Olaf Ittenbachs "The Burning Moon" ist ein Amateurfilm und wer ihn partout kritisieren will, hat es sicherlich nicht schwer!
Aber trotz vieler Schwächen hat der Film auch klare Stärken, über die nicht hinweggesehen werden sollte.
Der Taugenichts Peter (Ittenbach!) soll eines Abends das Haus seiner Eltern hüten und auf seine kleine Schwester aufpassen. Im Heroinrausch erzählt er ihr dann zwei "Gute-Nacht-Geschichten" :
"Julia`s Love" :
Dem gemeingefährlichen Psychotiker "Cliff Parker" gelingt die Flucht aus einer Heilanstalt, wobei einiges an Pflegepersonal in Mitleidenschaft gezogen wird. Obwohl
man sofort intensiv nach ihm fahndet, kann er untertauchen.
Nichts ahnend lernt ein Mädchen namens Julia Cliff kennen und die beiden verabreden sich zu einem Rendez-Vous. Durch Zufall findet sie heraus, dass es sich bei ihrer Verabredung um den gesuchten Massenmörder handelt und flieht. Der Verschmähte sinnt natürlich auf Rache und unglücklicherweise hat Julia Portemonnaie nebst Ausweis
in seinem Wagen vergessen. Der Mörder dringt in das elterliche Haus ein, tobt sich
auf der Suche nach Julia ordentlich aus, bis ihm durch einen Polizeibeamten das Handwerk gelegt wird. Nur Julia überlebt das Massaker...
"The Purity" :
In einem bayrischen Dorf der 50er Jahre geht ein blutrünstiger Triebtäter um, der vorzugsweise junge Frauen schändet und tötet.
Die Dorfbevölkerung ist der einhelligen Überzeugung, dass es sich bei dem Unbekannten nur um den Dorfdepp "Justus" handeln kann. Doch Justus ist so unschuldig, wie er blöd ist: Tatsächlich erweist sich als Täter der Pfarrer des Dorfes, der hinter der Maske des guten Christen im geheimen satanischen Ritualen nachgeht. Justus, dessen Situation zusehends brenzliger wird, sucht Rat beim Pfarrer, der ihm zusagt, dass derjenige, der ihm (Justus) etwas antut auf alle Ewigkeit zur Hölle fährt.
Als der Gottesmann sich seiner irdischen Existenz entledigt und auch hier ein weiterer Mord vermutet wird, ist das Maß voll und die Dorfgemeinschaft lässt Justus durch einen recht unsympathischen Kumpan lynchen.
Dies soll letzterer schließlich bereuen, denn die Prophezeiung des Pfarrers erweist sich als zutreffend.
Zunächst zu den Vorzügen des Films :
Am gelungensten ist die atmosphärische Filmmusik, die auch sehr professionell wirkt. Auch technisch kann der Film sich (als Amateurproduktion) durchaus sehen lassen.
Besonders das bayrische Dorf der 50er Jahre wirkt authentisch.
Bildqualität ist auch gut (Beta-Kamera).
Die stellenweise wirklich herben Effekte sind teilweise
gut, teilweise schlecht, wobei aber auch
letztere an die Maßstäbe des durchschnittlichen Fulci / D`Amato - Streifen problemlos heranreichen.
Kurzum: Die 50.000 Mark, die Ittenbach reingesteckt hat, sind spürbar!
Die erste Geschichte ist ziemlich lahm und bietet
inhaltlich überhaupt nichts neues ("Hospital Massacre" u.ä.), Unterhaltung liefern höchstens die blutigen Effekte und das ist etwas zu dünn.
"The Purity" ist da schon wesentlich interessanter, besonders die Person des Dorfpfarrers, der sich seitdem zum Satanismus bekannte, als ihm ein Dämon aus der Hölle im Kindesalter die Bibel des Satans überreicht hatte.
Über die Höllensequenz, in welcher der Mörder von Justus
"bestraft" wird, schweige ich mich aus (So etwas muss man gesehen haben!).
Nun zu den Schattenseiten des Ittenbach-Streifens :
Die Schauspieler sind selbstverständlich ausnahmslos Amateure, so mancher ist zwar auch als Laie ganz überzeugend (Der Pfarrer aus "The Purity" z.B.), aber einige Chargen erweisen sich als so mies, daß man glauben möchte, es sei wahllos alles herangezogen worden,
wobei Ittenbachs Nach-Sychronisation ihr übriges tut, womit wir beim nächsten Punkt wären :
Diese ist so schlecht, daß es jeder Beschreibung spottet.
(Heimlicher Höhepunkt :
Bäuerin : "Justus"!
Justus : "Ööööh, ja?")
Ich will mich nicht weiter darüber auslassen, aber es ist
wirklich schade!
Schließlich sei erwähnt, dass eine FSK-geprüfte Fassung von "The Burning Moon" existiert, in welcher nicht nur die zugegeben härteren Effekte entfernt wurden, sondern
darüber hinaus massiv gekürzt wurde, so dass das ganze eher nach einer Freigabe FSK = 16 aussieht (Es fehlen um die 10 Minuten gegenüber der Originalfassung).
Nur zum Abraten geeignet!
Mit der erforderlichen Nachsicht, dass "Burning Moon" eine (nicht misslungene) Amateurproduktion ist :
9 / 10!