Review

Zweischneidiges Schwert voller Blut


Wenn man sich nicht entscheiden kann, welchen Film man drehen, welche Idee man umsetzen will, oder wenn die Geschichten einzeln nicht genug für mindestens 80 Minuten hergeben, dann macht man einfach eine kleine Anthologie. Wie im Fall von Ittenbachs zweitem Langfilm „The Burning Moon“ mit zwei Parts und einer Rahmenhandlung, in der ein psychisch labiler Bruder drogenberauscht seiner kleinen Sis zwei alptraumhafte Böse-Nacht-Geschichten erzählt - eine von einem ausgebrochenen Massenmörder auf einem Date („Julias Love“, 6/10) und die andere von einem mordenden, verblendeten Priester, der eigentlich etwas ganz anderes anbetet, als Gott („The Purity“, 7/10)...

„Burning Moon“ kann man nicht anders als als Kultfilm zu kennzeichnen. Wie fast alles von O.I. Für Gorefans - von einem der ihren, das steht außer Frage. Eine quasi hausgemachte Gorelaschsuppe, eine brachiale Schlachtplatte mit Ambitionen, Vorbildern und dennoch ganz eigenem Flair. Und das ist blutig, saftig und hyperbrutal. Und wie immer schlechter nachsynchronisiert als die meisten Pornos. Noch mieser können die Originalstimmen und -Dialoge doch nicht sein, oder?! Andererseits gibt das natürlich einen oft enorm witzigen, trashigen, tollpatschigen und kumpeligen Beigeschmack, ist fast schon ein Trademark. Ansonsten ist die grandiose Höllendarstellung gegen Ende noch hervorzuheben, die sogar Craig S. Zahler beeindruckt und inspiriert hat („Bone Tomahawk“), dass das erste Kapitel vielleicht gar „Inside“ beeinflusst haben könnte und die allgemein äußerst raue, räudige und (abgesehen von der genannten Synchro) humorlose Stimmung. Und trotz aller Dreck, Schleim, Körperflüssigkeiten und der billigsten Kamera, kommt man nicht vorbei an der Faszination und dem speziellen Talent dieses Mannes. Von den Eiern das durchzuziehen ganz zu schweigen. Für „Ittenbachs“ muss man in der richtigen Stimmung sein, soweit bin ich schon - aber dann versprühen sie eine gewisse Matschmagie, unscharf und heimisch, für eine spezielle Nische und Käuferschicht. Wo bleibt eine riesige Ittenbach-Blu-ray-Komplettbox, ungeschnitten, beispielsweise von Arrow und restauriert?! Wäre an der Zeit... „The Burning Moon“ ist zwar etwas zu lang geraten, doch das gleicht diese Doppelrahmstufe mit Abwechslungsreichtum und seinem groben Dreierlei wieder aus.  

Fazit: in vielerlei Hinsicht stellt „Burning Moon“ schon einen soliden Fortschritt für Olaf Ittenbach dar, in manchen Dingen allerdings auch Stillstand oder gar einen kleinen Rückschritt. Dennoch: für Splatterfans zwei saftige Stories zum einziehen lassen. 

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