Meine frühen Tage als Horrorfan waren sehr vom Splatterpunk Clive Barkers und meiner Suche nach möglichst harten filmischen Äquivalenten geprägt. "The Burning Moon", das zweite Kleinod des bayrischen Fulcijüngers Olaf Ittenbach war eine naheliegende Wahl, die ich 2007 relativ oft gesehen, danach aber kaum noch beachtet habe. Im Gegensatz zu manch anderen Amateurfilmern war mir Ittenbach grundsätzlich hochsympathisch, zumal die Qualität seiner Filme stetig zunahm statt zu stagnieren. Man beachte den Unterschied zwischen Burning Moon und seinem Nachfolger "Premutos". Der brennende Mond begleitete mich eine kurze, aber intensive Zeit lang.
Im Gegensatz zu dem ist die ittenbach'sche Parade des Grauens nicht unbedingt grausam, aber gallebitter und freudlos, was schon bei der Rahmenhandlung beginnt. Diese folgt dem Regisseur in der Rolle des Vollversagers Peter, einem psychisch kranken wie drogenabhängigen jungen Mann, der nur wenige Freuden im Leben kennt: Gewalt, Drogen und Horrorgeschichten. Nach einem verpatzten Bewerbungsgespräch und einer Schlägerei, in der Peter samt seines maroden Freundeskreises eine gegnerische Straßengang abfrühstückt, wird der jugendliche Junkie, vom handgreiflichen Vater gefügig geprügelt, zum Babysitten seiner Schwester verdonnert. Nach seinem abendlichen Schuß Heroin erzählt der zugedröhnte Peter seiner kleinen Schwester zwei Gute Nacht - Geschichten der groben Sorte
Psychisch kranke Serienkiller bei ausufernden Spontandates, mörderische Priester mit Neigung zu (pseudo-)satanistischer Freizeitgestaltung und jede Menge derber Gewalt aus Ittenbachs Goreküche garniert mit Flashbacks der verpfuschten Kindheit seines ungeliebten Erzählers prägen diese hasserfüllte Low Budget - Amokphantasie des Bajuwarenfulci.
Trotz aller Amateurhaftigkeit bedrücken die Bilder, die uns hier präsentiert werden. Das Thema des Ungeliebtseins, dass sich durch den Film zieht, tut sein galliges Übriges. Killer Cliff Parker aus dem ersten Abschnitt (eventuell eine Anspielung auf den britischen Splatterpapst Clive Barker?) wird durch den gewaltsamen Tod seiner Mutter und damit seiner einzigen Vertrauensperson zu einer Gefahr für die Gesellschaft, während der in der zweiten Episode auftauchende geistig Gehandicappte Justus als Sündenbock für eine Serie an Opfermorden herhalten muss. Leider wird nicht unbedingt klar, ob die Geschichten aus Peters Feder stammen oder urbane Legenden des Filmkosmos sind und dieser Aspekt der Gemeinsamkeiten zwischen unserem zugedröhnten Erzähler und seiner Spukgestalten fällt weitestgehend unter den mit Abartigkeiten reich gedeckten Tisch. Letzten Endes würde mich mal verdammt interessieren, was Ittenbach geritten hat, einen derart depressiven Film zu drehen und, ob da eventuell eigene psychologische Aspekte mitspielten.
Damals mochte ich den Film eindeutig mehr als nach Wiedersichtung vor einigen Tagen, aber ich muss ihm effektseitig und stimmungsmäßig, ja, sogar teilweise in Drehbuchbelangen einige Qualitäten zusprechen. Leider besonders drehbuchseitig auch oftmals ungenutzte, was die Wahl der Außenseiterthematik betrifft. Dass Ittenbach alias Peter hier zur Randfigur seiner eigenen Geschichte wird und dementsprechend die Rahmenhandlung ein düsteres Ende nimmt spricht leider nicht für einen kathartischen Moment, zumindest keinen positiven. Der Film eignet sich vor allem für jenen Menschenschlag, die sich auf der Suche nach einem richtigen Downer nicht vor Kunstblut zieren und gewillt sind, hinter die ketchuprote Fassade zu blicken. Man sollte nur kein erbauliches Comedykino erwarten. Wer das sucht ist bei Ittenbachs Braindead - Äquivalent "Premutos" weitaus besser aufgehoben.