Review
von Mayalee
Film
Was sich zunächst nach einem 08/15 Actionreißer anhört,
entpuppt sich gleich am Anfang als reiner Actionthriller auf einem sehr hohen
Niveau. Kein Wunder, haben auch Michael Bay und Jerry Bruckheimer ihre Hände im
Spiel.
Story
Der Auftakt des Films beginnt genauso rasant wie der Rest.
Dabei wird nicht nur auf Action gesetzt, sondern die Story bleibt stets im
Vordergrund und die Charaktere werden bis ins Detail ausgefeilt und
durchleuchtet. Das gelingt auch sehr gut, zumal satte 130 Filmminuten zur
Verfügung standen. Michael Bay versteht es schon in seinem zweiten großen
Blockbuster (nach „Bad Boys“), und überhaupt bei seinem zweiten Film, auf pure,
perfekt choreographierte Action zu setzen und diese dann – Aufpassen! Das kann
nicht jeder Regisseur! – in eine sehr packende und stets spannende Story
einzubauen. Ein großes bravo! von meiner Seite. Bei erstmaliger Sicht der DVD
war ich als Zuschauer immer aufmerksam und auf Höhe des Films.
Nebenbei bietet die Story auch viele versteckte Wendungen.
Sie lässt keinen Raum für unnötige Hintergrund-Plots, sondern konzentriert sich
ausschließlich auf die Haupthandlung. Jede Szene, aber auch wirklich jede
Szene, hat was mit der Hauptstory zu tun. Wieso sollten auch Verschwendereien
auftauchen, man muss schließlich eine Wahnsinnsaction und eine Wahnsinnsstory
in 130 rasante Minuten unterbringen. Kommt dabei Anspruch auf? Aber sicherlich doch! Dazu später.
Agieren die Darsteller auf einem entsprechenden Niveau?
Klaro!
Darsteller
Natürlich hat Michael Bay das Creme de la Creme von
Hollywoods Gold-Actionschauspielern zur Verfügung. Da spielen dann Ed Harris,
Nicolas Cage und Sean Connery in den Hauptrollen zusammen. Und sogar von den
Nebendarstellern können viele Nachwuchsregisseure und Produzenten in ihren
Actionfilmen nur träumen: Claire Forlani, David Morse, Michael Biehn und und
und.
Den Beginn des Films läutet Ed Harris ein. Schon in wenigen
Minuten wird sein ganzes Vorhaben deutlich, und daneben erfährt man, wie er
charakterlich einzuschätzen ist. Dann ist Nicolas Cage an der Reihe, und hier
passiert eben dasselbe. Die Macher verstehen es, innerhalb von nur wenigen Minuten
die Charaktere zu verdeutlichen. Mit solchen Ausnahmeschauspielern aller erster
Güte hat man auch leichtes Spiel. Mit was für einer Entschlossenheit die beiden
ihre gegensätzlichen Rollen spielen, gibt dem ganzen Charakterspiel noch ihren
letzten Schliff. Harris spielt den erfahrenen, ernsten Soldaten mit großer
Überzeugung und Cage brilliert anfangs als leicht ängstlicher, aber sich
während des Films immer weiter entwickelnder FBI-Agent.
Eine besondere Rolle in „The Rock“ spielte für mich ganz eindeutig Sean
Connery.
Den in die Jahre gekommenen Supersträfling John Mason spielt
er ja so was von exzellent, als ob er im realen Leben schon viele Jahre im
Gefängnis gesessen hat. Die selbstironischen Andeutungen in Richtung „James
Bond“, nämlich, dass Mason früher ein britischer Superagent war, verleihen dem
ganzen Schauspiel sogar noch ein wenig Humor. Dabei gerät seine Figur nie ins
karikativ-lächerliche. Die berühmten One-Liner sind ihm und Nicolas Cage
reserviert.
Gegen Ende des Films entladen sich viele Hauptcharaktere.
Vor allem Ed Harris (General Hummel) erlebt sämtliche Wandlungen in seiner
Person. Auch das Zusammenspiel im Finale (psychische Fights, Wendungen etc.)
wird grandios dargestellt.
Anspruch
Man könnte jetzt viele Deutungen in das Szenario von „The
Rock“ machen. Meine Meinung lautet folgendermaßen: Der vielleicht
allgegenwärtige Patriotismus der Soldaten auf beiden Seiten wird meiner Ansicht
nach nicht bejubelt. Eher geschieht hier das Gegenteil. Die Terroristen auf
Alcatraz sind soweit patriotisch veranlagt und überzeugt, dass sie sogar bereit
sind, für eine gerechte Militärwelt Amerikas Millionen von Menschen zu opfern. Auslöser
hierfür ist die Überzeugung und Erfahrung eines lang gedienten Generals, dessen
Genialität und Ruhe die jungen Marines trotzdem vor schlimmeren Taten bewahrt. Sein
Fehler, dieses Höllenszenario zu veranlassen, wird abrupt bestraft.
Sieht man sich die andere Seite an, erkennt man, wie schwer
es ist, in solchen Situationen auch mit viel Macht Entscheidungen zu treffen.
„The Rock“ bietet einen Ansatz im Kampf gegen Terroristen, der in der heutigen
Zeit mehr denn je in den U.S.A. aktuell ist. Natürlich darf man die
Hollywood-Anteile des Films (manche Szenen sind heroisch aufgebaut) nicht
vergessen, aber in der Kernaussage enthält der Film viel Tiefgang für einen
reinen Actionfilm.
Action/Spannung
Es ist eine bombastische Materialschlacht. Bestes Beispiel:
Damit Herr Mason auf einer Flucht auch schön viel beschädigen kann, steht eben
zufälligerweise ein Hummer vor den Hoteltoren. Und damit Herr Goodspeed
(Nicolas Cage) ihn verfolgen kann, muss dieser eben einen Sportwagen erster
Klasse kurzerhand beschlagnahmen. Was folgt ist eine zehnminütige
Actionsequenz, der schon alles bietet und dennoch Lust auf mehr macht. In diesem
Bereich wird nicht gekleckert, sondern typisch für Herrn Bruckheimer schön
geklotzt. Man darf ja nie aus den Augen verlieren, dass man hier bei einem
1A-Actionblockbuster ist.
Zu der Action kann man nicht mehr sagen. Alle Sequenzen in
„The Rock“ sind perfekt choreographiert, die Shoot-Outs überzeugen mit sehr
viel Liebe zur Realität, die Kämpfe sind zwar bildtechnisch rasant geschnitten,
ich habe aber nie die Übersicht verloren. Zu sehen hat der Zuschauer stets
etwas. Die zig Explosionen sind ja auch nicht zu übersehen.
Trotz aller Explosionen und Zusammenstöße; dank der
exzellenten Story bleibt die Materialschlacht konsequent spannend. Eine
entscheidende Rolle spielt dabei auch der Aspekt, dass der Film eben keine Zeit
für unnötige Randgeschichten lässt, sondern den Zuschauer stets auf Trab hält.
Da haben Weisberg und Cook im Drehbuch ganze Arbeit geleistet.
Fazit
Eine bombastische Materialschlacht, die seinesgleichen
sucht, grandiose 1A-Darsteller, bis in das kleinste Detail ausgedachte
Charaktere, tolle Musik (u. a. von Hans Zimmer) und eine wichtige Kernaussage
ebneten Michael Bay seinen bis heute andauernden Anstieg schon sehr früh. Bis
dato wohl der vielschichtigste Actionfilm, den die Tore Hollywoods jemals
durchgelassen haben. „Bad Boys“ war klasse, „The Rock“ ist perfekt. Und von wem
anderen sonst stammen die Blockbuster „Armageddon“ oder „Bad Boys II“? Bay
bleibt der König unter den Regisseuren im Actiongenre.