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„The Rock – Fels der Entscheidung“ gehört zu den bedeutendsten Actionfilmen der 90er Jahre und ist nach „Bad Boys – Harte Jungs“ die zweite Regiearbeit Michael Bays.
Schon der Beginn ist ausdrucksstark: General Francis X. Hummel (Ed Harris) sitzt zu Hause und macht sich auf zu einem Militärfriedhof auf, um das Grab seiner Frau zu besuchen. Diese eigentlich simple Szene ist unterlegt mit dem vielleicht besten Soundtrack aller Zeiten. Aus dem Off hören wir die Stimmen der Männer, die unter Hummels Kommando starben. Als er dann noch am Grab seiner Frau seine Orden niederlegt und sagt, was er nun tun werde, habe er nicht zu ihren Lebzeiten tun können. Innerhalb dieser ca. 3 Minuten hat Michael Bay den Ehrenmann Hummel genial und ohne große Worte charakterisiert.
Danach bricht Hummel mit einigen Marines unter dem Vorwand einer Sicherheitskontrolle in eine Militärcamp ein, betäubt die Wachen und entwendet Raketen mit VX-Gas, wobei er noch einen seiner eigenen Männer verliert. Auch diese Szene zeigt die Menschenfreundlichkeit Hummels, bietet aber ebenfalls geniale Action. Denn vor allem Bays Machart bringt die Action erst richtig gut rüber: Zeitlupen, die richtigen Kameraperspektiven und der geniale Soundtrack.

Danach lernen wir Stanley Goodspeed (Nicolas Cage) kennen; Spezialist für chemische Waffen beim FBI. Er darf auch gleich sein Geschick beweisen, als er unter schwersten Bedingungen eine solche Waffe entschärfen muss. Zu Hause erfährt er von seiner Freundin Carla (Vanessa Marcil), dass diese schwanger ist. Wieder charakterisiert Bay eine Figur ohne große Gesten.
Währenddessen besetzt Hummel gewaltlos die Insel Alcatraz, nimmt eine Gruppe Touristen als Geiseln und droht dem FBI mit einem Giftgasanschlag auf San Francisco; es sei denn die Regierung bezahlt Schmerzensgeld an die Familien der Männer, die bei illegalen Militäroperationen starben. Vom FBI wird eine Infiltration durch eine Spezialeinheit erwogen. Damit diese das Tunnelsystem unter Alcatraz durchqueren kann, wird der einzige Mann geholt, der von dort fliehen konnte: John Mason (Sean Connery). Obwohl der Mann arg fluchtgefährdet ist, muss er mit zu diesem Auftrag kommen...
„The Rock“ ist ein echter Kracher, der voll und ganz überzeugt. Die zweite Hälfte des Films spielt dann aus Alcatraz, wo sich der Plot zu einer Art „Stirb langsam“ entwickelt, als bis auf Mason und Goodspeed das komplette Team ausgelöscht wird.

Die Story ist sehr spannend und einfallsreich, vor allem weil gerade nicht versucht wurde auf Teufel komm raus „Stirb langsam“ nachzueifern, sondern der Grundidee viele neue Aspekte hinzuzufügen. Die Story ist gut erdacht, stimmig und nie langweilig. Auch der augenzwinkernde Humor, der allerdings nicht übermäßig vorhanden ist, lockert „The Rock“ gewaltig auf. Die trockenen Kommentare von Mason machen hier den größten Teil des Humor aus.
Die Action ist sehr gut und bietet Nahkämpfe, Verfolgungsjagden und reichlich Pyrotechnik, aber das Hauptaugenmerk liegt auf den fantastischen Shoot-Outs, die Michael Bay beinahe wie ein Epos inszeniert. Diese sind großartig gemacht und auf die typische Art Bays (siehe oben) abgefilmt worden. Gleiches gilt für die andere Action, wobei hier vor allem das Rennen Hummer vs. Ferrari heraussticht, welches die actionarme erste Hälfte etwas aufpeppt.
Hinzu kommen sehr stimmige und glaubhafte Charaktere. Bei den guten handelt es sich um übermächtigen Helden wie Stallone in „Rambo 3“, sondern um Personen, die klar mit ihrer Situation überfordert sind. General Hummel ist ein sehr guter Kontrahent, aber nie ein richtiger Bösewicht aufgrund seiner humanistischen Ader, was eine gute Abwechslung im Genre ist.

Die Schauspieler sind erste klasse und können durch die Bank weg überzeugen. Connery kauft man trotz seines Alters den Actionhelden noch ab und Cage ist als Au-Scheiße-was-tu-ich-hier-Held auch sehr überzeugend. Doch von dem großartigen Ed Harris, der fantastisch den gebrochenen Helden spielt, werden beide bei weitem übertroffen. In einer Nebenrolle als Masons Tochter Jade kann die süße Claire Forlani überzeugen.
Der Soundtrack ist der vielleicht beste der je komponiert wurde. Die Komponisten Nick Glennie-Smith, Hans Zimmer und Harry Gregson-Williams haben ganze Arbeit geleistet und das Ergebnis ist packend und mitreißend.
Den Löwenanteil am Gelingen von „The Rock“ trägt Regisseur Michael Bay. Ohne seinen Stil und seine Optik würde der Film nur halb soviel Spaß machen, denn er versteht es voll und ganz jede Szene so fesselnd wie nur möglich zu gestalten.

„The Rock“ ist grandioses Actionkino, das mit genialer Action, einer tollen Story sowie glaubhaften Charakteren überzeugt und zu den besten Filmen gehört, die das Genre je hervorgebracht hat.

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