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Ein General verschanzt sich mit hochgefährlichen Chemieraketen und einigen Geiseln auf Alcatraz, um 100 Millionen Dollar zu erpressen, die den Familien von im Krieg verunglückten Soldaten zugute kommen sollen, andernfalls droht er, die Raketen auf die Millionenstadt San Francisco abzuschießen. Ein Experte für biochemische Waffen sowie ein Ex-Häftling machen sich zusammen mit einem Anti-Terror-Kommando auf den Weg, den Wahnsinn zu stoppen – Start frei für eines der Action-Highlights der 90er!

„The Rock“ ist von vorne bis hinten ein typischer Bay-Film, ohne wenn und aber, optisch perfekt in Szene gesetzt, den Zuschauer in jeder Minute unterhaltend. Das beginnt schon beim Vorspann, wo die Motivation Hummels geklärt und die Chemiewaffen aus einem Labor gestohlen werden. Anschließend erfahren wir etwas aus dem persönlichen Leben Goodspeeds, dessen Frau ein Kind erwartet, danach werden die Geiseln auf Alcatraz genommen, was unweigerlich dazu führt, den Ex-Häftling Mason zu reaktivieren. Bis dahin ist schon mehr als eine halbe Stunde vergangen, für einen Actionfilm unheimlich viel Zeit, weil die drei Hauptcharaktere ausführlich eingeführt werden. Trotzdem langweilt das nicht, weil Bay es mit Bildästhetik per Excellenze versteht, dem Zuschauer kaum einen Augenblick der Ruhe zu gönnen, obwohl nicht Action am laufenden Band geboten wird, zudem sorgen mehrere Komplikationen, wie etwa das Baby, welches Goodspeeds Frau erwartet, für zusätzliche Dramatik in der Folgezeit.

In jeder Hinsicht herausragend ist die große (und einzige) Autoverfolgungsjagd des Films, die nach mehreren humorvollen Momenten folgt, in der Mason optisch up to date gebracht wird, was er natürlich gleich für einen Fluchtversuch nutzt. Die Jagd durch die Straßen San Franciscos hält prima bei Laune, bevor der Film Gefahr läuft, zu wenig Action zu präsentieren und entpuppt sich letztendlich als kleine Spielerei Bays, da es die einzige Sequenz ist, die völlig übertrieben daherkommt, wo man später auf Alcatraz sehr um Realismus bemüht ist.

Anschließend geht es dann doch recht schnell: Goodspeed und Mason schließen sich einer Spezialeinheit an, die aber bald darauf dezimiert wird, sodass die beiden alleine San Francisco retten müssen. Ab dem Eintreffen auf „The Rock“ ist praktisch immer irgendetwas geboten, sei es das Überwinden diverser Fallen auf Alcatraz oder ausgedehnte und harte Schießereien mit den Marines. Das eigentliche Ziel, die Raketen zu entschärfen wird dabei nie aus den Augen verloren und letzten Endes natürlich erreicht, nachdem sich die Gegenseite zunächst selbst beachtlich dezimiert hat. Der Adrenalinspiegel beim Zuschauer erreicht beim Abschuss einer Rakete seinen Höhepunkt, die ihr Ziel jedoch verfehlt. Geschickt geht Bay dem Fehler aus dem Weg, zuviel von Goodspeeds Frau bei ihrem Aufenthalt in der Kommandozentrale zu zeigen, für zu viele Gefühle ist hier kein Platz, es regiert König Action.

Jetzt schon legendär ist das Finale, als Goodspeed nach dem letzten Kampf mit den grünen Fackeln mit letzter Kraft einen totalen Luftschlag gegen die Insel abwendet, aber dennoch wegen einer Rakete in hohem Bogen ins Wasser segelt, was die unglaubwürdigste Szene des ganzen Films ist, ansonsten gibt es erfreulich wenige Ärgernisse, von denen eines das Verhalten der FBI-Leute ist, die einen Totalangriff der Überweisung des Geldes vorziehen.

Die Besetzung kann sich mehr als nur sehen lassen, herausragend ist Sean Connery, der auf seine alten Tage tatsächlich noch als Actionheld taugt und mit dem nötigen Augenzwinkern an die Sache herangeht („Ich genoss eine hervorragende Ausbildung beim britischen Geheimdienst“). Sein Mitstreiter Nicholas Cage fällt dagegen deutlich ab und bleibt für mich das Hauptmanko von „The Rock“, denn seine überhebliche Art schadet dem Film eher.
Einen der besten Bösewichter seit Alan Rickman in „Die Hard“ mimt Ed Harris, dessen General Hummel eine höchst tragische Ambivalenz aufweist, die man öfter so sehen möchte: Er ist im Grunde genommen kein böser Mensch, sondern will nur Gerechtigkeit für seine gefallen Männer, und das mit allen Mitteln, die natürlich so nicht tragbar sind. Trotzdem hasst man ihn nicht nur, sondern entdeckt mit zunehmender Dauer immer mehr den Menschen dahinter.
Beachtlich ist auch der Supportcast, der mit Größen wie Michael Biehn, Tony Todd, David Morse, William Forsythe und Claire Forlani aufwarten kann, allesamt bekannte Gesichter. Als Goodspeeds Freundin gefällt die süße Vanessa Marcil, für welche die großen Rollenangebote in den letzten Jahren leider ausblieben.

Starkomponist Hans Zimmer kreierte darüber hinaus einen der besten Soundtracks, die es je in einem Actionfilm zu hören gab. Passend zum Film und absolut schweißtreibend, Kompositionen, die man nicht so schnell vergisst.

Unterm Strich ist das hier DER Bay-Film, in dem alles stimmt: Pausenlos Spannung, harte, perfekte Action in durchgestylten Bildern, trotzdem nicht nervend-übertrieben, drei Megastars in den Hauptrollen und mehrere unvergessliche Sequenzen machen „The Rock“ schon jetzt zu einem modernen Klassiker des Actionkinos.

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