*** Spoilerwarnung ***
Leuchttürme. Seit ewigen Zeiten weisen sie Schiffen mit ihrem Feuer den Weg, warnen vor Gefahren und manchmal verirrt sich auch der dramatische Höhepunkt eines Films in ihre Umgebung. In früheren Zeiten gab es schwimmende Leuchttürme auf See, genannt Feuerschiffe. Meist stehen diese unbeweglichen Bauten jedoch an Küsten und manchmal auch auf kleinen Inseln. Kennt man „The Rock“, kennt man auch diesen Leuchtturm auf einem Felsen vor der Stadt San Francisco. Weiß man nicht um ihn, kann man ihn in Michael Bays Werk aus den mittleren 90er Jahren kennenlernen. Denn nicht nur wurde hier 1854 der erste Leuchtturm an der US-amerikanischen Westküste in Betrieb genommen, auch ein General möchte hier ein Vorhaben verwirklichen, das auf der Insel für einigen Betrieb sorgt.
Dieser von Ed Harris dargestellte General Hummel bringt die berüchtigte Gefängnisinsel Alcatraz unter seine Kontrolle, nimmt 81 Touristen als Geisel und möchte so die Obrigkeit dazu bewegen, den Hinterbliebenen Familien von im Einsatz gefallenen Soldaten finanzielle Hilfe zukommen zu lassen. Sollte das nicht wie geplant funktionieren, schießt er mit Giftgas beladene Raketen auf San Francisco ab.
Natürlich soll dies verhindert werden und so castet man das Duo Nicholas Cage und Sean Connery in den Hauptrollen. Während Cage zwar ansatzweise in sein obligatorisches Overacting verfällt, wenn auch nicht halb so überschwänglich wie in mach anderen Produktionen, macht Connery einen gewohnt guten Job. Der Mann hat eben einfach eine natürliche Präsenz und wirkt immer sympathisch.
Auf Ed Harris' Rolle trifft dies leider nicht zu, obwohl sich Mühe gegeben wird, für den Charakter genau dies zu erreichen. Mögen General Bumblebees Ziele unter gewissen Blickwinkeln nachvollziehbar sein, seine Methoden sind es nicht. Und eben das ist Harris' Verdienst, indem er es trotzdem schafft, diesen Charakter halbwegs interessant zu gestalten. Hinzu kommen noch exzellent besetzte Nebenrollen, sodass man auch noch David Morse, John C. McGinley, Michael Biehn und Tony Todd an Bord hat. Ja, es gibt auch weibliche Rollen, die aber nur gerettet werden müssen bzw. als Überzeugungsmaterial dienen.
Bemerkenswert auch, wie man versucht, dieses ganze Vorhaben wieder in ein Licht zu rücken, das den Zuschauer dafür einnehmen soll. Denn die 100 Millionen, die an die Familien der gefallenen Helden gezahlt werden soll, stammen natürlich aus illegalen Waffenverkäufen der U. S. of frickin' A. Da kann man so einem Geiselnehmer doch gar nicht mehr böse sein, er meint es ja schließlich nur gut. Zwar ändert Hummel gegen Ende noch seine Ansichten, aber auch das scheint mir nur ein billiger Kniff zu sein, eine so dekorierte Figur nicht zu verunglimpfen.
Für mich sind diese Figurenzeichnung und explizit diese Art von Pathos die Knackpunkte des Films, die ihm eine höhere Wertung verwehren. Bay steht einfach zu sehr drauf, militantes Gedöns zu inszenieren, zu heroisieren und in Zeitlupen vor Sonnenuntergang mit wehender Flagge … irgendwas tun zu lassen. Und so finden sich diese wiederkehrenden Trademarks seiner Arbeit natürlich auch hier. Kann man mögen, kann auch nerven. Vielleicht bin ich einfach auch links-grün versifft, wenn mir darauf keiner abgeht.
Zu alldem wird noch ein heroischer Soundtrack drübergebügelt. Wobei ich inzwischen gar nichts mehr gegen Hans Zimmer habe. Durfte er sich mal den Ruf gefallen lassen, sich selbst oftmals zu kopieren und nur auf die volle Dröhnung zu setzen, muss man auch anerkennen, dass er sich aus heutiger Sicht zu einem wirklich vielschichtigen Komponisten entwickelt hat. Und das sage ich als Verehrer der klassischen Handwerker wie Williams und Goldsmith. Zimmer hat viele großartige Soundtrack geschaffen, doch im vorliegenden Fall fällt dieser einfach recht platt aus und verliert mit zunehmender Laufzeit seine Wirkung.
Was die Kameraarbeit angeht, so gibt es Licht und Schatten. John Schwartzman schafft es durchaus, stilvolle Bilder zu produzieren. Kamerafahrten und Lichtsetzung gefallen und auch das Framing ist sichtbar gelungen. Auf der anderen Seite darf man sich aber auch einiges an wackligen Bildern ansehen (Verfolgungsjagd durch S. F.). Trotzdem ist „The Rock“ insgesamt ein ansprechend anzusehender Actioner.
Viel Kritik, zugegeben. Diese betrifft aber nur bestimmte Punkte der Inszenierung und vieles macht „The Rock“ auch verdammt gut. Die rustikale Ausstattung auf der Insel ist quasi Hochglanzdreck, die Action ist fetzig umgesetzt, die Besetzung ansehnlich, das Tempo ist hoch (obwohl man erst nach einer knappen Stunde auf der Insel landet und sich vorher mit etwas Streckungsballast herumschlägt) und insgesamt ist Bay, trotz all der vorigen aufgezählten, mitunter enervierenden Versatzstücke, ein unterhaltsamer Film gelungen.