Klein, aber gemein, so muß, so darf ein B-Thriller sein und "The Stepfather" liefert trotz seines arg banalen Titels vom Feinsten.
Es braucht nicht mehr als einen psychopathischen Ordnungsfetischisten, um bildschirmfüllend Unbehagen zu erregen. Terry O'Quinn, der später in "Millenium" uns nachhaltig verwirren sollte, bringt uns den mörderischen Jerry Blake so "normal" rüber, daß der Spannungsknoten permanent angezogen wird.
Den entsprechenden Rahmen steckt dabei bereits die Eröffnungssequenz ab, in der man ihn bei der Morgentoilette sieht, die ganz gewöhnlich aussieht, bis er das Haus verläßt und bei Tisch eine dahingeschlachtete Familie offenbart. Es dauert nicht lange, bis man den zwangsneurotischen Soziopathen einordnen kann. Jerry lebt nur für einen Zweck: die perfekte Familie. Allerdings hat er da absolut kitschig-hausbackene Vorstellungen von einem bilderbuchartigen amerikanischen Mittelstand, den es so natürlich nur in Filmen gegeben hat.
Es ist schon fast kurios, zu sehen, wie er mit ausgelatschten Sprichwörtern herumwirft oder harmloses Hausfrauenfernsehen und alte Shows im TV schaut, Vogelhäuschen baut oder Papierhüte baut - doch der Ton bleibt dabei todernst, was nicht nur die Fremdartigkeit betont, sondern auch jegliche Albernheit aus dem Geschehen nimmt, wofür man wirklich dankbar sein kann.
Wegen seiner Macke ist seine neueste Familie bald in höchster Gefahr, denn das Spannungspotential zieht der Plot natürlich aus der Frage, wann etwas geschieht, daß seinen Vorstellungen zuwider läuft. Um diesen Handlungsstrang noch zusätzlich aufzuwerten, sieht er sich auch ständig den Verfolgungen durch einen Arzt und den Bruder eines seiner Opfer ausgesetzt, denn nach ihm wird in anderen Identitäten gefahndet.
Wie weilend Hitchcock schlägt man sich psychologisch wieder auf seine Seite, weil nun er in Gefahr ist.
Wenn gegen Ende Jerry wieder eine neue Familie sucht, weil er weiß, daß er seine bald "verlassen" wird und eine neue Identität entwirft, fliegt dem Film bald der Deckel ab, weil der Druck unerträglich wird. Natürlich muß es zum Eklat kommen, der in einer echten Identitätskrise gipfelt, in der Jerry seine Frau fragt, wer er denn in diesem Haus sei und sie nach Aufklärung dankbar zusammenschlägt.
Neben der totalen Ernsthaftigkeit watet der Film zwar nicht im Gore, weist aber einige brutale Sequenzen mit fast schon graphischer Gewalt auf, wenn er einen seiner Entdecker mit einer Holzlatte zu Klump schlägt oder im Showdown, der an brutaler Direktheit nichts zu wünschen übrig läßt. Trotzdem ist es erfreulich zu sehen, daß die psychologische Seite der Handlung die deutlich Interessantere ist.
Leider wertet die recht klischeehaft gestaltete, Lunte riechende Tochter des Hauses den Film leicht ab, denn hier reißen die Genrekonventionen manchmal ein, aber das kann den Film nicht völlig runterziehen. Gefilmt mit reichlich Einfallsreichtum in punkto Licht, Kamera und Locations kann dieser Psycho-Reißer fast auf ganzer Linie überzeugen und zeigt allen 5000 Fernsehproduktionen zu diesem Thema gepflegt den Mittelfinger. Das macht ein perfektes B-Movie und einen sonst zwar unwichtigen, aber dafür rundum spannenden Film aus. (7/10)