Review

Familiengrab


Deinen neuen Partner oder deinen Vater, selbst wenn es nur der Stiefvater ist, meinst du zu kennen?! Nach „The Stepfather“ überdenkt man das wohl nochmal... In dem Psychothriller von 1987 (nicht mit dem deutlich unterlegenen Remake von 2009 verwechseln!) begibt sich ein ordentlich, freundlich wirkender Familienvater zu einer neuen, vatersuchenden Mutter-Tochter-Konstellation. Problem: der Typ hat seine alte Familie gerade teuflisch mit einem Messer massakriert und ist ein totaler Psychopath, dessen anfangs charmante Masche es wohl ist, sich alle paar Jahre in einem neuen Umfeld und unter neuer Identität in die Rolle eines Familienvaters zu spielen und dann irgendwann auszuticken und alle umzubringen, die er kurz zuvor noch herzlich gedrückt und eingelullt hat. Die Polizei ist ihm zwar auf der Spur, doch erst seine neue Teenagertochter (sehenswert: Jill Schoelen!) kommt ihm dank Misstrauen und instinktiver Angst auf die Schliche. Doch ist es schon zu spät? Und wer wird ihr glauben? Hitchcock trifft auf Freud und auf Slasherwinke. 

„The Stepfather“ ist ein exzellenter Serienkillertipp. Nicht nur, aber vor allem durch die Hauptperformance von Terry O'Quinn, weit bevor er glatzköpfig auf einer mysteriösen Insel abstürzte. Er spielt wahrhaft beängstigend, gestört und vielschichtig, das Böse kauft man ihm genauso ab wie die Sehnsucht nach einer „ganz normalen“, braven U.S.-Vorzeigefamily. Insgesamt ist „The Stepfather“ aber definitiv ein tatkräftiger Angriff auf solche scheinheiligen Vorstadtidyllen ohne Fehl und Tadel. Keine Satire ala „Serial Mom“, aber durchaus mit einem diabolischen Grinsen auf den Lippen. Mit Gewaltspitzen wird zwar gegeizt, doch die Spannung lässt kaum mal eine Minute nach, was schließlich noch weitaus wichtiger ist. Trotz klarer Verankerung in seinem Jahrzehnt bleibt dieser ungewöhnliche Slasher recht realistisch, grausam und verunsichernd. Denn dass man selbst seine Besten nie zu hundert Prozent kennt, ist nicht weit hergeholt oder gelogen...

Fazit: ein sehr familiärer Slasher... Wenn das Böse aus dem eigenen Heim, den eigenen Reihen kommt. Die Urangst vor dem falschen Vater. Kennst du deine Liebsten wirklich?! Creepy und mit einem faszinierenden Terry O'Quinn! Anders als die (immer noch soliden) Fortsetzungen: nicht zu vernachlässigen! 

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