Tommy und Sincere Tommy sind zusammen aufgewachsen. Schon als Teenager
machten sie Karriere im organisierten Verbrechen. Tommy ist ein
skrupelloser Gangster der für die Gier nach Geld und Macht über Leichen
geht. Während Sincere der belesene und bescheidene von beiden ist. Der
nur versucht über die Runden zu kommen und dafür das notwendige tut.
Tommy will mit einer neuen und stärker süchtig machenden Variante von
Heroin einen
Drogenring aufziehen. Doch Sincere beginnt sich über seine Ziele im
Leben Gedanken zu machen und distanziert sich von Tommy. Ihre
Freundschaft wird auf eine harte Probe gestellt ...
Mit "Belly" feiert Videoclip Regisseur Hype Williams sein Debüt als
Filmemacher. Der Mann der für seine teuren Hip-Hop Hochglanzvideos
schon mal Millionen-Budgets verlangt (Jay-Z - Big Pimpin) und als
Markenzeichen seinen Namen am Anfang seiner Musikvideos einblendet.
Hatte 1998 wohl auch das Bedürfnis sich auf der großen Leinwand zu
verewigen. So wurde auch die damalige Crème de la creme des Hip Hops
als cast engagiert. Dmx, Nas, Method Man, T-Bozz (von TLC) und AZ.
Willams war als Jugendlicher Sprayer und "Hype" sein Tag. In dieser
Zeit hat er nach eigener Aussage seine Begeisterung für Farben gefunden.
Wenn man "Belly" sieht fällt einem vor allem eins auf. Die wirklich
herausragende Optik. Williams versteht es recht gut die einzelnen
Stimmungen in Bilder zu kompositionieren. So werden die beiden
Protagonisten die sehr verschiedene Charaktere darstellen durch
visuelle Gimmicks näher vorgestellt. Während Tommy's edel, aber
zugleich auch steril wirkende Wohnung in blassen und kalten Farben
gezeigt wird. Wird Sincere's familäres Zuhause in warme und geborgene
Farben gehüllt. Zudem wird hier einiges über ihr Privatleben deutlich.
Über ihren Lebensstil, wie sie mit ihren Mitmenschen beispielsweise
Ihren Frauen umgehen. Dieses Stilmittel greift Williams immer wieder
auf, wenn Sincere beispielsweise in den Housing-Projects von
Queensbridge mit einem 12 Jährigen Crack-Hustler abhängt, über das
Leben auf der Strasse siniert und die ganze Szenerie in einem kalten
Blau gehüllt ist. Ein klares Highlight des Stylewahns findet vor allem
in der
beeindruckenden Sequenz auf Jamaika statt. Unterlegt mit einem freshem
Dancehall/Raggastück wird hier einem die Drug-Connection von Tommy
näher vorgestellt. Der selbsternannte "härteste Rastajamaikaner der
Vereinigten Staaten" hat auch sonst ein paar gute Szenen und sorgt für
Stimmung. Auch, wenn er offensichtlich zu oft Scarface gekuckt hat...
Die Bildsprache ist auf jeden Fall sehr eindrucksvoll und cool.
Ausgefallene Kamerawinkel, Slow
Motion, Farbfilter, Blenden, schnelle Schnitte, der Mann
weiss wie man Autos, schöne Frauen, Geld und cooles Gangstergehabe ins
rechte Bild rückt. Genauso sieht "White Lines" auch aus, wie ein
zweistündiger Videoclip. Darin liegt auch ein wenig das Problem, denn
die bravoröse Edeloptik weiss durchaus zu unterhalten. Die Geschichte
dagegen wirkt eher etwas einfallslos und unglaubwürdig. Ein ernsthaftes
Ghettodrama ist "White Lines" jedenfalls nicht. Zu cool wird hier der
Ghetto-Lifestyle um Geld, Drogen und Gewalt zelebriert. Über weite
Teile des Films versucht die Optik auch einfach über einen mageren und
löchrigen Plot hinwegzutäuschen.
Gegen Ende des
Films wird zwar noch versucht etwas Anspruch und Sozialkritik
einzubauen, so recht überzeugen will das allerdings auch niemanden
mehr. Das Ende wirkt etwas aufgesetzt und hinterlässt auch ein wenig
den Nachgeschmack, dass Williams hier die Moralkeule auspackt um sich
für seinen bis dahin politisch eher fragwürdigen Plot zu entschuldigen.
Die Darstellerriege um DMX, NAS und Method Man wird zwar wohl kaum
jehmals für einen Oscar nominiert werden. Trotzdem liefert hier jeder
eine
solide und annehmbare Leistung ab, allen voran DMX als skrupelloser
Tommy. Der es ganz gut versteht seinem Charakter Persönlichkeit
einzuhauchen.
Wenn man über einen schwachen Plot, Klischees und Stereotypen großzügig
hinwegsieht. Weiss der Film im großen und ganzen durchaus zu
unterhalten. Denn die wirklich
heraussragende Optik, der Coole Soundtrack (der allerdings nur Hip Hop
Fans beeindrucken dürfte) sowie ein gute priese Action sorgen für gute
Unterhaltung. Zudem endet der Film mit knapp anderthalb Stunden
Laufzeit dann auch rechtzeitig bevor er anfängt lästig zu werden.
Der Film war kein Kassenrenner und erschien in Deutschland nur als DVD.
Mit einem schäbigen Cover und einer völlig missratenen deutschen
Synchrosation. Allein für die schlechte Übersetzung müsste man
eigentlich zwei Punkte abziehen. Das beispielsweise Wörter auf total
lächerliche Weise übersetzt werden und die Stimmen nur bedingt zu den
Darstellern passen ist ein einziges Greuel. Beispielsweise wird
Hühnerficker für Motherfucker ausgetauscht oder Alter für Nigga usw.
Wer die echten
Stimmen von Dmx, Nas und Method Man kennt, wird sich hier wohl die
Haare raufen. Trotzdem wer auf Hip Hop und Gangsterfilme steht kann
hier die durchaus mal reinschnuppern.
Ein zweiter Teil ist übrigens gerade in Planung.
Fazit: Ein kurzweiliger Hip Hop/Gangsterstreifen mit einem schwachen
Plot und mäßigen Darstellern. Aufgrund der überragenden Optik, dem
tollen Soundtrack sowie eine ausgewogenen Prise Action ist der Streifen
für Hip Hop Fans auf jeden Fall ein Hingucker wert.