Review

Als Fan des modernen Horror-Films habe ich mich bereits lange im Vorfeld auf "Fear dot com" gefreut - auch die negativen Kritiken der US-Presse und dem darauf gefolgten mäßigen Box-Office-Einspielergebnis haben mich nicht abgeschreckt ... zum Glück, denn obwohl es sich bei diesem Streifen wahrlich um keine innovative Filmkunst handelt, ist er nicht uninteressant und bietet diverse positive Betrachtungspunkte:

Die Handlung lehnt sich an Motiven von "the Ring", "Cradle of Fear" und "Pulse / Kairo" an:
Ein Cop (Stephen Dorff) jagt schon lange einen Serienkiller (Stephen Rea als irrer Arzt), der live im Internet auf seiner "Fear"-Site weibliche Opfer foltert und tötet, kommt aber nicht an ihn heran, da dieser nach jedem Mord die Site wechselt und auch so der Polizei immer einen Schritt voraus ist.
Nun beginnt jedoch eine zweite Serie von Todesfällen:
Menschen werden in den Tod getrieben, genau 48 Stunden nachdem sie die Site "Feardotcom.com" aufgerufen haben ... natürlich kann der Cop der Versuchung nicht widerstehen und schaut sich die Seite ebenfalls an:
Ihm wird die Frage "do you want to play?" gestellt, wonach man sich die Folter des Arztes ansehen kann - doch dann beginnt der Todescountdown, ein entstellter weiblicher "Geist" (die gequälte Seele eines der Opfer) und andere grausame Halluzinationen erscheinen immer häufiger, die Jagd nimmt ihren Lauf...

Die Story von dem gequälten Geist im Internet, der damals 48 Stunden lang vorm Tod gefoltert wurde und aus diesem Grund die voyeuristischen Zuschauer der Folter-Site (mit Hilfe von Personifizierungen ihrer schlimmsten Ängste) heimsucht, ist interessant (nur leider ähnlich wie bei "the Ring"), aber bei diesem Film ist das nicht der entscheidende Faktor - dieser ist bei "Fear dot com" nämlich eindeutig alleine die Optik:

Die Schauplätze (Gebäude / Fabriken) sind alle aus der ersten Hälfte des letzten Jahrhunders (die typische "Film-Noir"-Architektur, welche die Detective-Story visuell unterstützt), die Effekte sind grell und grausam, es regnet ständig (am Tag und in der Nacht), Videoclip-Optik und Soundtrack werden gut eingesetzt, die Stimmung ist düster und drückend, die F/X gut - nur die interessante und eigentlich gar nicht mal so schlechte Besetzung agiert unter ihren Möglichkeiten:
Stephen Dorff ("Blade"), Natasha McElhone ("Solaris"), Stephen Rea ("Crying Game"), Jeffrey Combs ("Re-Animator") und Udo Kier ("Blade") bekommen einfach nicht den Raum um sich zu entfalten.

Der Film ist "seriöser" inszeniert, als man es von William Mallone ("House on Haunted Hill") erwarten würde (er verwendet nicht ausschließlich den sogannten "Holzhammer"-Stil, sondern inszeniert auch mal ruhigere Passagen).
Warner Brothers hat ein hohes Budget gestellt und die düstere Optik ist einfach großartig - nur leider kann die Story (mitsamt den Charakteren und Dialogen) nicht so recht überzeugen und kommt über B-Film-Niveau nicht hinaus. Der Film besitzt alle Stärken und Schwächen eines modernen Horrorfilms, welcher leider unter der schwachen Schaupiel- und Suspence-Inszenierung von William Mallone leidet = also quasi nur düsteres Augenfutter...

Es gibt viele verschenkte Potentiale bei diesem Projekt (Internet-Thematik, Charaktere und Spannungsaufbau), die leider nicht genutzt wurden ... trotzdem gebe ich 7 von 10 Punkte, da die Inszenierung der Bilder derart gut ist, daß sie in meinen Augen manche Schwäche ausgleicht - außerdem habe ich die o.g. Filme erst später gesehen, weshalb ich damals an "Fear dot com" unbelastet herangegangen bin und mich ganz gut unterhalten fühlte ...

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