Review

Gruselig!
Nicht „Feardotcom“ selbst, sondern eher die Qualität des Films, der die Frage aufwirft, was mit William Malone passiert ist, der mit „Haunted Hill“ noch einen frisch polierten Genrebeitrag präsentierte und hier wohl von allen guten Geistern verlassen wurde.

Denn dieses Werk, offensichtlich ein halbes europäisches Abschreibeprodukt ist ein Ärgernis von besonderer Klasse. Inhaltlich mutwillig aus Vorbildern wie „The Ring“ und „Das Schweigen der Lämmer“, visuell bei „Sieben“ zusammengeklaut, ist das ja noch nicht mal das Schlimmste.
Wirklich finster ist, wie mit welcher Dreistigkeit dieser Film seine offensichtliche Leere zum Programm macht, Erzählstränge ins Leere laufen läßt und der Unlogik Tür und Tor öffnet.

Zusammengefaßt geht’s ja um folgendes: wer eine gewisse Fear-Website besucht, hat danach noch 48 Stunden zu leben, ehe er an seinen schlimmsten Ängsten wohl stirbt, die ihn in Halluzinationsform heimsuchen. Soweit, so Ring. Gleichzeitig entführt ein geistesgestörter Mediziner Frauen, die er dann vor laufender Webcam foltert und umbringt. Wer seine sieben Sinne zusammenhat, weiß nach drei Minuten, daß beides eben nicht zusammenhängt, sondern nur durch den Filmschnitt so vorgetäuscht wird. Am Ende werden dann beide Stränge zusammengeführt, aber das kann man genausogut ahnen.

Stephen Dorff soll hier wohl den rebellischen Polizisten mimen, der den unheimlichen Vorgängen (die Toten bluten alle aus den Augen) auf die Spur kommt. Und Natasha McElhone, die Seuchenspezialistin steht ihm bei. Die hat nach 10 Minuten eigentlich nichts mehr mit ihm zu tun, also läßt der Plot ihren Chef über die Klinge springen und sie kann sich auch noch für den Rest des Streifens an ihn hängen.

Der Rest ist aus Verbinskis Film übernommen: eine PC-Spezialistin gibt den entscheidenen Tip und stirbt daran, anschließend setzen sich auch die beiden Hauptdarsteller dem Fluch aus und los tickt die Uhr bis zum derben Finale in einem alten Reaktor.
Was aber sonst noch vielleicht einen passablen B-Horror abgegeben hätte, ist so einfach nur noch zum Schreien.

Ein paar Beispiele:
Dorff und McElhone latschen ständig durch chronisch unterbeleuchtete Räume, aber nie drückt einer mal einen Schalter. Im Polizeirevier ist es so hell wie in einem Bärenarsch um Mitternacht. Das Theater in das der Killerarzt sein weibliches Opfer für Probeaufnahmen (urgh!) eingeladen hat, ist kein Fünkchen heller, dafür dröhnt uns „Rammstein“ (hoho, wie düster) um die Ohren und trotzdem latscht Blondie dumm wie Torf dem Bösling in die Falle.
McElhones Chef versucht sich im maskenhaften Overacting, das einfach nur lachhaft ist, die PC-Spezialistin dagegen verschweigt ihre Hallo-die-Zitronen, obwohl sie nur noch ein Nervenbündel ist, bis sie den finalen Fenstersprung macht.
Draußen gewitterts alle fünf Minuten mit den berühmten Dauerblitzen, diesmal im Drei-Sekunden-Takt. Ein Opfer des Arztes, obwohl doch ständig fürs Foltern festgeschnallt, schafft es trotzdem, ihren Aufenthaltsort aufzuschreiben, in ihrem Lippenstift zu verstecken und diesen runterzuschlucken, obwohl er nach dem Tod Organproben entnommen hat (und den Lippenstift wohl locker mal übersah).
Und in einer besonders hirnigen Szene untersucht Dorff die Kamera zweier Opfer, die sich damit im Park haben filmen lassen, wobei ein Dieb offenbar versucht hat, beim Foto-Schuß die Kamera zu klauen. Trotzdem hält er noch sekundenlang auf das stehende Pärchen, anstatt wegzurennen, wie das so üblich wäre. Das ist alles genauso gekonnt, wie die Szene, in der sich die spannungsfördernde Musik unendlich lange in immer dramatischere Höhen schwingt, bis nach scheinbar drei Minuten McElhone uns endlich mit dem zu erwartenden "Kreisch" erlöst. Ächz!

Und noch ein paar Momente aus dem Reich der unsterblich beschissenen Dialoge:
McElhone, ihre Katze vom Fernseher wegsetzend: „Dreh dich um. Ich will nicht, daß du das siehst!“
Oder: Dorff zur PC-Spezialistin, die aussieht, als sei sie auf kaltem Entzug: „Hey...paß auf dich auf!“.
Oder: Dorff unter Einfluß der Website: „Ich drifte hin und her zwischen den Welten.“ bzw. „ Scheiße, Terry, ich verliere den Halt. Ich sinke immer tiefer.“
Auf dem gleichen Niveau sind auch die Nachrichten, die er ihr am Morgen danach per Zettel auf dem Küchentisch hinterläßt: „Ich mußte gehen. Sorry!“ Ach nee, hatten wir noch gar nicht gemerkt.
Genauso wenig, wie man wohl die komplette zarte Lovestory geschnitten hat, denn wie die beiden überhaupt zusammenkommen, fehlt irgendwie im Film.

Die Schauspieler sind allesamt auf Pinocchio-Niveau. Dorffs charakteristischstes Merkmal ist es, unrasiert zu sein; McElhone sieht ständig besorgt aus, als wüßte sie schon, wie das fertige Produkt aussieht; Stephen Rea als Mörder labert ununterbrochen irgendeinen salbadernden Schwulst, der keinen interessiert; Udo Kier gibt ein planloses Cameo und Jeffrey Combs muß immer gelangweilt in der Gegend rumstehen und auf inkompetent machen, bis er endlich tot ist.

Aber irgendwie nimmt alles ein böses Ende und als man auf den obligatorischen Schlußgag wartet, kommt keiner. Ein Moment der Leere in einem leeren Film. Wie passend.
„Feardotcom“ ist eine formvollendete Ruine ohne einen qualitativ erträglichen Moment. Selbst die auf die Augen einstürmenden Eindrücke des Rachegeistes wiederholen sich so oft, daß man schreien möchte, die Protagonisten würden sich endlich an die dort gezeigten Orte begeben, damit der Schmerz endlich aufhören möge, natürlich ergänzt durch eine ermüdend amateurhafte Synchro.
Und deshalb eine eindringliche Warnung, die Macher dieses Streifens nicht auch noch mit jedweder Form von Geld zu bedenken. (1/10)

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