Review

Ein Hoch auf Flashwebseiten


„FearDotCom“ wurde einem zu Beginn des neuen Jahrtausends zusammen mit sowas wie „Gothica“ und „Haunted Hill“ auf gebrannten CDs zugeschmuggelt, als Kinomitschnitt mitsamt durch's Bild laufender Leute. Hach, was waren das noch für Zeiten zu Beginn der Piraterie… Ganz klar frech auf der J-Horror-Schiene mittuckernd zuckt und ruckt sich dieser Hollywoodspuk kakophoniegleich durch die Annalen seines Genres. Eigentlich sehr gut besetzt und mit einem damals akuten Kern (Internet, Snuff usw.), doch im Gesamtprodukt ein nerviger und belangloser Fehlschlag, der weder seiner Ausgangslage noch seinen klaren Vorbildern gerecht wird. Selbst wenn in den letzten Jahren mit Titeln wie „Countdown“ oder „Polaroid“ sogar nochmal ein paar ähnliche Titel erschienen und „FearDotCom“ zumindest aus amerikanisch-thematischer Sicht doch etwas seiner Zeit voraus war. Von der Semikatastrophe, die er damals wie heute war und ist, kann das aber nicht ablenken. Erzählt wird von einer düsteren und verfluchten Internetseite, die seine Besucher in den Wahnsinn und Tod stürzt…

Jeffrey Combs und Udo Kier und (ein sehr junger und overactender) Matthias Schweighöfer in Nebenrollen. Das sieht man schon mit einem Schmunzeln. Die Angst vor den dunkleren Seiten des Netzes als Spiegel unserer Gesellschaft und Seele. Atmosphärische Snuffschnipsel. Ein ansehnliches Budget. „Grudge“ oder „Pulse“ als asiatische Cousins im Geiste. „FearDotCom“ hat gute Ansätze und hätte Möglichkeiten gehabt. Ganz so schlimm wie manche ihn gemacht haben ist er deshalb vielleicht auch gar nicht. Und dennoch gibt es natürlich nicht nur zehnmal bessere Alternativen, sondern macht „FearDotCom“ leider auch einiges ernsthaft falsch. Die monochrome Farbpalette kann einen schnell nerven. Der Grund für bzw. die Auflösung des Ganzen scheint total flach und billig. Die schnellgeschnittenen Collagen wären wohl gerne auf einer asiatischen VHS. Die Darsteller triefen oft nur so vor Overacting oder alternativ Autopilot. Und das Ende ist total antiklimaktisch. Insgesamt zieht sich die Zeit hier erstaunlich kaugummiartig. Alles wirkt schnell und billig abgekupfert, durch die damals aktuellen Internetlooks mittlerweile gänzlich veraltet. Desweiteren sind die Dialoge oft grenzdebil und wirken wie von einem Achtklässler geschrieben, ohne Korrekturlesung. Alle Figuren werden kaum charakterisiert, der Bösewicht bekommt null Hintergründe und wirkt wie ein Abziehbild. Choppy wie 'ne Floppy, faul wie die Zähne eines geschenkten Gaul. Insgesamt eher gewollt als gekonnt, eher Boll als Bingo. 

Fazit: trotz manchmal gar nicht übler Bilder, Ideen, Atmosphäre, Collageschnipseln ein die meiste Zeit schmerzhaft schlechter Millennium-„Horror“ zwischen „Seven“, „8MM“ und ängstlicher Internetsteinzeit. Nur als Kuriosität zumindest eine kleine Entdeckung wert - aus all den falschen Gründen… Grau und taub. 

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