Vier Jahre nach seinem saftigen Spielfilmdebüt Il Bosco Fuori (The Last House in the Woods) meldet sich der Römer Gabriele Albanesi mit Ubaldo Terzani Horror Show zurück und beweist, daß sich das italienische Horrorkino zwar nicht bester Gesundheit erfreut, daß aber immerhin Hoffnung auf Genesung besteht. Wie der Vorgänger Il Bosco Fuori besticht auch Ubaldo Terzani Horror Show nicht gerade durch Originalität, allerdings fällt das diesmal etwas weniger ins Gewicht.
Der fünfundzwanzigjährige Horrorfreak-turned-Filmmaker Alessio Rinaldi (Giuseppe Soleri) ist frustriert. Sein ungezügelter Enthusiasmus stößt bei den Filmproduzenten auf taube Ohren, seine wilden Ideen seien zu unkommerziell, heißt es (da stand wohl die Realität Pate). Man rät ihm, sich mit dem populären Horrorschriftsteller Ubaldo Terzani (Paolo Sassanelli) zusammenzutun, um mit ihm ein brauchbares Drehbuch zu entwickeln. Im großen, Turiner Haus des Autors von solch grausamen Werken wie "The Night Marta Dreamed of her Death" oder "Dancing on the Blade of a Razor" macht man sich gemeinsam an die Arbeit. Terzanis Arbeitsweise ist, nun ja, ungewöhnlich: "Look, Alessio, together we have to write the story that already exists inside of us. The story that has us obsessed, that won't let us sleep at night. And it has to be the story that guides us, not the other way around." Alessio hat ein zunehmend schlechteres Gefühl bei der Sache, nicht zuletzt, da er von gräßlichen Alpträumen geplagt wird. Als sich Alessios hübsche Freundin Sara (Laura Gigante) auf Einladung des Gastgebers übers Wochenende zu ihnen gesellt, kommt der junge Regisseur dem schrecklichen Geheimnis von Ubaldo Terzani auf die Spur.
Ursprünglich sollte Gabriele Albanesis zweiter Spielfilm "In the Mouth of Ubaldo Terzani" heißen, womit eine große Inspirationsquelle mehr als offensichtlich ist, nämlich John Carpenters In the Mouth of Madness. Aber auch bei Lucio Fulci (Quella Villa accanto al Cimitero, Un Gatto nel Cervello) bediente sich Albanesi recht unverfroren. Herausgekommen ist trotz allem ein überraschend eigenständiger, stylisch inszenierter Low-Budget-Schocker, der sehr gut unterhält, eine ganz eigene Faszination ausstrahlt und das Herz eines jeden Italo-Horror-Fans schneller schlagen lassen sollte. Und das, obwohl die simple Geschichte nicht nur wenig spannend, sondern auch arg vorhersehbar ist. Als Genrefan weiß man bald, wohin der Hase hoppelt. Ubaldo Terzani ist der arrogante, charismatische, Zigarren rauchende Verführer, eine Art teuflische Spinne, die ihre Netze geschickt auswirft und in denen die Opfer bald hilflos wie Fliegen zappeln. Wohin die Reise führt, ist nicht überraschend, aber immerhin konsequent. Am Ende, nach dem erwarteten Brutalo-Finale, weiß man, woher der erfolgreiche Autor die Ideen für seine Geschichten nimmt.
Ubaldo Terzani Horror Show punktet mit einer bedrohlichen, ominösen Atmosphäre; etwas stimmt da ganz gewaltig nicht, in diesem Haus, mit diesem Mann. Der Einsatz von Splatter ist im Gegensatz zu Il Bosco Fuori wesentlich gezielter und damit effektiver. Die ausnahmslos handgemachten Make-Up-Effekte von Sergio Stivaletti und seinen Mannen (wie z. B. austretende Gedärme, eine abgerissene Unterlippe, das Absägen eines Beines, ein zerlegter Körper) sind ganz hervorragend; lediglich eine Szene mag nicht so recht überzeugen, aber das verschmerzt man angesichts der hohen Qualität der Effekte gerne. Die Darsteller machen ihre Sache ordentlich, Laura Gigante sieht gigantisch gut aus, und an Kameraführung, Schnitt und Ausleuchtung gibt es ebenfalls nichts auszusetzen. Ein wichtiger Bestandteil des Streifens ist der tolle, ins Ohr gehende Retro-Score von Valerio Lundini, der mit dem Synthesizer gut umzugehen weiß und Erinnerungen an Fabio Frizzi, Goblin & Co hervorruft. Lucio Fulci-Fans dürfen sich über den posthumen und sehr netten Cameoauftritt des Meisters freuen; er ist kurz im TV zu sehen, in Kombination mit einem Ausschnitt aus einem seiner Filme (Quando Alice Ruppe lo Specchio, wenn ich nicht irre). An Fulcis beste Genrefilme kommt Ubaldo Terzani Horror Show nicht ganz ran, aber seine mittelmäßigen bis schwächeren Arbeiten steckt er locker in die Tasche. Nur schade, daß Albanesis Drehbuch mit Überraschungen dermaßen geizt.
Zwei Notizen am Rande. Einen Ubaldo Terzani gibt es in der italienischen Filmgeschichte zwar nicht, dafür dürfte Kennern der Materie ein gewisser Ubaldo Terzano nicht unbekannt sein. Dieser war (Co-)Cinematographer u. a. bei den Mario Bava-Klassikern La Maschera del Demonio, I Tre Volti della Paura, La Frusta e il Corpo und Sei Donne per l'Assassino. Außerdem bediente er die Kamera bei Una Lucertola con la Pelle di Donna, Profondo Rosso und Lo Squartatore di New York. Und da Alessio ein großer Fan des italienischen Genrekinos ist, hängen in seiner Wohnung nicht nur entsprechende Filmposter, er trägt auch noch diverse Fanboy-T-Shirts. Also Augen auf!