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Es scheint sich ein Trend abzuzeichnen, Filme mit halbwegs bekannten Gesichtern auszustatten und damit etwas mehr Kohle abzustauben, was im Fall von Michael Madsen in letzter Zeit recht häufig vorkommt. Sein Cameo gleich zu Beginn dauert rund drei Minuten, danach ist er nicht mehr zu sehen. Stattdessen täuscht uns das Cover eine Kopie von Jason Statham vor, welche Hauptdarsteller Rik Sinkeldam selbst im mimischen Bereich nicht ansatzweise erreichen kann.

Es ist die Geschichte von JD, der irgendwann in einen Luftfrachtcontainer von Thailand nach Amsterdam befördert wird. Ohne genaue Erinnerungen, unter eine Droge gesetzt und reichlich lädiert findet er lediglich eine Telefonnummer auf seinen Arm geritzt.
Mithilfe der Stripperin Monique findet er heraus, dass Drogenboss Gunther ihn hat auflaufen lassen und töten wollen. Es beginnt ein erbitterter Fight in der Unterwelt Amsterdams…

Sicher bietet Amsterdam einen willkommenen Schauplatz, der für Abwechslung im Actiongenre sorgen könnte, doch allzu viel bekommt man von der Stadt nicht zu sehen.
Stattdessen landet man häufiger in dubiosen Nachtlokalen, wo immerhin für etwas nackte Haut gesorgt wird, doch bis auf eine Flucht mit dem Motorboot und eine kleine Schießerei auf zwei Fahrrädern werden kaum markante Außenszenen geliefert und man könnte sich diesbezüglich fast schon ein Bild von Amsterdam ohne Grachten ausmalen.

Dennoch liefert sich JD eine Keilerei nach der anderen, schnappt sich Kleidung von zwei Räubern, mischt eine Gruppe von Schutzgelderpressern auf und landet natürlich mit Monique in der Kiste, was offensichtlich nicht zum ersten Mal vorkommt.
Vielmehr ereignet sich jedoch nicht, denn die wahre Identität JDs ist rasch ausgemacht, etwaige Querverbindungen sind ebenfalls leicht durchschaubar und bis auf zwei minimale Twists dürften auch erfahrene Zuschauer im Bereich des Action-Thrillers alles auf dem Schirm haben.

Auf optischer Ebene wird für das geschätzte Budget einer halben Million Euro nicht allzu viel in den Sand gesetzt, doch kommt es zu den nicht wenigen Fights, macht sich leider auch Ernüchterung breit. Die Choreographie liefert schwaches Mittelmaß, ein paar Tritte und hauptsächlich Faustschläge, doch die Kamera ist meistens ungünstig positioniert, wackelt zu häufig und findet zu selten die richtige Distanz. Lediglich der Schnitt bewirkt ein gewisses Tempo, doch das Gespür für mitreißende Action hat Regisseur Michael Wright noch nicht gefunden.

So bleiben Madsen drei Minuten Zeit, mit gelangweiltem Blick unsäglichen Blödsinn von sich zu geben, ein Kampf mit zwei Latexmiezen gehört immerhin zu den optisch eher ansprechenden Momenten und während sich innerhalb der kompletten Laufzeit nicht eine humorvolle Szene auftut, gestaltet sich der Ausgang völlig offen, obgleich das Wesentliche bis zum Finale geklärt ist, - eine Fortsetzung ist demnach möglich, unter gegebenen Voraussetzungen jedoch nicht sonderlich gewünscht.

Denn darstellerisch wird besonders von den Hauptakteuren gerade mal brauchbare Kost geliefert, die Action kann sich nicht wirklich sehen lassen, es mangelt an markanten Figuren und lediglich einige Flashbacks sowie Erinnerungsfetzen sorgen für ein wenig Abwechslung.
Dieses Paket aus Amsterdam liefert bestenfalls leidliches Mittelmaß, - wie abgestandener Gouda im Holzschuh fest getackert, befindlich in einem niederländischen Wohnwagen, der mit seinen acht Kollegen mit 70 km/h auf der linken Autobahnspur tuckert - auf Dauer eher ärgerlich als unterhaltsam…
Knapp
4 von 10

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