Wenn ein Film schon von sich selbst im Werbetext behauptet er sei ein “Meisterwerk“ sollte man schon aus Prinzip vorsichtig sein. Die Golden Globe Nominierung wäre mir bei der Beurteilung auch egal. BERNIE hat für mich trotzdem absolut hervorragende Seiten. Jack Black als Bernie ist dermaßen wandlungsfähig, emotional und seine Mimik und Gestik unterstützt fast jede Szene so perfekt, dass es wie 1000 Mal geübt, aber trotzdem locker aussieht.
Dem in Texas geborenen Matthew McConaughey als Danny Buck Davidson sieht man den Spaß an der schönen Nebenrolle förmlich an und er scheint nach KILLER JOE nun ein wenig auf schräge Charaktere abonniert zu sein. Die Chemie zu der routinierten Shirley MacLaine die nicht wirklich viel in Dialogen gefordert wird, scheint auch von beiden Seiten zu 100% zu stimmen. Die etwas bizarre Story mit dem Gewand eines Independentfilms hat eine hohe Dichte von entsprechend absurden Situationen und oft erwischt man sich, noch von der letzten Szene so breit zu grinsen und wird von einer neuen erneut erwischt.
Soviel zu den guten Seiten des Films und es gibt noch viele mehr. Gebremst wurde meine Begeisterung aufgrund der doch durch und durch amerikanische, nein, texanische Geschichte. Gefühlt die Hälfte des Films besteht aus semi-dokumentarischen Szenen die manchmal den Fluss der Erzählung unterbrechen und auch in der deutschen Übersetzung – wie viele gute andere Sprüche auch – etwas untergehen.
Die wahre Geschichte ist in sich einmalig, aber braucht eine Menge Zeit bis sie ins Rollen kommt. Aber die Mischung aus Comedy und Drama zündet irgendwie doch und die kleinen absurden Gewaltspitzen und die gute Menge schwarzen Humors sind erinnerungswürdig und Jack Blacks Performance ist preisverdächtig. Seine Augen glänzen vor Engagement an der Rolle und er kann sogar ganz herzergreifend singen. Und bitte nicht den charmanten Abspann verpassen. Es lohnt sich.
6/10 Punkten