MEDIUM:
Die Scheibe hat ein sehr gutes hochwertig aufgelöstes Bild, die sportlichen, persönlichen und politischen Rückblenden sind natürlich aufgrund der Originalauflösung nicht immer hochwertig. Der Ton ist grundsätzlich zurückhaltend und es dominiert dokumentationsgerecht meist der Originalton der sprechenden Brüder oder anderer Zeit- und Sportgenossen.
FILM:
Regisseur Sebastian Dehnhardt hat eine Reihe von Dokumentationen gemacht und liefert hier mit KLITSCHKO eine sehr einfühlsame, spannende und kompetente Sport-, Sportlerfamilien- und Box-Dokumentation ab. Jeder kennt die Klitschkos und Ihre Karriere gleicht tatsächlich einem ukrainischen Märchen. Ob sie einem sympathisch sind oder nicht und Kritik am Boxsport an sich soll hier aussen vor bleiben und es soll nur der vorliegende Film bewertet werden.
Zunächst fällt positiv auf, dass es keine neutrale Sprecherstimme aus dem "off" gibt und die Protagonisten Vitali und Wladimir sowie ihre diversen Trainer, Betreuer, Manager und Weggefährten sprechen einfach selbst und dies verleiht dem Film schon einen guten Schuss Authentizität, es wirkt sofort persönlich und verbindlich. Der Film fängt mit sehr frühen, noch nie gezeigten Aufnahmen der beiden als Teenager an und man wird zu Orten sehr einfacher Wohnverhältnisse und erster sportlicher Stationen geführt.
Dreht sich die erste Hälfte des Film sehr um den familiären Background und die schwierigen Anfänge wird es im Laufe des Films immer sportlicher und die bekannten Kämpfe, viele Siege aber auch die wenigen, aber prägenden Niederlagen treten in den Vordergrund. Es kommen alle massgeblichen Personen die den Aufstieg geprägt haben zu Wort. Dies fängt bei den Familienmitgliedern mit der dominanten Mutter an und wird dann sportlich ergänzt von u.a. Don King, Lennox Lewis, Chris Byrd, Klaus-Peter Kohl, Larry Merchant und natürlich Fritz Sdunek. Es ist schön zu sehen, dass auch von den Brüdern schwer geschlagene Boxgegner in der Rückschau sehr positiv über die Klitschkos zu berichten wissen.
Bei den sportlichen Höhepunkten werden insbesondere die Niederlagen der Brüder und wie sie sich selbst wieder hochgezogen und gegenseitig motiviert haben gezeigt und das macht die Dokumentation sehr persönlich und glaubwürdig. Sebastian Dehnhardt macht es sich also nicht so einfach, eine Art best-of der Klitschko KOs zu zeigen. Er verwendet die meiste Zeit des sportlichen Teils auf die Rückschläge und ihre Bewältigung die die Brüder am Ende immer noch grösser und reifer gemacht haben.
Es wird schön herausgearbeitet, dass die tiefe gegenseitige, solidarische und unbedingte Bruderliebe einer der prägenden Faktoren für den Erfolg der beiden ist. Jeder Gegner boxt sozusagen zumindest mental gegen beide Brüder. Weiterhin ist positiv anzuführen, dass auch Vitalis politisches Engagement ausführlich behandelt wird da es zu seiner generellen Lebenseinstellung, seiner Liebe zu seinem Land und seinen Prinzipien sehr gut passt.
Die letzten Jahre des Films wenden sich den aktuellen Siegen der Brüder und Ihre Beherrschung der Schwergewichtsklasse und aller Titel zu. In den gezeigten Kämpfen und dem Umfeld und den Gesichtern der jeweils nicht boxenden Brüdern am Ring des gerade boxenden Bruders spiegelt sich eine hohe Emotionalität wieder die der Regisseur extrem sensitiv aufarbeitet aber auch mit voller Dramatik und Wucht an die Zuschauer weitergibt.
Negative Punkte gibt es keine, lediglich am Anfang entwickelt der Film noch nicht die Herzklopfen verursachende Spannung und Dynamik der späteren, boxkampfbetonten Phasen und wirkt manchmal etwas langatmig. Dies wird aber im späteren Verlauf mehr als wettgemacht. Wer nur ein wenig Sympathie für die Brüder hat wird durch diese sehr umfassende fast zweistündige Dokumentation mit vielen Details und einer guten sportlichen Zusammenfassung belohnt. Wer die Klitschkos nicht mag wird auch durch den Film seine Meinung nicht ändern. Für Box- und Klitschko-Fans ist der Film sowieso ein Muss.
8/10 Punkten