Es gibt im Boxsport nicht viele Namen, die auch jenen vertraut sind, die nie einen Kampf der Athleten gesehen haben, wie Max Schmeling, Muhammad Ali oder vielleicht noch Mike Tyson.
Seit einigen Jahren finden die promovierten Sportwissenschaftler aus der Ukraine keine gleichwertigen Gegner mehr und diese Dokumentation veranschaulicht, wie ein Klitschko stets mit der Kraft und der Unterstützung des anderen den Kampf antritt.
Vitali (1971) und Wladimir (1976) wurden rund zwei Jahre von Autor und Regisseur Sebastian Dehnhardt mit der Kamera begleitet; in die Ukraine, nach Deutschland, Kanada und Kasachstan.
Dabei stehen nicht nur die Kämpfe im Vordergrund, sondern zunächst der Werdegang, die Jugend in ärmlichen Verhältnissen: Der Vater beim Militär, der 1986 nach Tschernobyl beordert wurde und als Spätfolge Krebs bekam, eine eher lustige Anekdote mit einer gefundenen Tellermine, dann die Anfänge beim Kickboxen, die Eindrücke beim ersten Besuch in den USA bis hin zum Profi-Debüt von Wladimir 1996 in Hamburg.
Die zahlreichen Aufnahmen junger und teilweise unbeholfen wirkender Klitschkos erstaunen und man wundert sich, woher die ganzen Quellen aus den Achtzigern stammen, welche die Brüder beim Training, bei der Pressevorstellung oder beim Kampf zeigen.
Hinzu kommen einige Fotos aus dem Familienalbum, während Vater, Mutter und einige Weggefährten abwechselnd von ihren Erfahrungen mit Vitali und Wladimir berichten und überein aussagen, wie unterschiedlich die beiden doch eigentlich sind.
Dennoch entstand nie so etwas wie eine Rivalität, sondern ein unterstützendes Miteinander, auch wenn es zwischen den beiden nicht immer glatt lief, etwa beim Trainerwechsel zu Emanuel Stuart. Ein Schachspiel verdeutlicht ihre Beziehung zueinander, als auch die Vorgehensweise im Ring, denn beide sind intelligente Taktiker, es gibt kein Rückzug, denn man tritt an, um zu gewinnen.
Vielleicht wird es auch deshalb (und nicht nur, weil sie es ihrer Mutter versprechen mussten), niemals zu einem Kampf gegeneinander kommen, denn das hieße, einen Teil von sich selbst schlagen zu müssen.
Dehnhardt versteht es ausgezeichnet, die Karrieren der beiden Ausnahmesportler kurzweilig zu verpacken und für eingefleischte Boxsportfreunde ein paar nette Zeitlupen, einige Split Screens und neue Kameraperspektiven bekannter Fights einzubringen.
Hinzu kommt ein toll ausbalancierter Score von Stefan Ziethen, der vielfältig und den jeweiligen Stimmungen angepasst, ein unglaubliches Repertoire an verschiedenen Melodien einbringt.
Hier wäre normalerweise der Punkt, um über die Darsteller zu reden und da fällt positiv auf, dass sich niemand zu verstellen scheint, die Klitschkos durchweg sympathisch rüberkommen, selbst Gegner wie Chris Byrd und Lamon Brewster nichts schön reden, nur Promoter Don King kommt bei alledem nicht so gut weg.
Vielleicht muss man noch nicht einmal ausgewiesener Boxfan sein, um diese Doku zu mögen, allerdings hilft es ungemein, um sich überhaupt für eine Sichtung zu entscheiden.
Das chronologische Konzept mag nicht durchweg überzeugen, doch dafür entschädigen kleine Insider-Geschichten und der Mut, auch die Tiefphasen beider Brüder einzubinden, denn seit dem Erfolg der letzten drei Jahre hat man fast vergessen, dass auch ein Karriere-Aus im Raum stand.
Ein packender, charmanter, durchweg unterhaltsamer Streifen mit mitreißenden Bildern, einem ausgereiften Score und zwei sympathischen Hauptfiguren, die allerdings auch nur das offenbaren, was nicht zu sehr außerhalb des Boxringes stattfindet, denn eine lupenreine Vermarktung haben die beiden mittlerweile perfekt drauf.
8 von 10