Stanley Tongs dritte Regiearbeit präsentiert sich als von GOLDEN HARVEST verhältnismaßig aufwändig produziertes Actionspektakel mit Starbesetzung, als "Girls with Guns"-Streifen in der Tradition der IN THE LINE OF DUTY-Reihe.
Michelle Yeoh übernimmt für PROJECT S wieder ihre Rolle der festlandchinesischen Polizei-Inspektorin Ah Hua aus POLICE STORY 3, die nach HK beordert wird, um dort dem CID-Team um Inspektor Ming (Canto-Popstar Emil Chow (PURPLE STORM)) bei den Ermittlungen gegen eine Big Circle-Gang behilflich zu sein. Dabei stellt sich heraus, dass der Kopf der Bande Huas Ex-Lover und Ex-Cop Feng (Yu Rong Guang (NEW POLICE STORY)) ist, was der Zuschauer aber deutlich eher als unsere Heldin entdeckt. Die Bande um Feng hat sich jedenfalls mit dem Gweilo Roger Davidson zusammengetan, um mit dessen Hilfe den Tresor einer Bank zu knacken, und nun muss sich Ah Hua zwischen Gefühl und Pflichterfüllung entscheiden, ja ja, das alte Los.
Ich muss gestehen, ich liebe PROJECT S, und zwar aus gutem Grund: First of all, selten wurde ein Film dieses Genres so stringent und spannend umgesetzt wie hier, als Vergleich fiele mir da eigentlich nur noch ROYAL WARRIORS ein. Die Story ist sicher nicht die originellste, aber für HK-Verhältnisse außergewöhnlich schlüssig erzählt. Die Charaktere sind ebenfalls nicht ganz so platt wie bei der Konkurrenz gezeichnet, lenken aber glücklicherweise mit ihren Marotten auch nicht von der eigentlichen Handlung ab.
Die doch recht zahlreichen Actionszenen sind exzellent inszeniert, kernige Fights finden sich ebenso wie Shootouts und Verfolgungsjagden zu Fuß und im Auto, letztere qualifiziert sich als die beste mir bekannte Car Chase im HK-Kino. Dass die Shootouts von der Waffenwirkung nicht gerade John-Woo-Standard entsprechen ist zwar schade, aber verkraftbar, zumal die entsprechenden Szenen dank effektiver Kameraarbeit und Montage höchst dynamisch wirken und durch ihre kontextuelle Einbettung auch spannender sind als die Schusswechsel anderer Gunfight-Streifen.
Neben der Story und der Inszenierung sorgt auch die atmosphärische Musik von Richard Lo (CURRY & PEPPER, ANGELS) für den nötigen Drive, zwei der emotionalsten Momente des Filmes werden klassischerweise durch von Emil Chow zum Besten gegebene Canto-Pop-Songs passend begleitet.
Der Emil schlägt sich auch schauspielerisch ganz anständig, ohne allerdings mit Michelle Yeoh konkurrieren zu können, diese macht sowohl schauspielerisch als auch kämpferisch eine erstklassige Figur. Da verblassen auch die Leistungen von Yu Rong Guang und Fan Siu Wong, letzterer fühlt sich beim Kicken offensichtlich deutlich wohler als beim Schauspielern, er fällt aber auch nicht unangenehm auf. In den Nebenrollen überzeugen Bowie Lam (HARDBOILED) und Dick Wei, als Terroristin tritt in der Opening-Actionszene Yukari Oshima kurz auf und dann ab, Jackie Chan und Eric Tsang dürfen sich als Frauen verkleidet in der einzigen Slapstickszene des Filmes kurz zum Affen machen. Die Gweilo-Fraktion rekrutiert sich diesmal aus weniger bekannten Hackfressen, da sie außer grimmigem Gesichtsausdruck und ihrer beeindruckenden Physis nicht viel zeigen müssen passen auch sie wie die Faust auf´s Auge.
Optisch zeigt sich der Film solide, aber weniger stylish als andere HK-Produktionen des Jahres 1993, was dem Film eine gewisse Zeitlosigkeit verleiht, er sieht auch jetzt noch recht modern aus. Das überdurchschnittliche Budget manifestiert sich in vielfältigen Locations, die man so auch eher selten bei anderen Genre-Vertretern findet und die dem Film zusätzlich einen wertigen Look bescheren.
Das Finale gipfelt nach ausgedehnten Fights, Ballereien und Plot-Twists in einem hübschen Katastrophenspektakel, ohne sich dabei zu übernehmen, und beendet so sehr passend einen der gelungensten Femme-Fatale-Filme der 90er, der jedem Freund dieses Genres bedenkenlos zu empfehlen ist.