Nach ihrem beeindruckenden Auftritt in „Police Story 3“ spendierte Golden Harvest Michelle Yeoh alias Michelle Khan mit „Mega Cop“ ihren eigenen Polizeifilm.
Die junge Polizistin Jessica Yang (Michelle Yeoh) ist eine echte Expertin auf dem Gebiet der Verbrechensbekämpfung in Peking. Als man einen Minister als Geisel nimmt, geht sie als Krankenschwester getarnt herein und verprügelt im Duo mit ihrem Freund und Partner David Chang (Yo Rong Guang) die Rasselbande. Natürlich lässt man sich neben ordentlich Kloppe auch nette Stunts nicht nehmen, hier vor allem was Abspringen aus größerer Höhe angeht.
Doch David glaubt er verdiene zu wenig und müsse in Hongkong reich werden – danach will er die pflichtbewusste Jessica ehelichen, die bei ihrem Dienst bleibt. Inwieweit das als Werbung für Pflichtbewusstsein oder das chinesische System sein soll, macht „Mega Cop“ nicht ganz klar, aber es wirkt schon etwas peinlich, wenn Jessica von ihrem Dienst an der Gemeinschaft spricht.
Jedoch will David mit einer Verbrecherbande dort Geld machen. Als sie einen großen Coup verüben wird aus Peking ausgerechnet Jessica angefordert, um die Täter in Verbindung mit den einheimischen Behörden zu fassen…
„Mega Cop“ ist im Stile der „Police Story“-Filme inszeniert und bietet in deren Stile Polizeiaction mit einigen Humoreinlagen. Die Story ist dabei nicht sonderlich raffiniert, aber flott erzählt und bietet ein paar nette Ideen, z.B. dass David sich bei der ahnungslosen Jessica meldet und so seinen Gangsterkumpanen hilft. Große Überraschungen gibt es nicht, am Ende hat die Gerechtigkeit in jeder Hinsicht gesiegt. Der typische HK-Humor kommt nur in wenigen Szenen zum Tragen und ist dort sogar recht amüsant gemacht, vor allem die Szene, in der Inspektor Chan (Jackie Chan) wirklich sehr verdeckt ermittelt.
Natürlich ist die Action im HK-Kino essentiell und davon gibt es mehrere, recht lange und gut über den Film verteilte Passagen. Eine Non-Stop-Actionorgie wie manch anderer HK-Film bietet „Mega Cop“ zwar nicht, doch der gut austarierte Mix aus Nahkämpfen und Shoot-Outs macht Laune. Es wird akrobatisch gehüpft und gerollt während man fightet und ballert, im Finale wird der Heldin noch mal ein besonders schwerer Zweikampf gegönnt, sodass man an der Action nur wenig mäkeln kann.
Leider hat „Mega Cop“ auch seine unschönen Hänger, nämlich dann, wenn sich Stanley Tongs Film an Subplots versucht. Die beiden HK-Cops tauchen zwar auf, der eine verguckt sich ein wenig in Jessica, der andere umwirbt sein Mädel, aber diese Ansätze werden mal aufgenommen, mal fallengelassen und nicht zu Ende erzählt. Auch das Verhältnis von Jessica und David wird kaum ausgeschlachtet, sodass selbst in jenen Szenen, in denen David ein doppeltes Spiel mit Jessica spielt, nur wenig Drive zu fühlen ist. Diese und andere Versuche von Subplots hemmen dann die Erzählung des Hauptstranges, was „Mega Cop“ leider immer wieder unschöne kleine Hänger einbringt.
Michelle Yeoh ist in der Hauptrolle dafür ein echter Gewinn und vereint Schlagkraft mit Schauspielkunst, die über dem Actiondurchschnitt liegt. Yo Rong Guang als Gegenspieler ist auch gut, weniger einprägsam dafür die Darsteller der Polizeikollegen und der restlichen Verbrecher. In einer Gastrolle ist mal wieder Bill Tung zu sehen, einen Kurzauftritt absolviert auch Cynthia Luster. Jackie Chans Cameo beschränkt sich auch nur auf eine Szene und er ist kaum zu erkennen, doch besagte Szene ist wirklich ein kleines Highlight des Films.
So bleibt dann unterm Strich ein netter HK-Actioner, dessen Reibereien stets spektakulär gemacht sind, doch dessen Erzählung leider zu viele Hänger besitzt. Solides Entertainment, aber zu echter Größe fehlt noch an mehreren Ecken der Feinschliff.