Ähnlich wie auch "Let's scare Jessica to Death" oder "Messias des Bösen" ist "Montclare - Erbe des Grauens" einer dieser fast vergessenen Geheimtipps aus den 80er Jahren, die angesichts der Fülle an guten wie schlechten Filmen fast schon aus dem kollektiven Gedächtnis entschwunden sind.
Noch dazu ist Tony Williams Film ein australisches Produkt, die nicht die gleiche traditionelle Unterstützung haben wie amerikanische Horrorfilme, die sogenannte Ozploitation ist immer noch ein Geheimtipp selbst unter Genrefans.
Bei "Montclare" teilen sich die Kritikerfluten zumindest relativ klar in zwei Lager: die einen halten den Film für eine fast vergessene Gemme ungebrochenen Spannungsaufbaus mit Giallobezügen, die in einem furiosen Finale kulminieren; die anderen zählen den Film zu den großen Langweilern, die auf ungeklärte Art und Weise einen gewissen Ruf erworben haben.
Und wie so oft liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen.
Tatsächlich ist der Aufbau des nur 85minütigen Films sehr getragen, man kann auch gern ein "sehr" noch einfügen, Williams setzt mehr auf Stimmung und Atmosphäre, was dazu führt, daß er die Location als zentralen Reizfaktor einsetzt.
Die noch junge Linda kehrt nämlich nach dem Tod ihrer Mutter in das von dieser geführte Altersheim "Montclare" zurück, um da eher widerwillig die Leitung aus Traditionsgründen zu übernehmen. Das Haus befindet sich passenderweise relativ weit irgendwo im Outback, wo sinistre Finstermänner natürlich ausgesprochen gut ungesehen umgehen können, aber zunächst bleibt noch alles ruhig in dem Haus, aus dem man Linda als Kind ganz schnelle mal entfernt hat (oho!).
Vor Ort kommt so manches zusammen: die Hausmutterleitung ist eine von den ganz Ruhigen und Ausgeglichenen, der behandelnde Arzt Dr.Barton ist schon sehr lange im Dienst, ein paar kuriose Fälle zotteln leicht geriatrisch durchs Haus, eine neue Patientin wird des Nächtens samt Blitzschlag in einen nahen Baum eingeliefert und Lindas Jugendfreund Barney sieht auch noch ganz schnuckelig aus.
Doch alsbald fühlt man sich verfolgt, lugen Schatten über den Flur, dehnen Kameratricks die düsteren Korridore und dann tritt auch noch ein ganz agiler Patient in der vollen Badewanne auf die Leiche eines Mitinsassen. Das ist lecker und sorgt für einen leichten Schlaganfall, noch mehr aber für das Gefühl, daß an den düsteren Träumen aus der Kindheit und dem besorgten Ton in den Tagebüchern ihrer Mutter aus den 60ern etwas dran sein muß.
Was macht man also als zunehmend verängstigte Protagonistin: man bohrt tiefer und stößt auf eine Serie ungeklärter Todesfälle in Montclare, Barton als aktenfälschenden Arzt und Tante Rita als erste Kandidatin für die gepolsterte Gummizelle.
Bis man an diesen Punkt gelangt, der nicht nur Angst, sondern gleich handfeste Panik auslöst, vergehen allerdings gut 55 von 85 Minuten und die werden von dem sehr entspannten Drehbuch nicht eben zur konstruktiven Exposition genutzt. Zwar gibt es hier und da mal Hinweise und die Location macht ordentlich was her, aber es wäre schlüssiger und aufeinander aufbauender gewesen, wenn man die Plothäppchen nach und nach serviert bekommen hätte, anstatt solange zu zögern, bis man sie schubkarrenweise auf den Zuschauer einprasseln lassen muß.
Natürlich will man hier mit vielen Verdächtigen herumspielen, eventuell andeuten, daß auch Linda vielleicht nicht die dichteste Sicherung im Kasten hat, allein: dazu passiert eindeutig zu wenig. Und das, was passiert, hat scheinbar kaum etwas mit der Auflösung des Falls im Nachhinein zu tun. Es wird nie geklärt, ob der Fund des ersten Toten nun wirklich Mord oder Unfall war; die Bestrebungen von Arzt und Schwester, das Geheimnis der 60er bedeckt zu halten sind zu zögerlich und die Schatten auf dem Flur tun auch lange Zeit gar nichts, außer irgendwann mal im Bad alle Verschlüsse einzustöpseln und ordentlich das Wasser aufzudrehen.
Kein Wunder also, wenn der bemüht gialloabgehörte Synthi-Score (der übrigens meistens gar nicht passen will) über weite Strecken gar nicht zum Einsatz kommt, was den Suspense zwar etwas steigert (solange man sich seine Gemütslage nicht von den Filmemachern gern musikalisch vorkauen läßt), aber sich schlußendlich lange nicht auszahlt.
Deshalb geht dann auch bald die Prämisse, es mit etwas Übernatürlichem zu tun zu haben über die Reeling und die zaghaften Rückblenden in die Kindheit der kleinen Linda sind jetzt auch nicht aussagekräftig genug für a) ein Trauma und b) so schlechte Träume, sie gleich vierfach zu zeigen.
Punkten kann der Film dann in der letzten halben Stunde, wenn man fleißig am Hysterieventil dreht (und das ein bißchen unbegründet) und die Leichen sich in den letzten 20 Minuten sozusagen stapeln. Das ist zwar dann überraschend und sorgt auch für Adrenalin, aber da hat der Film narrativ sein Potential doch schon ziemlich verspielt. Da gibt es dann aber ordentlich Blut, eine Tüte Terror und ordentlich Druck auf der Tube, wenn es auch antiklimatisch ist, den allerletzten Showdown aus dem Handlungsort herauszuverlegen und in einem Wüstendiner stattfinden zu lassen. Immerhin ist der dann folgerichtig drastisch.
So ist "Montclare" weder Flop noch Klassiker, er ist kreativ deutlich unausgereift und leidet unter einem falsch gewichteten Drehbuch, hat aber so seine optischen Qualitäten und einen flotten Schluß, so daß ich ihm meine nicht uneingeschränkte Sympathie entrichten muß. Jedoch halten sich die großartigen und die überflüssigen Szenen nicht die Waae und das Prinzip der chronologischen Spannungssteigerung hat sich 1982 wohl noch nicht bis Australien herumgesprochen gehabt.
Trotz allem ein Thriller, der sich von der Konfektionsware deutlich unterscheidet. (6/10)