Internationaler Wein aus australischen Schläuchen
Von keinem Geringeren als Quentin Tarantino energischst empfohlen, von vielen als australischer „Shining“ betitelt, bei den meisten nicht wirklich au'm Schirm… „Montclare“ aka „Next of Kin“ erzählt von einer jungen Frau, die nach dem Tod ihrer Mutter ein altes Landhaus erbt, das zu einem Altersheim umgebaut wurde und in dessen Leitung sie nun mit eintritt. Doch schnell stapeln sich in ihrem neuen Domizil Leichen, persönliche Unsicherheiten und seltsame Erscheinungen, was eine grausame Vergangenheit und tödliche Zukunft offenbaren könnte…
„Montclare“ erfordert etwas Geduld und Sitzfleisch, er verteilt seine Payoffs nicht gerade mainstreamig über den gesamten Film. Vor allem die erste Hälfte kann sehr lethargisch und langsam wirken. Insgesamt fühlt er sich strange, offbeat und anders an. Aber in guter Weise! Erst recht mit einem solchen Finale und Klimax. Das erinnert tatsächlich an „The Shining“ und alles hat in den besten Momenten auch etwas Argento'eskes. Jedoch mit einer Hitze und schleichenden Alptraumhaftigkeit, wie sie fast nur aus Down Under kommen kann. Das creept, das knarzt, das saftet, das packt, das beißt im richtigen Moment zu. Wild und waghalsig. „Montclare“ changiert für manche vielleicht zwischen Schlaftablette und Brett. Ich tendiere insgesamt jedoch klar zu Letzterem. Ohne Frage ein Tipp, den man unter Horrorfans (mit Hang zum Slowburn) nicht bereuen wird oder um die Ohren gepfeffert kriegt. Wäre er in der ersten Hälfte vielleicht ein wenig aktiver, dann müsste eine noch höhere Wertung her. Doch auch mit dem eher schnarchigen, siesta'artigen Aufbau bleiben etliche Momente, eine fiese Atmosphäre und stumme (!) Jumpscares enorm positiv hängen.
Fazit: ooohjaaa, das ist ein Guter! „Montclare“ verschmilzt schwitzig australischen Terror, europäischen Schlock und amerikanischen Grusel zu einem echten Geheimtipp. Die letzte halbe Stunde kann es mit allem und jedem aufnehmen!