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Mit „Hellraiser: Hellseeker“ verramscht man Clive Barkers Ideen erneut, hat aber immerhin die Heldin der Originalfilme an Bord.
Kirsty Cotton (Ashley Laurence) ist inzwischen verheiratet und mit ihrem Angetrauten Trevor (Dean Winters) mit dem Auto unterwegs, doch dann die bauen einen Unfall. Das Auto segelt in einen Fluss, geht unter und Kirsty ertrinkt, obwohl Trevor versucht sie zu retten. Da schwant den Zuschauer schon Übles, denn so ein Beginn stellt sich oft als billige Alptraumsequenz heraus oder der folgende Film entpuppt sich als Vision eines Ertrinkenden (eine Pointe, die in den letzten Jahren zu oft strapaziert wurde).
Alptraum scheidet schon mal aus, doch das heißt ja nicht, dass es unbedingt die andere Lösung sein muss. Jedenfalls erwacht Trevor im Krankenhaus und scheint genesen – doch es quälen ihn Visionen von Tod und Leiden und bald stirbt auch jemand in seinem Umfeld…

Wie schon beim fünften Teil gibt es auch bei „Hellseeker“ keinen ersichtlichen Grund, warum dieser Film als Teil der „Hellraiser“-Saga fungiert. Die Cenobiten tauchen nur kurz auf, bis zu ihrem ersten Auftritt ist bereits der halbe Film vorbei. Auch die Idee von den Leuten, die verbotene Freuden suchen und dann für das Öffnen der Würfelbox bestraft werden, verlässt „Hellseeker“ und nur bei der Endpointe spielen die Cenobiten eine halbwegs plausible Rolle – was jedoch nichts daran, dass die Auflösung ein schlechter Witz ist. *SPOILER* Cenobiten und Würfelbox als Teil eines ordinären Ehestreits, das ist echt unter aller Sau. *SPOILER*
Bis zur schlechten Auflösung besteht „Hellseeker“ ähnlich wie Teil fünf nur aus Tagträumen, Visionen und realen Erlebnissen, die sich miteinander vermischen. Das Konzept ist simpel und geht bald auf des Zuschauers Nerven, wenn sich der x-te Schockeffekt mal wieder nur als Tagtraum des Protagonisten entpuppt hat. So interessiert es auch herzlich wenig, wer nun hops geht, da man eh nie sicher sein kann, ob das nicht nur wieder ein billiger Tagtraum war – zumal einem die Klischeecharaktere, gerade die peinlichen Frauenfiguren, am Allerwertesten vorbeigehen.

Zu allem Überfluss hat „Hellseeker“ jedoch nicht die Atmosphäre der Vorgänger, die gerade den fünften Teil ja trotz verquaster Geschichte noch rettete. Ein paar der düsteren Bildkompositionen kommen noch gruselig rüber und die wenigen Cenobiten-Auftritte sind mit ihren Make-Up-Effekten besser als der komplette Restfilm, aber das sind nur kurze atmosphärische Zwischenhochs in einem sonst ziemlich mauen Film.
Ashley Laurence hat hier zudem eine verschwindend kleine Rolle inne und spielt auch nur solide, während Dean Winters als eigentlicher Hauptdarsteller jedoch auch bloß durchschnittlich spielt. Mit wenigen Minuten Screentime als Pinhead spielt Doug Bradley den Rest der Cast easy an die Wand, aber das ist auch nur noch Veredelung eines ansonsten traurigen Films.

Somit setzt „Hellseeker“ den Abwärtstrend der „Hellraiser“-Saga fort, die sich scheinbar eh nicht mehr um Clive Barkers Ideen und Motive schert. Stattdessen bekommt man einen lahmen Mysterythriller mit unsäglich dämlicher Auflösung, bei dem die wenigen gelungenen Gruselszenen mit den Cenobiten kaum noch für Aufwertung sorgen.

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